Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Wie ein Dompteur im Zirkus

26. Mai 2015 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Dieter Wedel und sein starbesetztes Ensemble eröffneten die Probenzeit der Bad Hersfelder Festspiele

Auch in den letzten Jahren ist hier gutes Theater gemacht worden, nur wurde es nicht mehr wahrgenommen“, sagte der neue Bad Hersfelder Intendant Dieter Wedel (72). Es war ein sonniger Apriltag, als der prominente Regisseur und frühere Leiter der Nibelungen-Festspiele Worms mit seinem Shakespeare-Ensemble die Probenzeit der 65. Bad Hersfelder Festspiele eröffnete.

Völlig entspannt präsentierten sich der neue Intendant Dieter Wedel und seine hochkarätige Darstellerriege zum Probenbeginn der Bad Hersfelder Festspiele. Foto: Mario Zgoll

Völlig entspannt präsentierten sich der neue Intendant Dieter Wedel und seine hochkarätige Darstellerriege zum Probenbeginn der Bad Hersfelder Festspiele. Foto: Mario Zgoll

Was festgehalten werden kann: Schon bei Probenbeginn hat Wedel das Ziel erreicht, die Bad Hersfelder Festspiele in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. Kamera-Teams mehrerer Sender, zahlreiche Fotografen und Journalisten waren gekommen: Medienrummel in der Stadthalle.

Medienrummel und Stardichte
Eindrucksvoll die Stardichte bei den Schauspielern. Anwesend waren unter anderem Mathieu Carrière, Heinz Hoenig (mit Hund Tschula), Sonja Kirchberger, Cosma Shiva Hagen, Teresa Rizos, Franziska Reichenbacher, Markus Majowski, Lucas Prisor und Robert Joseph Bartl – Letzterer hat 2005 den Bayerischen Kunstförderpreis erhalten und ließ in der Leseprobe eine sonore Stimme hören.

Die Probe des auch mal scherzenden Ensembles galt Shakespeares „Komödie der Irrungen“, bei der Wedel selbst Regie führt – Premiere ist am 6. Juni. Eine irrwitzige Verwechslungskomödie: Zwei Männer suchen ihre verschollenen Zwillingsbrüder, und ihre Suche wird auch eine Reise zu sich selbst: Bin ich noch ich – und wenn ja: wer ist das eigentlich?

Neue Zuschauertribüne
Als Zirkusvorstellung wird die „Komödie der Irrungen“ gezeigt werden – man kann darin durchaus einen Symbolcharakter erkennen. „Ich fange ja hier auch an, den Zirkus aufzubauen. Es sind auch ein paar Raubtiere dabei. Ich weiß, dass sie den Dompteur wollen, deshalb sind sie hier“, sagte Wedel mit einem Lächeln.

Ertragen die Irrungen als Schwestern: Teresa Rizos (links) und Cosma Shiva Hagen. Foto: Mario Zgoll

Ertragen die Irrungen als Schwestern: Teresa Rizos (links) und Cosma Shiva Hagen. Foto: Mario Zgoll

Sieben Produktionen stehen auf dem Spielplan der Bad Hersfelder Festspiele vom 6. Juni bis zum 2. August. Darunter ist auch Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ (Premiere: 13. Juni.) Ex-Intendant Holk Freytag führt Regie, in der Rolle des Gerichtsrats Walter ist Nina Petri zu sehen.

„Den Zauber der Stiftsruine neu entdecken“ heißt es auf der Homepage der Festspiele. Auf die Frage, wie sich der Zauber neu entdecken lasse, wies Wedel auf die neue Zuschauertribüne hin, außerdem werden die Aufführungen in der Stiftsruine fortan mit einer Pause gespielt. „Ich glaube, dieser Neuentdeckung hilft es schon, wenn das Publikum bequem sitzt, von allen Plätzen gut sieht und von allen Plätzen gut hört und die Möglichkeit hat, in einer Pause aufzustehen. Das war nicht gegeben.“

Früher hat in Bad Hersfeld nicht selten ein frostiges Klima zwischen Politik und Intendanz geherrscht – für Aufsehen sorgte im Vorjahr die fristlose Kündigung des Intendanten Holk Freytag. Ob derzeit Spannungen mit der Stadtpolitik spürbar seien? Wedels Antwort: „Wenn es Spannungen gibt, kriege ich davon überhaupt nichts mit. Ich merke, dass es allgemein begrüßt wird, wenn der Stillstand überwunden wird.“

www.bad-hersfelder-festspiele.de

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