Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Die Kunst und das Grundgesetz

23. September 2010 | Von | Kategorie: Gesellschaft 

Große Persönlichkeiten in und aus Kassel

Erinnerte sich stets gut an die intensive Beziehung seines Vater zu Nordhessen und seinen reichen Kulturschätzen: Jewgenij Pasternak im Gespräch mit Jérôme Autor Klaus Becker. Foto: Archiv Klaus Becker

Erinnerte sich stets gut an die intensive Beziehung seines Vater zu Nordhessen und seinen reichen Kulturschätzen: Jewgenij Pasternak im Gespräch mit Jérôme Autor Klaus Becker. Foto: Archiv Klaus Becker

Wer das Buch nicht gelesen hat, kennt auf alle Fälle die Titelmelodie des Films „Dr. Schiwago“, das Buch ist eine der literarischen Legenden des letzten Jahrhunderts. Sein Autor, Boris Pasternak, erhielt für sein Meisterwerk den Nobel-Preis für Literatur und musste auf Druck der damals mächtigen sowjetischen Behörden diese Auszeichnung ablehnen. Es war der größte literarische Skandal der letzten 100 Jahre.

Boris Pasternak
Wenig bekannt ist die enge Bindung des großen russischen Autors zu Nordhessen und besonders zu Kassel. Sein Sohn Jewgenij hat oft davon berichtet, wie sehr sein Vater Boris Kassel und seine Kunstsammlungen bewunderte. Dessen Vater Leonid wiederum, selbst ein bekannter russischer Maler, hatte in Kassel und bei mehreren Besuchen der Kasseler Kunstsammlungen wesentliche Impulse erhalten. Dies ging so weit, dass er in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, als er im Exil in Deutschland lebte, sogar eine Publikation über die Kasseler Galerie schrieb. Als sein Sohn Boris als junger Student eine Zeit in Marburg verbrachte, fuhr er regelmäßig nach Kassel und begeisterte sich über die großartigen Bilder in der Galerie. Eine kulturelle Prägung, die Zeit seines Lebens Spuren in seinem Werk hinterließ. Kassel und Nordhessen waren in der Jugend des Schiwago-Autors strahlende Augenblicke, an die er sich bis an sein frühes Lebensende immer wieder mit Dankbarkeit erinnerte, wie sein Sohn Jewgenij bestätigt.

Eine starke Frau aus Kassel. Barbara Rudnik mit Jugendfreund Dr. Hubert Rühlmann (rechts) und Freunden Emin Boztepe und Walter Weber (von links). Foto: Archiv Klaus Becker

Eine starke Frau aus Kassel. Barbara Rudnik mit Jugendfreund Dr. Hubert Rühlmann (rechts) und Freunden Emin Boztepe und Walter Weber (von links). Foto: Archiv Klaus Becker

Elisabeth Selbert
Jahrzehnte nach Boris Pasternaks intensiven Besuchen in der Kasseler Galerie wurde die zum glänzenden Rahmen für ein großes gesellschaftliches Ereignis. Im Jahre 1981 besuchte der damalige französische Staatspräsident Giscard d’Estaing Deutschland zu einem Staatsbesuch. Hessen war das Ziel und der damalige Ministerpräsident Holger Börner lud zu einem großen Empfang ins Schloss Wilhelmshöhe. Unter den ausgewählten Gästen eine Frau, die die Geschichte der Bundsrepublik maßgeblich mitgestaltet hat: Die Kasseler Rechtsanwältin Elisabeth Selbert, die als eine von drei Frauen 1949 das Grundgesetz mitformuliert hatte und die dabei durchsetzte, den damals gar nicht selbstverständlichen Grundsatz der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mit in das Grundgesetz aufzunehmen. Es war eine der letzten großen Auftritte von Elisabeth Selbert in der Öffentlichkeit. Und Frankreichs Präsident zeigte sich beeindruckt von der politischen Weitsicht dieser Kasseler Politikerin.

Barbara Rudnik
Bewundert wurde Elisabeth Selbert auch von der jungen Kasselerin Barbara Rudnik, die sich vor Beginn ihrer schauspielerischen Ausbildung in Kassel politisch betätigte. Gemeinsam mit ihren Freunden war sie bei der Jugendorganisation „Die Falken“ tätig und hat Elisabeth Selbert und ihre Arbeit stets intensiv beobachtet und als Beispiel genommen. Ihre starke menschliche Ausstrahlung bis zu ihrem frühen Tod vor wenigen Monaten zeigte eine Persönlichkeit, die nicht nur im Show-Business verankert war, sondern auch über ein festes gesellschaftliches Fundament verfügte.

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