Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Kleines Budget, große Kunst

14. Mai 2015 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Kultursommer Nordhessen startet am 24. Mai mit Grimm 2015 und KinderKultursommer

Wenn der Kultursommer Nordhessen am 24. Mai beginnt, dann kann man schon von einer guten Tradition sprechen. Zum bereits 27. Mal gastiert das Festival nun schon in der Region und hat sich auch weit über Nordhessen hinaus einen guten Ruf erworben.

Foto: Kultursommer Nordhessen

Foto: Kultursommer Nordhessen

Was im Jahr 1989 als Förderinstitution für regionale Veranstalter wie Gemeinden, Kulturvereine oder Kirchengemeinden begann, hat sich längst emanzipiert und gleichermaßen professionalisiert. „Das Festival bietet internationalen und regionalen Künstlern gleichermaßen Bühnen in den Dörfern und Städten Nordhessens und versammelt Mäzene und Sponsoren zur Förderung und Präsentation der Kultur in der Region auf höchstem Niveau“, resümiert Vereinsvorsitzende Ilka Jastrzembowski.

Wie seit 27 Jahren, so finden auch diesmal von Pfingsten bis August um die einhundert Veranstaltungen zwischen Klassik und A cappella, Jazz und Folk, Literatur und Kindertheater statt. Seit 2013 widmet der Kultursommer von April bis September außerdem eine Veranstaltungsreihe dem Thema „Brüder Grimm“, die 30 Jahre ihres Lebens in der Region verbracht haben. „Zu den 108 Veranstaltungen erwarten wir etwa 21.000 Besucher“, so Maren Matthes, Intendantin und Geschäftsführerin des Kultursommers seit 1999. Der Kultursommer endet am 9. August, GRIMM 2015 läuft bis zum 12. September.

Das Budget des Kultursommers ist, gemessen an vergleichbaren deutschen Events, recht überschaubar. Aus 870.000 Euro, die etwa zur Hälfte durch Spenden und Sponsorengelder, darunter regionale Unternehmen wie B. Braun sowie das Land Hessen und die Landkreise des Regierungsbezirkes, gedeckt sind, haben Maren Matthes und ihr Team auch diesmal wieder ein Festival gestrickt, das mit Hochkarätern durchsetzt ist.

Beachtliche Bandbreite
„Außer Rand und Band“ könnte man das Programm des Kultursommers 2015 überschreiben. Grenzgänge von Klassik zu Pop und Weltmusik sind ebenso zu finden wie ein „Piano Battle“ zweier unterhaltsamst, aber bis aufs Messer konkurrierender Klavierspieler oder einer furiosen Performance von sieben Schlagzeugern mit „Power-Percussion“ (Fritzlar vor dem Dom, 5. und 6. August). In Zierenberg fetzt das britische Ensemble „Red Priest“ mit einem Vivaldi-Programm mit Rockkonzert-Atmosphäre durch die gotische Kirche, gefolgt von den Bolívar Soloists, die für ihre lateinamerikanischen Klassik-Versionen mit dem ECHO-Preis „Klassik ohne Grenzen“ ausgezeichnet wurden (Zierenberg, 17. und 18. Juli).

Ben Becker reitet und rezitiert
Ein Gipfeltreffen starker Persönlichkeiten präsentiert der Kultursommer mit Ben Becker, Meret Becker und Katrin Sass, die gerne mal für die eine oder andere Überraschung sorgen. So war das Kultursommer-Team 2012 beim Gastspiel von Ben Becker spontan vor die Aufgabe gestellt, ein Pferd aufzutreiben, das er sich für seinen Einzug in die Reithalle wünschte. In diesem Jahr tritt er als Rezitator zusammen mit Giora Feidman auf, dem „Magier mit der Klarinette“, in einer Hommage an den Nachkriegsdichter Paul Celan.

Außergewöhnliches auch zum Thema Grimm: Das weltweit agierende Schattentheater Vagantei Ehrhardt erzählt mit meterhohen Schattenfiguren auf alten Gemäuern vom „Gestiefelten Kater“, vom „Fischer und seiner Frau“ aber auch vom „Dr. Faustus“ (Mai und September in Kau-fungen, Cornberg, Friedewald und Eschwege). Eine Wiederaufnahme gibt es mit dem Theater ANU und „Schattenwald“, der erfolgreichen Auftragsproduktion für GRIMM 2013, die in diesem Jahr an den märchenhaften Orten „Niester Riesen“ und „Schloss Wallenstein“ gastiert (3.–12. September). Auf dem Spangenberger Himmelsfelsen ist das Theater ANU mit seiner Produktion „Die große Reise“ zu Gast: Tausende von Kerzen bilden ein riesiges Lichterlabyrinth, in das der Besucher geführt wird wie durch ein Tor in eine andere Welt (13. Juni).

Der gestiefelte Kater als gigantisches Schattentheater - im Mai und September an vier Spielorte. Fotos: Kultursommer Nordhessen

Der gestiefelte Kater als gigantisches Schattentheater – im Mai und September an vier Spielorte. Fotos: Kultursommer Nordhessen

Im Mittelpunkt: Die Klassik
Herzstück des Kultursommers bleibt mit Sinfonie und Kammermusik die Klassik, zum Beispiel mit Gänsehaut-Momenten in der Reihe SOMMER SINFONIE: Der Star-Cellist Mischa Maisky wird weltweit als einer der größten Cellovirtuosen unserer Zeit gefeiert. Fast magisch scheint es, wie die temperamentvollen Interpretationen des Musikers mit der weißen Mähne das Publikum in den Bann ziehen. Nach Kassel kommt der „Romantiker des Cellos“ mit der Israel Camerata Jerusalem, passend zum 50-jährigen Jubiläum der diplomatischen Beziehungen Deutschland-Israel. Der gebürtige Lette wanderte in den 70er Jahren nach Israel aus. Auf derselben Bühne wie der große Star, sind die Nachwuchstalente des Moldavian Youth Orchestra und dem Jovem Orquestra Portuguesa, zwei nationale Jugendorchester von internationalem Rang, zu hören. Die jungen Musiker zwischen 16 und 26 Jahren begeistern neben selbstverständlicher technischer Brillanz mit Energie und mitreißender Leidenschaft (Kassel 1., 3. und 9. August).

Die Promis kommen und machen auch etwas …
Prominente Mimen wie Christian Redl, Nina Petri, Katrin Sass, Elke Heidenreich und viele mehr sind in nordhessischen Klöstern, Kirchen und Kulturscheunen zu Gast, ein KinderKultursommer lädt zum Familienprogramm ein und eine große A cappella-Reihe von den traditionellen Thomanern bis zum jodelnden Schweizer Jugendchor finden sich im Programm.

Alle Veranstaltungen unter www.kultursommer-nordhessen.de, Tickets ab sofort unter (0561) 98839399, an den bekannten regionalen Vorverkaufsstellen oder online.

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