Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Kassel – Hauptstadt des Humors

24. März 2011 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Thomas Kapielski, Eckhard Henscheid, Harry Rowohlt, Maren Kroymann. Die Besetzung des 5. Kasseler Komik Kolloquiums war nicht nur hochkarätig, sie zeugte auch von Vielfalt. Der Reiz des Komischen liege in der Offenheit, erklärt Kurator Friedrich W. Block. Es sei auf kein Genre festgelegt. Dies spiegelte sich auch im Programm wider und so fanden sich Dichter, Schriftsteller, Dramatiker, bildende Künstler und Kabarettisten unter den diesjährigen Protagonisten.

Dr. Friedrich W. Block, Initiator und Kurator des Kasseler Komik Kolloquiums. Quelle: Caricatura

Dr. Friedrich W. Block, Initiator und Kurator des Kasseler Komik Kolloquiums. Quelle: Caricatura

Das Konzept des Kasseler Komik Kolloquiums ist bundesweit einzigartig. Überhaupt sei der Umgang mit Komik in Kassel ein ganz besonderer, so Block weiter. Zudem sei die Dichte der Kultur des Komischen hier einmalig.

Preis als Wegbereiter
Da ist etwa der bereits seit 1985 vergebene Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Dieser wurde von der Schriftstellerin und Kasseler Ehrenbürgerin Christine Brückner und ihrem Mann und Kollegen Otto Heinrich Kühner gestiftet. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Seit 2009 ist die Preisverleihung an das Kolloquium angegliedert. Sie bildet den ältesten Teil der verschiedenen Elemente und bereitete das Feld  für die Entwicklung der übrigen. Zuerst wurde der Preis nicht nur an Autoren, sondern auch an Forscher im Bereich des Humors vergeben. Dieser Teil wurde nach dem Tod der Stifter im Jahr 1996 jedoch ausgelagert und führte schließlich zur Etablierung eines kulturwissenschaftlichen Symposions.

Kunst oder Komik?
Ein solches bildet nach wie vor den Kern des Komik Kolloquiums. Es befasst sich mit gesellschaftsrelevanten Themen wie etwa „Die Komik der Medien“ im Jahr 2003 oder „Kunst oder Komik?“ 2011. Die einzelnen Veranstaltungen des Festivals stehen ebenfalls mit dem jeweiligen Thema in Verbindung. Der Preis wurde in diesem Jahr etwa an Thomas Kapielski verliehen, der nicht nur Autor, sondern auch Musiker und bildender Künstler ist. Seine Texte wie auch seine Ausstellung „Lampen“ im Rathaus kann ebenfalls im spannungsreichen Verhältnis zwischen dem Künstlerischen und dem Komischen gesehen werden.

Verschiedene Formate
Das Programm hat sich seit dem ersten Kolloquium im Jahr 2000 stetig weiterentwickelt. Die CARICATURA Galerie beteiligt sich schon seit dem ersten Kolloquium mit einer Ausstellung.
Auch bereits bestehende Formate wurden angegliedert, darunter die „Lange Lesenacht“, die zurückgeht auf eine Initiative des Kulturzentrums Schlachthof in Kooperation mit der Stiftung Brückner-Kühner. Sie bietet vor allem jungen Autoren eine Plattform. Denn auch in Humorfragen darf die Nachwuchsarbeit nicht vernachlässigt werden. So wurde auch im Jahr 1999 der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor durch den Förderpreis Komische Literatur ergänzt.

Ein weiteres Element ist die Lesereihe „Komische Literatur“, die die Stiftung Brückner-Kühner zusammen mit der CARICATURA Galerie veranstaltete. In den fünf Jahren ihres Bestehens fanden ganze fünfzig Lesungen statt, ehe das Format ebenfalls in das Komik Kolloquium integriert wurde.

Komik-Hochburg
Mittlerweile setzt sich das Programm des Kolloquiums aus Lesungen, Gesprächen, Ausstellungen sowie der Verleihung des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor und des Förderpreises Komische Literatur zusammen. In die Umsetzung dieses umfangreichen Programms fließen die verschiedenen Kompetenzen der Netzwerkpartner ein. Noch heute gehören die CARICATURA Galerie sowie der Schlachthof zu den Stamm-Kooperationspartnern. Zusammen mit der Stiftung Brückner-Kühner bilden sie eine Phalanx für die Verbreitung der Kultur des Komischen. Kassel ist demnach nicht nur documenta-Stadt, sondern ebenso eine Hochburg der Komik.

Erhielt 2011 den Literaturpreis für grotesken Humor: Thomas Kapielski. Quelle: Caricatura

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