Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Jetzt mit Elan in neue Bauprojekte

30. September 2013 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Der Ansturm kam sofort und war viel größer, als wir erwartet hatten.“ Nein, Lena Pralle hat momentan keine Sommerflaute. Von Urlaub kann vorläufig keine Rede sein. Ihr Telefon steht selten still. Denn die Pressesprecherin der Museumslandschaft Hessen Kassel ist nach der Auszeichnung des Bergparks Wilhelmshöhe zum UNESCO-Weltkulturerbe aktuell im positiven Stress. „Die ersten zwei Wochen kamen mehrere Anfragen täglich“, erzählt die Öffentlichkeitsreferentin von dem großen Echo der nationalen wie internationalen Presse. Die französische Nachrichtenagentur AFP, die Deutsche Welle international und Kinderreporter der Fernsehsendung „Logo“ zählten ebenso zu den zahlreichen Pressevertretern wie Redakteure von Printmedien oder Fachmagazinen, die von Wilhelmshöhe berichten wollten.

Verzaubert Tausende Besucher:  die Wasserfontäne im Bergpark Wilhelmshöhe. Foto: Andreas Weber

Verzaubert Tausende Besucher: die Wasserfontäne im Bergpark Wilhelmshöhe. Foto: Andreas Weber

Kräftiger Bewusstseinsschub
Auch beim Gang durch den Park sei das starke Interesse offensichtlich. „Die Besucher sind deutlich internationaler, kommen aus England, Frankreich, Italien und den Niederlanden“, erzählt Lena Pralle. Und noch etwas falle jetzt auf: Hunde spazierten öfter brav an der Leine, Fahrräder würden ganz nach Vorschrift geschoben – so als ob das Bewusstsein für den Schutz des Kulturdenkmals einen kräftigen Schub bekommen hätte.

Gut so, freut sich Lena Pralle. Dennoch beschere die besondere Auszeichnung auch neue Herausforderungen. Selbst wenn angesichts wachsender Besucherströme von der Erhebung eines Eintritts oder einem Zaun rund um den Park keine Rede sein könne, so stehe doch die Überarbeitung eines Verkehrskonzepts für den Innenraum auf der Agenda. Eine Erschließung durch Elektromobile, gerade für ältere oder körperlich eingeschränkte Gäste, werde diskutiert. Bevor jedoch eine Entscheidung falle, müssten umfangreiche Untersuchungen stattfinden, welcher Fahrzeugtyp für das größtenteils bergige Gelände am besten geeignet und auch behindertengerecht sei.

Eine zumindest vorübergehende Lösung habe man gemeinsam mit KVG, Polizei und Ordnungsamt für das Parkplatzproblem während der Wasserspiele bereits gefunden. Um den Mangel an Stellflächen für die Kfz der 5.000 bis 8.000 Besucher – doppelt so viele wie bislang – auszugleichen, würden nicht nur vermehrt Bahnen und Busse Richtung Wilhelmshöhe fahren, sondern auch Shuttle-Busse zwischen nahen Wanderparkplätzen und Herkules pendeln. Parkplatzanweiser regelten hier den Verkehr und händigten zusätzlich Übersichtskarten zur Information aus. Langfristig neuen zusätzlichen Parkraum zu schaffen, sei schwierig, da es sich um Flächen unter Naturschutz oder im Besitz von Hessen Forst beziehungsweise Privateigentum handele.

Neu geordnet und neu gebaut
Mit noch mehr Elan geht es laut Lena Pralle an die Realisierung weiterer Bauprojekte im Rahmen seit Jahren laufenden Neugestaltung der Museumslandschaft Kassel. Im sogenannten MLK-Projekt setze das Land Hessen rund 200 Millionen Euro ein, um die Kasseler Museen neu zu ordnen. Die Aufnahme des Bergparks in die Welterbeliste und der Prozess um die Neuordnung der Museen in Kassel und damit auch der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) hätten stets wechselseitig voneinander profitiert. So beginne im zweiten Halbjahr 2013 im Rahmen des mehrstufigen Konzepts die Restaurierung der Innenräume der Löwenburg, deren Außenanlagen gegenwärtig wiederhergestellt werden. Ebenfalls geplant, aber noch nicht terminiert, seien die grundlegende Instandsetzung des Weißensteinflügels und des südlichen Verbindungsbaus vom Schloss Wilhelmshöhe sowie der Neubau des Gartenbetriebshofs außerhalb des Marstallgeländes, nämlich oberhalb des Parkplatzes an der Ochsenallee. So bestehe die Möglichkeit, den Gartenbetrieb nach modernsten betrieblichen, wirtschaftlichen, denkmalpflegerischen und ökologischen Gesichtspunkten zu organisieren.

Eins von vielen idyllischen  Bauwerken im Bergpark:  Das Kaskadenaufseherhaus  am Neptunbecken,  direkt unterhalb  des Herkules. Foto: Andreas Weber

Eins von vielen idyllischen Bauwerken im Bergpark: Das Kaskadenaufseherhaus am Neptunbecken, direkt unterhalb des Herkules. Foto: Andreas Weber

Geplant sei ferner die Reithalle, das klassizistische Gebäude neben dem Marstall, instand zu setzen und auszubauen, um sie als multifunktionale Veranstaltungsstätte für Konzerte, Theateraufführungen oder museumspädagogische Aktivitäten zu nutzen. Auch auf den Marstall selbst warte eine Generalüberholung mit dem Ziel, hier neben Ausstellungsräumen auch die öffentliche Präsenzbibliothek, die Graphische Sammlung, das Depot der Gemäldegalerie samt Restaurierungswerkstatt sowie Arbeitsplätze der Wissenschaftler und des Direktionsstabs zu beheimaten. Erneuert werden soll nicht zuletzt auch die vorhandene Parkgastronomie, beispielsweise der Kaskadenwirtschaft durch eine neue technische Infrastruktur, die Instandsetzung der Nebengebäude und die Neugestaltung des Umfelds.

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