Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Interview: Kittihawk

22. Juni 2009 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Kittihawk wurde 1972 in Recklinghausen geboren. Sie studierte Grafik-Design in Bremen und arbeitet seit 2003 freiberuflich in diesem Bereich. Seit drei Jahren zeichnet die Wahlberlinerin außerdem Cartoons. 2008 nahm sie am Workshop der „Sommerakademie für komische Kunst“ in der Caricatura in Kassel teil. Seitdem kann sie Verträge mit Zitty, Titanic, Spiegel-Online, Italien, Schädelspalter und der Sächsischen Zeitung vorweisen. Im November 2008 wurde sie mit dem Cartoonpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung geehrt. Im Herbst wird ihr erstes Buch erscheinen.

Foto: Caricatura

Foto: Caricatura

Jérôme: Wie bist du zum Zeichnen von Cartoons gekommen?

Kittihawk: Durch die WM 2006: Die allerersten Cartoons, die ich überhaupt versucht habe, waren komische Zeichnungen zum Thema Fußball. Das war Ende 2005. Ich wollte ausprobieren, ob ich es schaffen würde, was Witziges zu machen. Fußball an sich ist ja schon witzig, und dass die WM 2006 in Deutschland gelandet war, entbehrte ja auch nicht einer gewissen Komik. Also habe ich einfach von heute auf morgen angefangen zu zeichnen. Ich war zwar schon lange Cartoon-Fan, kannte natürlich die Neue Frankfurter Schule, Titanic, New Yorker, aber selber hatte ich so was noch nie ausprobiert. Glücklicherweise habe ich mich von meinen ersten unwitzigen und total langweiligen Ideen nicht entmutigen lassen. Aus den zwölf „besten“, das heißt im weitesten Sinne lustigen Zeichnungen habe ich dann einen „WM-Kalender 2006“ zusammengeringelt und unter anderem ein Exemplar an die Zitty-Redaktion geschickt. Dass sie sich tatsächlich bei mir melden würden, hätte ich nie gedacht. Wenn ich mir den Kalender heute anschaue, verstehe ich es auch nicht ganz. Aber als dann zur WM mein erster Cartoon in der Zitty erschienen ist, war ich der glücklichste Mensch der Welt.

Jérôme: Was hat dir die Teilnahme an der „Sommerakademie für Komische Kunst“ 2008 gebracht?

Kittihawk: Oh, eine ganze Menge. Es war für  mich eine wahnsinnige Woche, die ich so nicht erwartet hatte. Ich wusste sofort, der Ort war gut, und die Dozenten, Organisatoren und Teilnehmer waren mir auf Anhieb sympathisch.
Ich war froh, auf Leute zu treffen, die Komik wirklich ernst nehmen, denn im Alltag kann man meist nicht punkten, wenn man Leuten erzählt, dass man Anhänger der brotlosen Kunst des Cartoonzeichnens ist. Man erntet eher mitleidige Blicke. Bei der Sommerakademie aber gab es Gleichgesinnte. Und berühmte Zeichner und Satiriker, die uns Einblicke in ihr Schaffen gewährt haben. Es ging darum, wie man es schafft, erste naheliegende Ideen zwar zu notieren, aber darüber hinaus weiterzuarbeiten und originellere Einfälle zu provozieren. Es war für mich die tollste Woche seit langem.

Jérôme: Was kann eine Institution wie die SAK leisten – künstlerisch, aber auch wirtschaftlich?

Kittihawk: Sie steht natürlich insbesondere den Nachwuchszeichner/innen als Ausbildungsstätte zur Verfügung und pflegt den Kontakt zwischen etablierten Künstler/innen und neuen Zeichner/innen. Aber das ist es nicht nur. Für mich ist sie insgesamt ein großer Rückhalt in ideeller, aber auch ganz praktischer Hinsicht.

Jérôme: Hast du Vorbilder?

Kittihawk: Ich mag Cartoons von Beck, Witze von Rürup und Kamagurka, und ganz besonders hin und weg bin ich bei Zeichnungen von Cathérine (Charlie Hebdo) und Roz Chast (New Yorker).

Jérôme: Wie arbeitest du? Versuch mal den Weg von der Idee bis zum Cartoon aufzuzeigen!

Kittihawk:
Ich arbeite meist an mehreren Cartoons gleichzeitig. Ideen und Fragmente notiere ich mir in meinem Skizzenbuch. Und einen Teil von diesen Versatzstücken trage ich immer in meinem Kopf mit mir rum. Wenn sich dann was zu einem Witz zusammensetzt, skizziere ich diesen Cartoon am Computer. Manche Zeichnungen gelingen sofort, die meisten aber zeichne ich in mehreren Versionen, die ich dann vergleichen kann. So kann ich sehen, in welcher Form der Witz am besten funktioniert.

Jérôme: Wie stellst du dir perspektivisch deine Zukunft als Cartoonistin vor? Hast du konkrete Pläne?

Kittihawk: Weiterhin viele lustige Cartoons machen. Und natürlich das Ganze weiterentwickeln, sowohl zeichnerisch, als auch was die Ideen angeht, neue Erzählweisen ausprobieren, da gibt es noch viel zu entdecken. Der nächs-te Meilenstein steht aber auch schon fest: Im Herbst wird das erste Kittihawk-Buch bei Lappan erscheinen, übrigens auch ein Kontakt, der sich über die SAK ergeben hat.

Termine
Sommerakademie für Komische Kunst in der Carcatura
Workshop: 2. bis 9. August

Leitung: Rattelschneck (Marcus
Weimer und Olav Westphalen)

Tagesreferenten: OL (Cartoonist), Stephan Rürup (Cartoonist, Titanic-Redakteur), Hans Zippert (Satiriker, ehemaliger Titanic-Chefredakteur), Oliver Domzalski (Carlsen-Verlag), Ecki Kühn (Postkartenvertrieb Modern Times) und andere.

Ausstellung: 21. bis 29. August
Eröffnung: 21. August, 19.30 Uhr
Finissage: 29. August im Rahmen des KulturBahnhof-Fests
www.caricatura.de

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