Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Neuester Säulenheiliger – Der neue Kolonnadenflügel des Kongress Palais

29. Juni 2011 | Von | Kategorie: Gesellschaft 

Das Kongress Palais könnte längst viel mehr internationale Gäste nach Kassel locken, so gut ist sein weltweiter Ruf. Noch stimmen die Kapazitäten nicht. Aber jetzt kommt ein weiterer Anbau hinzu, der Kolonnadenflügel*. Im August ist Eröffnung, kurz danach findet der „Solar World Congress“ hier statt. Noch ist alles Baustelle, was Angelika Hüppe und Oliver Höppner von Kassel Marketing nur von außen zeigen können. Und wie immer kann man sich angesichts des geschäftigen Treibens und des Baulärms nur schwer vorstellen, wie das einmal aussehen soll, wenn alles fertig und herausgeputzt ist und die umgebenden Flächen begrünt und bepflanzt sind. Aber schon jetzt zeigen die beiden mit erkennbarem Stolz auf den neuen, hinteren Eingangsbereich zum unteren Kolonnadenfoyer, der vor den namensgebenden Kolonnaden eine Art natürliche Bühne bietet. „Mit den herabführenden Treppen von drei Seiten kann das dann auch als Amphitheater genutzt werden“, sagte Oliver Höppner, bei der Kassel Marketing GmbH (die vor Kurzem noch „Kassel Tourist“ hieß) Bereichsleiter für das Kongress Palais und damit dafür zuständig, hier „die Hütte vollzumachen“.

Erstrahlt in altem Glanz: Der Portikus der historischen Stadthalle, erbaut 1911 - 1914, heute Kongress Palais Kassel. Foto: Kassel Marketing GmbH

Erstrahlt in altem Glanz: Der Portikus der historischen Stadthalle, erbaut 1911 – 1914, heute Kongress Palais Kassel. Foto: Kassel Marketing GmbH

Das klappt schon ganz hervorragend, „so um die hundertfünfzig Veranstaltungen mussten wir bisher pro Jahr absagen, weil wir einfach nicht die Kapazitäten hatten“. Seit Jahren bevölkern zur „Connichi“ an drei Tagen etwa fünfzehntausend schrill gekleidete „Manga“-Fans aus aller Welt das Palais und fallen in der ganzen Stadt auf („Mangas“ sind japanische Comics). Jedes Jahr finden neben den Kasseler Gesundheitstagen noch zahlreiche andere Treffen medizinischer Experten diverser Fachgebiete statt, und dass örtliche Großunternehmen wie Kali + Salz oder SMA hier ihre Jahreshauptversammlungen abhalten, ist sowieso selbstverständlich. „Mit dem Kolonnadenflügel werden wir dann fast zweitausend zusätzliche Quadratmeter auf zwei Ebenen zur Verfügung haben und mindestens hundert weitere Veranstaltungen unterbringen können, bis zu drei gleichzeitig“, ergänzt Höppner. Zusätzlich zu den gut Hundertachtzig bisherigen, „denn dann haben wir insgesamt 25 Räume, sechs neue im Kolonnadenflügel, plus Foyer.“

Kongress Palais? Wo is`n das?
Ja, die Stadthalle mausert sich. Die Stadthalle? Richtig, seit 2004 heißt sie offiziell Kongress Palais und ist als solches überall bekannt, „nur hier in der Stadt hat sich das noch nicht so richtig herumgesprochen“, lacht Angelika Hüppe, Prokuristin von Kassel Marketing. „Kongress Palais? Wo is`n das?“ So, erzählt sie, äußern sich noch immer manche Taxifahrer, wenn sie von weither angereiste Tagungsteilnehmer vom ICE-Bahnhof nur einige hundert Meter transportieren sollen. „Bei den alten Kasselanern ist und bleibt unser schönes historisches Kongresshaus nun mal die Stadthalle.“

Angelika Hüppe, Prokuristin von Kassel Marketing, und Oliver Höppner, Bereichsleiter Kongress Palais Kassel, blättern vor der Baustelle in Zukunftsplänen. Foto: Mario Zgoll

Angelika Hüppe, Prokuristin von Kassel Marketing, und Oliver Höppner, Bereichsleiter Kongress Palais Kassel, blättern vor der Baustelle in Zukunftsplänen. Foto: Mario Zgoll

Was ich ihnen nicht verdenken kann. Zwei Jahrzehnte habe ich woanders gelebt und hatte auch nur die alte Stadthalle im Sinn, ergraut vom Staub der Zeiten, drin blätterte mancherorts der Putz ab, bei den Rockkonzerten vor dreißig Jahren schien der ganze Kasten zu vibrieren, schaler Rauch hing in der Luft, und überall flogen leere Pappbecher herum (habe ich da mal die Scorpions gesehen, als die noch keiner kannte?). Nichts von alledem ist heute auch nur zu ahnen, wenn man durch noble Flure von Saal zu Saal schreitet: Vom Vestibül hinter dem wieder in altem Glanz erstrahlenden Portikus des Vordereingangs, an den die neuen Kolonnaden hinten gemahnen, hinauf ins Hauptfoyer und weiter zur Großen Wendelhalle, alles ein festlicher Rahmen für Empfänge, Ausstellungen, Präsentationen. Hinüber in den Aschrottflügel, ein erster Anbau nach der Generalsanierung im Jahr 1996 mit Foyer und Saal, alles von funktioneller Klarheit und moderner Eleganz, benannt nach dem jüdischen Industriellen, der vor hundert Jahren den Bauplatz kostenlos zur Verfügung stellte. (Der Platz hinter dem Palais, von dem es zum neuen Kolonnadenflügel geht, soll eine Bahnhaltestelle bekommen und demnächst Aschrottplatz heißen.)

Weiter in den Festsaal mit flexibler Bestuhlung, Bühne wie Saalboden sind höhenverstellbar, ideal gleichermaßen für Tagungen und Kongresse, Messen, Galas, Konzerte oder rauschende Bälle. Dann in den Blauen Saal, tatsächlich ein Schmuckstück in Blau und Gold, das auch als Filmkulisse für Szenen in Schlössern dienen könnte. Und schließlich in den Gesellschaftssaal, geschmückt mit Malereien aus der klassischen Mythologie, in dem es sich ausgezeichnet tagen, tafeln, feiern lässt. Um nur die größten der Säle, nun ja, „abzufeiern“.

In einer Liga mit Peking
Man muss unsere alte „Stadthalle“ von innen gesehen haben, um glauben zu können, was hier in den letzten Jahren als Kongress Palais entstanden ist. Noch schreibt die Tagungszentrum Stadthalle Kassel GmbH, Verpächter und Bauherr des neuen Kolonnadenflügels, rote Zahlen. Nach der festlichen Einweihung am 16. August könnte sich das ändern, hofft auch Kassel Marketing als Pächter. Ab dem 26. August tagt als erstes der Solar World Congress in diesem Flügel, die weltweit führenden Experten der Solarenergie reisen an, letztes Jahr fand der Kongress in Peking statt: In dieser Liga spielen wir mit dem Kongress Palais inzwischen.

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