Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



„Jazz ist wie ein großer Abenteuerspielplatz“

11. März 2015 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Die Hamburger Sängerin und Songwriterin Ulita Knaus zählt zu den Stars beim 7. Kasseler Jazzfrühling
Wie macht er das? Woher nimmt er die Energie, um all die Konzerte zu veranstalten? Fast unglaublich ist es, was der Theaterstübchen-Chef Markus Knierim so alles auf die Beine stellt. Im Vorjahr stemmte er 181 Konzerte, und die Zuschauer werden, wie Knierim sagt, immer mehr.

Ulita Knaus. Foto: Steven Haberland

Ulita Knaus. Foto: Steven Haberland

Musiker hautnah erleben
Vom 12. bis zum 29. März veranstaltet Knierim nun den 7. Kasseler Jazzfrühling. Wieder werden viele Stars erwartet, und wieder kann man die Musiker in der intimen Club-Atmosphäre des Theaterstübchens geradezu hautnah erleben. Die Paul Kuhn Family ist ebenso dabei wie das Duo Dauner & Dauner oder der indische Perkussionist Trilok Gurto. Und unter dem Motto „Theaterstübchen geht fremd“ kommt der Trompeter Till Brönner am 27. März ins Opernhaus des Staatstheaters. Zu den Berühmtheiten beim Jazzfrühling gehört die Sängerin und Songwriterin Ulita Knaus, die am 19. März im Theaterstübchen auftreten wird. Knaus wurde von der FAZ als „neue Hoffnung des Jazz“ bezeichnet, sie erhielt 2009 den Hamburger Jazzpreis, und sie hat sechs von der Fachpresse hochgelobte Alben aufgenommen. Ihr jüngstes Album „The Moon On My Doorstep“ enthält reizvoll reduzierte Neu-Interpretationen bekannter Stücke und aparte eigene Songs. Knaus covert Tom Waits („Clap Hands“), Pink Floyd („Have a Cigar“) und Peter Fox („Ich Steine, Du Steine“). Ebenso anrührend wie cool ist ihr eigenes Lied „Accordion Player“. Es erzählt von einem verstorbenen Straßenmusiker, dessen Klänge die Sängerin im Hamburger Heimatviertel Altona über viele Jahre begleiteten. Darüber hinaus handelt das Lied von existentiellen Themen: Leben und Überleben, Außen und Innen, das Licht und seine Schattenseiten. Wir stellten Ulita Knaus einige Fragen.

Jérôme: Frau Knaus, Ihr neues Album heißt „The Moon On My Doorstep“. Wie kam es zu diesem Titel?

Ulita Knaus: Der Titel beschreibt die Stimmung des Albums. Der Mond ist Sinnbild für das strahlende Licht, das zurückgekehrt war. Es bedeutet im Grunde nichts anderes als das Licht am Ende des Tunnels, das man wieder sehen kann, nachdem man längere Zeit durch Dunkelheit gegangen ist. In meinen Texten findet man diese Stimmung an vielen Stellen wieder.

Jérôme: Das Album gilt als Ihr bisher persönlichstes Werk. Warum?

Knaus: Es ist deshalb sehr persönlich, weil ich in meinen Texten ehrlich bin. Die Geschichten sind in einer Zeit entstanden, als es mir nicht gut ging. Sowohl privat als auch als Künstlerin. Da waren viele Zweifel, Existenz- und Verlustängste und eine große Melancholie. Der Blues in meiner Musik ist daher auch nicht zu überhören.

Jérôme: Woher nehmen Sie die Gelassenheit, die Ihr Gesang ausstrahlt?

Knaus: Gelassenheit kam mit der Erkenntnis, dass ich nichts festhalten kann. Wenn man das einmal verstanden hat, fällt es einem leichter, sich zurückzulehnen und die Dinge langsamer und leichter anzugehen. Vielleicht ist es das, was man mittlerweile in meiner Stimme hören kann.

Jérôme: Bei manchen Hörern hat Jazz den Ruf des Verkopften und Intellektuellen. Wie erklären Sie Jazz-Verächtern die Vorzüge des Jazz?

Knaus: Jazz kann so vieles sein. Es gibt ja gar keine Erklärung dafür, was Jazz wirklich ist. Für mich bedeutet Jazz die Möglichkeit, sich innerhalb verschiedener Genres frei zu bewegen und diese zu kombinieren. Ich kann, wenn ich will, intellektuell sein, aber auch ganz emotional. Ich darf meine eigene Musik oder die anderer Komponisten interpretieren. Für uns Musiker ist Jazz wie ein großer Abenteuerspielplatz. Sicherlich ist es nicht immer einfach, das Publikum dafür zu gewinnen. Zum Glück aber gibt es immer noch viele Menschen, die an dieser Form von Ausdruck Spaß haben und sich mitreißen lassen. Am Ende gibt’s nichts Schöneres, als das Publikum mitwippen zu sehen oder nach dem Konzert von ihm zu hören, dass es die Geschichten meiner Texte nachempfinden kann. Darum geht es eigentlich!

Jérôme: Mit welcher Besetzung werden Sie ins Theaterstübchen kommen?

Knaus: Die „The Moon On My Doorstep“-Besetzung ist Tino Derado an Klavier und Keyboard und Túpac Mantilla an Percussion und Drums. Diese beiden Musiker sind alles, was ich brauche. Für mich ist es jedes Mal ein Genuss, ihnen beim Zusammenspiel zuzuschauen. Ich freue mich, dass auch Kassel das zu sehen bekommt! www.ulita-knaus.com, www.theaterstuebchen.de

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