Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



„Ich stehe auf Kassel“

21. Mai 2014 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Mathias Zeh (C.) ist eine Hälfte des Duos Die Feisten – und wohnt in Wilhelmshöhe

Mathias Zeh (C.) und Rainer Schacht waren mehr als 20 Jahre zwei Drittel der Kultgruppe Ganz Schön Feist. Nun sind sie unter dem Namen Die Feisten erfolgreich. Die beiden bespielten unlängst das Kasseler Theaterstübchen. Ihr Auftritt begann um 16 Uhr, proppenvoll war der Club in der Jordanstraße trotzdem. Das „Versuchslabor“ – so der Titel des aktuellen Feisten-Albums – kam prächtig an. Die neuen Lieder wie „Kriech nich‘ da rein“, gesungen auf Udo Jürgens‘ „Griechischer Wein“, oder das knuffige Hunde-Stück „Paul und ich“ sorgten für Superstimmung.

Der Auftritt im Theaterstübchen war für Zeh fast ein Heimspiel, da das „Göttinger Urgestein“, wie er sich nennt, seit einiger Zeit in Kassel wohnt. Wir trafen ihn im Café-Restaurant Herkules-Terrassen und plauderten bei Latte macchiato über seinen Wohnort, über Popularität und natürlich über Die Feisten. Die Atmosphäre war locker, und das Gespräch fand in Du-Form statt.

Mathias Zeh. Foto: Mario Zgoll

Mathias Zeh. Foto: Mario Zgoll

Jérôme: C., seit wann lebst du in Kassel?

Mathias Zeh: Seit zirka acht Jahren. Ich bin der Liebe wegen fünfzig Kilometer von Göttingen nach Kassel geknüppelt. Doch irgendwann, weil mir kein Druck gemacht wurde und meine Freundin nie sagte, ich solle zu ihr ziehen, hab ich mir gedacht: Jetzt ziehst du mal zu ihr.

Jérôme:Wie gefällt es dir hier?

Zeh: Mir gefällt die unglaubliche Natur, in der ich tatsächlich mittendrin wohne, ich finde das unbezahlbar und toll. Mir gefallen auch die Angebote, es gibt viel Kultur in Kassel. Außerdem schön: Ob ich Klempner bin oder bei Aldi an der Kasse sitze, interessiert niemanden, und das finde ich auch gut so.

Jérôme: Du legst also keinen Wert darauf, auf der Straße erkannt zu werden?

Zeh: Nee, ich mache einfach meinen Job.

Jérôme: In diesem Magazin wird ein Foto von dir erscheinen…

Zeh: Das ist natürlich vollkommen okay. Ich leide ja nicht an der Popularität, das wäre ja ein Lacher.

Jérôme: Welche Musik magst du?

Zeh: Ich mag die Stimme von Xavier Naidoo und verehre Simon & Garfunkel. Vor Simon & Garfunkel knie ich nieder, da bekomme ich eine Gänsehaut. Ich stehe seit jeher aufs Reduzierte. Als wir mit Ganz Schön Feist anfingen, das war die Zeit der lauten Rockmusik, waren wir fast Aussätzige.

Jérôme: Was ist neu bei Den Feisten?

Zeh: Ich habe bei Ganz Schön Feist nie Instrumente gespielt, was ich jetzt tue. Ich spiele ein bisschen Gitarre, ein bisschen Timple [typisches Saiteninstrument der Kanarischen Inseln], ein bisschen Cajón [Kistentrommel, ursprünglich aus Peru]. Im Vorjahr musste ich es mir draufschaffen, gleichzeitig zu singen und zu spielen. Außerdem singt Rainer nicht nur background, sondern auch mal vorn. Als neues Instrument gibt es auch eine Sitar für das Lied „Ranjid“. Und wir haben jetzt Headsets – sehr nützlich, weil wir so oft changen und die Mikrofone nicht einstellen müssen.

Jérôme: Im Theaterstübchen wurdet ihr gefeiert, wie ist sonst die Resonanz auf eure Duo-Auftritte?

Zeh: Im April des Vorjahres spielten wir bei Pop Meets Classic in der Volkswagen-Halle Braunschweig. Wir waren auch schon an diversen heiligen Gralsstätten von Ganz Schön Feist in Mainz, Bonn, Berlin und Hamburg. Was wir dann erlebten, war wirklich abgefahren, denn wir hatten noch nie eine solche Presse. Die positive Übereinstimmung des Publikums und der Journalisten war eine erstaunliche Komponente. Ein Schreiber meinte sogar, dass „Paul und ich“ Simon-&-Garfunkel-like sei, was uns natürlich sehr schmeichelte.

Jérôme: In diesem Lied führt ihr die Zuhörer auf die Hundewiese. Hast du selbst einen Hund?

Zeh: Ja, ich habe eine Berner Sennenhündin, die heißt Wilma. Ich bin quasi durch meine Freundin auf den Hund gekommen und erlebte, wie es auf der Hundewiese zugeht, wenn jemand mit einem Welpen unterwegs ist. Alle Frauen sind angetan von kleinen Hunden. Wenn man einen solchen Welpen ausführt, kann man sicher sein, mit vielen Damen ins Gespräch zu kommen. Diese Begebenheit habe ich öfters beobachtet und ich konnte nicht anders und musste ein Lied daraus machen.

Jérôme: Wie geht es mit Den Feisten nun weiter?

Zeh: Wir sind jetzt im ganz kleinen Erstrutsch unseres Tour-Ausprobierens. Richtig los geht die Tour im Herbst, da geht es wirklich ans Eingemachte. Übrigens kommen wir im November auch nach Vellmar.

29. November, 20 Uhr, Bürgerhaus Vellmar West. Karten bei Kulturzentrum Piazza, Telefon (0561) 8617893. Weitere Konzerttermine unter www.diefeisten.de

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