Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben


Tobias Schülert: Witziges in die Welt tragen

19. Oktober 2011 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Schon während der Schulzeit wollte Tobias Schülert Leute zum Lachen bringen, auch wenn ihn damals noch nicht interessiert habe, dass man Humor mit einem Beruf verknüpfen kann. Mittlerweile interessiert ihn dieses Phänomen nicht nur – er hat es wahr gemacht.

Tobias Schülerts sich individuell anpassende Matratze

Tobias Schülerts sich individuell anpassende Matratze

Die Erkenntnis, dass er Cartoonist werden wollte, streifte Schülert während eines dreimonatigen Praktikums bei Til Mette in New York. Dort hatte er nicht nur Gelegenheit, dem legendären „Stern“-Zeichner über die Schulter zu schauen, sondern auch wöchentlich in der „New Yorker Staats-Zeitung“ zu veröffentlichen, der ältesten noch existierenden und zugleich auflagenstärksten deutschsprachigen Zeitung in den USA.

Internet als Plattform
Zurück in Deutschland studierte Schülert visuelle Kommunikation in seiner Heimatstadt Bielefeld. Dort offenbarte sich ihm auch seine zweite Leidenschaft, nämlich die für das Mediale. Er begann, Animationsfilme anzufertigen und „stolperte als Schauspieler durch einige Kurzfilme.“ Außerdem entdeckte er „das Internet als Plattform, um Witziges in die Welt zu tragen und Witziges zu bekommen.“

Beide Leidenschaften – Cartoons bzw. Karikaturen und die Neuen Medien – vereinigte Schülert dann auch in seiner Diplomarbeit „Das virtuelle Karikatur Museum“, in der er verschiedene Computeranwendungen mit einem Einblick in die Geschichte der Karikatur verknüpfte.

Weiterschicken!
Bereits während des Studiums begann Schülert, Cartoons zur Veröffentlichung an das Satiremagazin Titanic zu schicken – wurde aber anfangs fortwährend abgelehnt. „Man sagte mir nur ‚Weiterschicken!‘ und das tat ich“, erinnert sich der 1977 geborene Zeichner heute mit dem ihm eigenen nonchalanten Lächeln. Im Dezember 2005 klappte es dann endlich, und seitdem veröffentlich er regelmäßig im endgültigen Satiremagazin. Von nun an ging es steil bergauf mit Schülerts Karriere als Cartoonist. Im Oktober wurde er auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Cartoonpreis ausgezeichnet. Daraufhin ging er als Buchautor zu Carlsen Comics und brachte dort sein erstes Buch „Wasserlachen“ heraus.

Schülert fragt nach
Doch auch das Interesse für Verbreitungsmöglichkeiten im Internet wollte befriedigt sein – und so wurde Schülert im Jahr 2008 schließlich Humorredakteur bei stern.de. Außerdem moderiert er dort nun bereits sein zweites WebTV-Format. Unter dem Motto „Schülert fragt nach“ ist er regelmäßig in Hamburg unterwegs und befragt Menschen auf der Straße auf provokant-satirische Weise zu aktuellen Themen, wie „Können Frauen Fußball spielen?“ anlässlich der Frauenfußball-WM oder „Wie viel Guttenberg steckt ihnen?“ und ist dabei für keine Unverschämtheit zu feige.

Aktionssatire
Bereits im Vorgängerformat „Klatsch for Lunch“ (2008-2010) war Schülert im Zeichen der Aktionssatire unterwegs. So testete er etwa als Träger der olympischen Flamme im Selbstversuch die Reaktionen der Hamburger auf die umstrittenen Sommerspiele in Peking im Jahr 2008 oder versuchte als Fitnesscoach die nachweislich immer dicker werdende Bevölkerung vor der Kamera zu sportlicher Betätigung zu animieren. Mit dieser Aktion war Schülert zwar nur mäßig erfolgreich, seine urkomischen, ca. 5-minütigen Webclips finden jedoch – völlig zu Recht – immer mehr Anhänger.

Von Tobias Schülert erschien bisher: „Wasserlachen“ (2011, Carlsen Verlag)


Tags: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar