Jérôme Kassel

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Hilfe bei Tinnitus

19. Oktober 2011 | Von | Kategorie: Gesundheit 

Das Pfeifkonzert im Kopf vergessen lernen

Foto: www.bob-born.de

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Jeder vierte Deutsche hat sie kurzzeitig schon einmal selbst erlebt, ein Drittel älterer Menschen leidet ständig darunter, und jährlich kommen schätzungsweise 300.000 Betroffene dazu. Tinnitus – „Ohrgeräusche“. Was sich störend als Pfeifen, Rauschen, Brummen, Zischen bemerkbar macht, ist ein facettenreiches Symptom nicht eindeutig geklärten Ursprungs, für das es viele Therapieansätze gibt. Erkannt als eine der Hauptursachen ist Stress, am Arbeitsplatz, in der Familie etc. Gemeint ist hier der „subjektive“ Tinnitus, den nur der Betroffene empfindet und der nicht akut ist, sondern bereits seit längerem als einschränkend und störend von ihm wahrgenommen wird*). Leiden Sie, nach gründlicher HNO-fachärztlicher Abklärung, an diesem verbreitetsten Tinnitustyp, hat Ihr Hörgeräteakustiker gute Nachrichten für Sie. Hilfe ist möglich! Zunutze macht man sich dabei „Hör-Eigenarten des Gehirns“.

Das Gehirn wird als Filter genutzt
Unser Gehirn schützt uns vor Informations-Überfrachtung, indem es einen Großteil störender bzw. unwichtiger Geräusche „wegfiltert“. Nur ein Drittel von außen kommender Hörimpulse hören wir bewusst. Wir bemerken ausgeblendete Geräusche (z. B. unsere Atemtöne) nur dann, wenn wir uns ganz darauf fokussieren oder wenn in diesem System eine Störung vorliegt. Dann können sich Geräusche dominant „Gehör verschaffen“, die oft als sehr belastend wahrgenommen werden.

Hörminderung als Tinnitus-Ursache?
Bei über 50 Prozent der Fälle von subjektivem Tinnitus lässt sich gleichzeitig eine Innenohr-Hörminderung feststellen. Reduziert sich aufgrund einer unerkannten, nicht mit Hörgeräten versorgten Hörminderung die Menge äußerer Höreindrücke wesentlich, treten mitunter stattdessen innere Geräusche in den Vordergrund, z. B. als Tinnitus. Manchmal helfen hier bereits Hörgeräte, die diese Hörminderung ausgleichen, wieder für eine Konzentration auf externe Geräusche zu sorgen und das Problem zu lösen oder abzumildern.

Ein hilfreicher Lösungsansatz: Akustische Ablenkung
Erfolgversprechend für Betroffene ist, sich zunehmend wieder auf positive Schalleindrücke aus der Umwelt zu konzentrieren und dadurch von den nervenden Tönen im Kopf abzulenken. Mithilfe einer solchen, individuell zugeschnittenen veränderten Hörstrategie kann oft verhindert werden, dass Tinnitus chronisch wird und Folgekrankheiten entstehen.

Mit „Noisern“ Tinnitus verlernen
Beim Hörgeräteakustiker lernt der Betroffene durch sogenannte Noiser-Geräte, sich wieder auf externe Töne zu konzentrieren. Hierbei wird die natürliche Selektion der gehörten Geräusche angeregt. Nach und nach filtert das Gehirn den Tinnitus samt aller anderen „unwichtigen“ Geräusche aus unserer Wahrnehmung heraus. Er wird zunehmend leiser. Eine beidohrige Versorgung wird dabei vorausgesetzt. Häufig ist der Einsatz von Kombigeräten, die moderne leis-tungsfähige Hörsysteme und Noiser in einem sind, hilfreich.

Tinnitus-Retraining auch bei Hyperakusis
Die gezielte Schulung selektiven Hörens mit Hilfe eines Noisers kann auch Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber normalen Geräuschen (Hyperakusis) das Leben erleichtern. Unter Anleitung einer speziell ausgebildeten Audiotherapeutin lernt man hierbei schrittweise, von einer „etwas zerstreuten akustischen Wahrnehmung“ wieder zu einer eher fokussierten Wahrnehmung zurückzufinden.

*) Nachrichtlich: Es gibt auch einen physisch bedingten „objektiven Tinnitus“, den auch der Arzt hören kann. Außerdem: plötzlich auftretenden „akuten Tinnitus“, der (vor allem in Zusammenhang mit Schwindel oder einem Hörsturz) sofort fachärztlicher Behandlung bedarf. Beide Arten sind hier nicht gemeint.

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