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„Meine Droge ist mein Theaterstübchen“ Markus Knierim holt internationale Stars zum 6. JazzFrühling Diesen Künstler habe ich gerade gebucht“, sagt Markus Knierim und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Musik, die in seinem Auto läuft. Knierim ist der Chef des Theaterstübchens in der Kasseler Jordanstraße. Und er ist ein Mann mit großen Plänen, ein Visionär und ein Macher. Jeder Tag ist neu Der 51-Jährige hat mich freundlicherweise mit seinem Renault Scenic zum Interview abgeholt, und bereits während der Fahrt beeindruckt seine Energie. Eben habe er einem Freund geholfen, eine deutsche Zulassung für ein amerikanisches Auto zu bekommen. Nach unserem Termin habe er noch viel zu tun: Gagen überweisen, Verträge abschicken und um 16 Uhr die Künstler empfangen, die am Abend im Theaterstübchen auftreten werden. Beim Einparken weist er auf die Rückwärtsfahrkamera hin. Zum Mittagessen bestellt er ein Rumpsteak. Alkohol, Zigaretten? Nicht sein Ding, seit vielen Jahren. „Meine Droge“, sagt er, „ist mein Theaterstübchen. Deswegen ist es auch keine Arbeit für mich, es ist mein Hobby. Ich wache nie auf und sage mir: Kein Bock heute. Jeder Tag ist neu für mich.“ Mit dem Theaterstübchen verfolgt er ein ehrgeiziges Ziel: Er möchte seinen Club innerhalb der nächsten zwanzig Jahre international so bekannt machen wie Ronnie Scott’s Jazz Club und das Village Vanguard, die beiden legendären Lokalitäten in London und New York. Das Vorhaben mag tollkühn erscheinen, aber Knierim hat schon viel erreicht. „Die Promidichte wird immer enger“, sagt er. 180 Veranstaltungen in neun Monaten finden Jahr für Jahr im Theaterstübchen statt. Es gibt Jazz, Soul, Blues und in Zusammenarbeit mit Frauke Stehl eine Kabarettreihe. Freitags und samstags wird zur Disko geladen – eine wichtige Einnahmequelle. Am Sonntagnachmittag veranstaltet man ein eigenes Programm für die ältere Generation. Knierim geht „flächendeckend“ vor, wie er formuliert. Bei den Angeboten ist für Alt wie Jung etwas dabei. Und er engagiert internationale Stars, fördert aber auch die Kasseler Musikszene, die 70 Prozent des Programms bestreitet. Perfekter Sound Im Vorjahr investierte er in eine neue Ton- und Lichtanlage. „Das Theaterstübchen ist weithin bekannt für den perfekten Sound des Tontechnikers Rolf Dressler“, berichtet er. Es gibt auch Equipment für Live-Aufnahmen. Gerade erschien das im Theaterstübchen aufgenommene Unplugged-Album der Kasseler Sängerin Nicole Jukic. Wer es hört, kann nur bestätigen, dass der Klang umwerfend gut ist. Wie findet Knierim Entspannung? Er liebt das Tauchen, weil dabei alles langsamer sei als sonst, und er ist ein passionierter Saunagänger. Urlaub macht er jedoch nur selten. „Im Sommer werden die Weltmeister im Schifahren gemacht. Die trainieren im Sommer, damit sie dann ihre Leistung bringen. Und genau das Gleiche mache ich in der Sommerpause. Ich mache da mein Programm und buche die Bands.“ Musikalische Weltmeister Einige dieser musikalischen Weltmeister hat Knierim für den 6. JazzFrühling verpflichtet. Zum Beispiel Joshua Redman, der am 8. März mit seinem Quartett das Festival eröffnet. Da das Konzert des Top-Saxofonisten rasch ausverkauft war, hat Knierim wegen der großen Nachfrage ein Zusatzkonzert um 22 Uhr organisiert. Wie der Kontakt zu Redman zustande kam? Dessen Agentur habe sich bei ihm gemeldet, da sie schon vom Theaterstübchen gehört habe, erklärt er mit berechtigtem Stolz. Der Reiz des JazzFrühlings liegt für Knierim darin, dass man in intimer Atmosphäre Stars geradezu hautnah erleben könne. Andere Größen, die ins Theaterstübchen kommen, sind unter anderem Ron Carter, Paul Jackson, Pee Wee Ellis und Diknu Schneeberger. Auch mal fremdgehen Faszinierendes verspricht der 9. März mit einem gemeinsamen Abend der Bandleaderinnen Lynne Arriale, KJ Denhert und Grace Kelly, die Stücke von Abbey Lincoln, Joni Mitchell und Nina Simone mit Neuinterpretationen populärer Klassiker mixen. Bis zum 23. März dauert das Festival. Für die heimische Kreativität stehen vier Kasseler Formationen, und unter dem Motto „Das Theaterstübchen geht fremd“ werden drei Konzerte auswärts veranstaltet. Ute Lemper gastiert im bereits ausverkauften Opernhaus, der Fado-Star Cristina Branco tritt in der Karlskirche auf. Und das ResiDance Orchester Cassel – Knierims „liebstes, kleines Kind“ – lässt beim Abschlussball im Hotel Reiss Tanzmusik der 1920-er bis 40-er Jahre aufleben. www.theaterstuebchen.de Jérôme verlost Karten Gemeinsam mit dem Theaterstübchen verlost Jérôme Tickets für diese Konzerte im Rahmen des 6. JazzFrühlings: 1 x 2 Karten für die Jim Kahr Band 10. März 1 x 2 Karten für Scratch am 15. März 1 x 2 Karten für Diknu Schneeberger am 21. März Teilnahme per Mail mit dem Betreff „JazzFrühling“ bis jeweis fünf Tage vor der Veranstaltung an redaktion@bernecker.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen www.jerome-kassel.de 35 Von Georg Pepl JÉRÔME FEUILLETON


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