Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Sechs Wochen heiß – heißer – Kulturzelt

9. Juli 2010 | Von | Kategorie: Gesellschaft 
Foto: Kulturzelt Kassel

Foto: Kulturzelt Kassel

Es gehört längst zu den herausragenden Kulturereignissen Kassels und zieht – nicht zuletzt den dank verdienstvollem Sponsoring, insbesondere durch die Firma Wintershall, äußerst moderaten Eintrittspreisen geschuldet – mittlerweile Gäste aus ganz Deutschland an: das 1986 erstmals veranstaltete Kulturzelt Kassel. Dessen Programmangebot reicht von Jazz über Chanson bis zu Rock, wobei stets auch ein starker Akzent auf Weltmusik, auf Experimentellem, auf Interpreten liegt, die in ihren Werken tradierte Stilrichtungen durchdringen, vermischen und zu Neuem, bis dahin Ungehörtem verschmelzen.

Ein knappes Vierteljahrhundert bediente man sich dafür eines klassischen Zeltbaus, zuletzt auf Mietbasis, mit den unvermeidlichen Vor- und Nachteilen einer solchen Konstruktion, die, mitten im Hochsommer, dennoch allen atmosphärischen Eventualitäten genügen muss. In diesem Jahr nun folgte der Paukenschlag: Von der Stadt Kassel dafür mit 300.000 Euro unterstützt, von der Firma Winterhall mit 100.000 Euro gefördert sowie ergänzenden Investitionen durch die Sparda Bank und die Kasseler Sparkasse, erwarb der Träger des Musikfestivals, der Verein zur Förderung von Kultur- und Kommunikationsprojekten, eine eigene, knapp 500.000 Euro teure Veranstaltungshalle.

Investition in Kassels kulturelle Zukunft
Das freitragende, muschelförmige Objekt, das eigens für die speziellen Erfordernisse seines bisherigen Standortes an der Drahtbrücke entworfen wurde, soll nachts blau erstrahlen und besteht aus steckbaren Stahlprofilen und Sandwichpaneelen. Seine unmittelbaren Vorteile für die Besucher des Festivals, von denen nun 750 statt bislang 550 Platz finden: Endlich wird die Sicht nicht mehr durch störende Zeltträger beeinträchtigt, die Akustik soll sich deutlich verbessern und auch an heißen Tagen ist in der jetzt temperierten Halle mit erträglichem Klima zu rechnen. Der Nachteil für die Besucher des umliegenden Biergartens: Auf die übliche Gratis-Beschallung werden sie von nun an verzichten müssen.

Die in der derzeit finanziell angespannten Lage des öffentlichen Haushaltes nicht unumstrittene Investition ist aus Sicht von Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen eine notwendige Investition, denn „das Kulturzelt ist nicht mehr wegzudenken aus dem kulturellen Leben der Stadt Kassel.“ Diese Verantwortung nehme man wahr durch die in zwei jährlichen Raten á 150.000 Euro bereitgestellte Summe. Auf längere Sicht seien die Bedingungen der bisherigen Zeltlösung ohnehin „nicht mehr akzeptabel“ gewesen, so Kulturzelt-Organisator Lutz Engelhardt, der mit seiner Tourneeagentur auch das ebenfalls jährlich im Sommer stattfindende Open-Air-Festival KulturArena Jena ausrichtet, das daher naturgemäß zahlreiche Überschneidungen mit dem Künstleraufgebot des Kulturzeltes aufweist.

Veranstaltet vom 8. Juli bis zum 22. August, zählen zu den prominentesten Kulturzelt-Akteuren in diesem Jahr sicher 2Raumwohnung (D), die am Mittwoch, 14. Juli, ein Wiedersehen mit Ex-„Ideal“-Neue Deutsche Welle-Frontfrau Inga Humpe bescheren und Multi-Saxophonist James Carter (USA), der am Samstag, 17. Juli, kreativ-experimentellen Jazz spielt, bevor mit Marianne Faithful am Sonntag, 18. Juli, eine Ikone der 60er Jahre auftritt: einstige Mick Jagger-Gespielin, gefeierte Schauspielerin („Irina Palm“) und nicht zuletzt bereits seit 1964 erfolgreiche Sängerin. Den am Mittwoch, 21. Juli, gastierenden Indie-Ikonen CocoRosie (USA), die mit Vorliebe Popcornmaschinen, Kinderspielzeug und Föhne in ihre Kompositionen einbauen, folgen am Donnerstag, 22. Juli, die Folkrocker The Hooters (USA), die mit ihrem Stück „Johnny B.“ 1987 in Deutschland einen Platz 7-Hit landeten, und am Mittwoch, 28. Juli, wird mit „Spinnin’ Wheel“ am Rad gedreht, wenn die Alt-Jazzrocker Blood, Sweat & Tears (USA) ihren Auftritt haben. Am Sonntag, 1. August, beehrt Rap-Altvater Gil Scott-Heron (USA) das Kulturzelt, bevor am Samstag, 7. August, Gitarren-Gott Al Di Meola mit seiner „New World Sinfonia“ für Verzückung sorgen wird.

Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr.
Weitere Infos unter www.kulturzelt-kassel.de

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