Jérôme Kassel

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Die Klaviatur des Komischen

11. März 2015 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Verleihung des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor
Bereits 1999 erhielt Frank Schulz den „Förderpreis Komische Literatur“ der Stiftung Brücker. Vorgeschlagen worden war er von Harry Rowohlt – Hamburger Urgestein, Schriftsteller, Kolumnist, Übersetzer, Rezitator, Schauspieler und Bühnenlegende. Begründung: „Sowieso mein Lieblingsautor!“ Es war seinerzeit die erstmalige Verleihung des Förderpreises, der seither als Erweiterung des mit 10.000 Euro dotierten „Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor“ vergeben wird.

Preisträger Frank Schulz trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Kassel ein. Foto: Mario Zgoll

Preisträger Frank Schulz trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Kassel ein. Foto: Mario Zgoll

Falsch gedacht!
Nun also, fünfzehn Jahre später, wurde Frank Schulz auch mit ebenjenem, seit 1985 jährlich verliehenen Hauptpreis geehrt. Eine Auszeichnung, mit der er selbst nicht gerechnet habe, in der Annahme, der Erhalt des Förderpreises schließe den Erhalt des Hauptpreises per se aus. Falsch gedacht! Das hatte es zwar noch nicht gegeben, nichtsdestotrotz ist es völlig folgerichtig, die Entwicklung eines Autors vom „vielversprechenden Talent literarischer Komik“ hin zu einem der „großen humoristischen Erzähler unserer Zeit“, zu würdigen, der meisterhaft die Klaviatur des Komischen spiele, wie es in der Jurybegründung heißt.

Hagener Trilogie
Denn mittlerweile blickt Schulz auf ein beachtliches Werk zurück: Auf insgesamt mehr als 1.500 Seiten schildert er in seiner Hagener Trilogie den ganz normalen Irrsinn des Lebens. Ergänzt wird dieses für sich schon monumentale Werk durch einen Band mit „Gelegenheitsversen“ unter dem Titel „Naturlyrik, Anfängerkurs“ (2008), den Erzählband „Mehr Liebe. Heikle Geschichten” (2010) sowie zuletzt 2012 den von der Kritik gefeierten Hamburg-Roman „Onno Viets und der Irre vom Kiez“, ein „unglaubliches Sprachkunstwerk“ (FAZ), aus dem der 57-Jährige während der Preisverleihung eine Kostprobe gab.

Foto: Mario Zgoll

Foto: Mario Zgoll

Meister aller Klassen
Allein, der Laudator und Element-of-Crime-Sänger Sven Regener fehlte bei der Preisverleihung am 31. Januar im Kasseler Rathaus. Er hatte kurzfristig aus familiären Gründen absagen müssen. Auf den charakteristischen rauen Tonfall der norddeutschen Rampensau musste also verzichtet werden. Nicht jedoch auf die von Regener verfasste Laudatio. Die trug kurzerhand Wolfgang Hörner, Verleger sowohl des Preisträgers als des verhinderten Laudators, vor. Und so besagen denn der Laudatioschreiber und der Laudatiovorträger im gefühlten Zweiklang Schulz als „Meister aller Klassen“, dem in Bezug auf das Groteske keiner etwas vormache.

Förderpreis
Der diesjährige Förderpreis, dotiert mit 3.000 Euro, ging an den Schweizer Arno Camenisch. „Die Prosatexte von Arno Camenisch singen ein Hohelied des Komischen“, so heißt es in der Begründung der Jury. Überregional bekannt wurde der 37-Jährige durch sein mehrfach ausgezeichnetes Buch „Sez Ner” (2009). Zusammen mit den beiden folgenden Büchern „Hinter dem Bahnhof“ (2010) und „Ustrinkata“ (2012) bildet es eine abgeschlossene Trilogie. Eine Trilogie also? Dies wie auch sein lakonischer Tonfall erinnern ein wenig an Frank Schulz. Bleibt abzuwarten, ob Camenisch in spätestens fünfzehn Jahren zurück nach Kassel kommt, um sich auch den Hauptpreis abzuholen …

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