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Der Genetik auf der Spur: Herderschule plant erstes S1-Genlabor in der Region

18. September 2013 | Von | Kategorie: Gesellschaft 

Wir schließen die Lücke in Nordhessen.“ Martin Sauer, Schulleiter der Herderschule in Kassel, ist sichtlich stolz. Zu Recht, denn die Gymnasiale Oberstufenschule unterstreicht ihre naturwissenschaftliche Ausrichtung mit einem bislang einmaligen Projekt in der Region. Als vierte Schule in ganz Hessen richtet sie ein S1-Genlabor für rund 70.000 Euro Gesamtkosten im Herbst ein. Nicht nur die Schüler und Lehrer des Oberstufengymnasiums selbst, sondern auch rund 40 andere Schulen in Stadt und Landkreis Kassel sollen davon profitieren können.

Projekt- und Laborleiterin Dr. Andrea Bette und Schulleiter Martin Sauer. Foto: nh

Projekt- und Laborleiterin Dr. Andrea Bette und Schulleiter Martin Sauer. Foto: nh

Bereits seit 2011 setzt sich Dr. Andrea Bette, Projekt- und zukünftige Laborleiterin, für die Einrichtung des Genetiklabors in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Wolfgang Nellen vom Fachbereich Genetik der Uni Kassel ein. Sein Netzwerk Science Bridge (www.sciencebridge.net) diene seit 1996 als wissenschaftliche Brücke zwischen der Universität und den Schulen, könne aber die wachsende Nachfrage nach molekulargenetischen Kursen nicht mehr abdecken. Dringenden Handlungsbedarf gebe es auch deshalb, weil einerseits Gentechnik im Lehrplan verankert und abiturrelevant sei, andererseits aber praxisorientierter Unterricht innerhalb der Schule an einem fehlenden Labor des Sicherheitsstatus 1 und entsprechenden Laborgeräten scheiterte. Letztere sollen jetzt vor allem mittels Sponsoring regionaler Unternehmen eingekauft werden. Bezüglich der Umbaukosten betont Dr. Bette: „Das Staatliche Schulamt und der Schulträger stehen hinter unseren Planungen. Das Hessische Kultusministerium unterstützt mit personellen Mitteln.“

Sicherheitsstufe 1
Das Genlabor schaffe das adäquate Umfeld, um Versuche mit Organismen vorzunehmen, beispielsweise das Enzym für lactosefreie Milch herzustellen. Die Sicherheitsstufe 1 sei der niedrigste Level und bedeute keinerlei Gefahr für Schüler und Lehrer. Prof. Dr. Nellen unterstreicht: „Molekularbiologische Methoden werden in vielen Bereichen benötigt wie beispielsweise Umwelt, Medizin, Ökologie oder Lebensmittelkontrolle. Die meisten machen das als Buchunterricht, dabei gibt es einen riesigen Bedarf.“ Diese Einschätzung teilt auch Dr. Bette: „Als unser Plan bekannt wurde, kamen sofort Nachfragen von Lehrern, aber auch von Eltern.“ Prof. Dr. Nellen ergänzt: „Auch der Schülerresponse ist sehr, sehr gut.“

Interdisziplinäres Kolloquium und mehr
Der Schwerpunkt des S1-Labors liegt laut Dr. Bette auf der Basis- und Breitenförderung, schließe aber auch die Begabtenförderung bis hin zur Teilnahme an „Jugend forscht“ mit ein. Um Lehrer auf dem Gebiet der Molekulargenetik weiter zu qualifizieren, biete das Genlabor der Herderschule auch Fortbildungen an. Auf der Agenda stehe als nächstes einen Leitfaden für Schulen zu publizieren, die ebenfalls ein S1-Labor aufbauen wollen. Geplant sei ferner, ein interdisziplinäres Kolloquium zu etablieren, quasi als Kontakt-Plattform von Sponsoren/Professoren/Doktoranden zu den Schulen. Auch soll eine bereits existierende Kooperation mit dem Schülerforschungszentrum (SFN), das Klaus-Peter Haupt leitet, durch gemeinsame Kolloquien und Schülerarbeiten weiter ausgebaut werden. Für die Herderschule selbst freut sich Schulleiter Martin Sauer: „Wir werden den naturwissenschaftlichen Unterricht auf eine breitere Basis stellen können.“

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