Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Erzromantisch

26. Januar 2015 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Cellist Wolfram Geiss gibt im Februar sein Abschiedskonzert mit dem Staatsorchester

Als Solocellist des Staatsorchesters und als Musikakademie-Dozent hat Wolfram Geiss unser Musikleben nachhaltig geprägt. Der gebürtige Mainzer ist seit 1980 in Kassel tätig. Im Februar wird er zum letzten Mal vor seinem Ruhestand als Solist des Staatsorchesters auftreten.

Jérôme: Herr Geiss, wie hat sich die Orchesterarbeit im Laufe Ihrer Dienstzeit verändert?

Wolfram Geiss. Foto: nh

Wolfram Geiss. Foto: nh

Wolfram Geiss: Zunächst einmal hat sich das instrumentale Niveau in den letzten 35 Jahren immens gesteigert. Darüber hinaus änderte sich die Einstellung zum Orchesterspiel. Wir Musiker spüren heute instinktiv, dass wir eine produktive Zusammenarbeit mit unseren Arbeitgebern, mit der Politik und vor allem mit dem Publikum anstreben müssen, um bei den Menschen immer wieder ein Gefühl zu wecken: Die Kultur, die wir vertreten, ist ein hohes Gut, auf das eine moderne Gesellschaft zur Erhaltung ihrer Menschlichkeit nicht verzichten sollte. Freiwillige Leistungen wie der Förderverein „Bürger pro A“ oder auch die Konzertpädagogik stehen exemplarisch für dieses Engagement. Diese Einstellung habe ich früher vermisst.

Jérôme: Bei Ihrem Abschiedskonzert in der Stadthalle spielen Sie das „Kol Nidrei“ von Max Bruch. Was schätzen Sie an diesem Werk?

Geiss: Das „Kol Nidrei“ war das erste Stück, das ich mit dem Staatsorchester Anfang der 80er-Jahre, Jean-Pierre Faber dirigierte, aufführen konnte. Den Kreis über 30 Jahre später mit demselben Stück zu schließen, liegt nahe, zumal Bruch diese uralte jüdische Melodie in ein herzzerreißend schönes Cellostück verwandelt hat.

Jérôme: Was sind Ihre Zukunftspläne?

Geiss: Als Angestellter – ich hoffe nicht „Musikvollzugsbeamter“ – des Landes und der Stadt blieb wenig Zeit, ein anderes Leben als „Freelancer“ aufzubauen. Ich versuchte dies vor vielen Jahren mit dem Pallas-Trio, musste als Familienvater aber erkennen, dass dies ein sehr riskanter Lebensweg sein würde und dass eine Festanstellung eine wunderbare Alternative sein kann. Die „freie“ künstlerische Selbstvermarktung blieb jedoch weitgehend auf der Strecke, was nun einen sanften Übergang in den Ruhestand erschwert. Dennoch bleibt mir einiges: Konzerte in meiner alten Heimat Mainz, einige Verbindungen zu Kantoren, ein weiteres Mitgestalten beim Kammerorchester „Louis Spohr“, Operntrips, Reisen zu Konzerten unseres Sohnes Daniel. Und natürlich: Ich habe zwei Enkel.

Konzerttipp: 4. Sinfoniekonzert, 23. Februar, Stadthalle Kassel. Karten unter (0561) 1094–222.

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