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Ilka Müller-Jastrzembowski: Globale Krisenstimmung als Chance für Nordhessen!

1. Dezember 2008 | Von | Kategorie: Kommentare und Grußworte 

mj5Soweit Augen und Ohren reichen, greifen Krisen um sich: Kreditklemme, Finanzkrise, Auszubildendenengpass, Fachkräftemangel – es kriselt und klemmt überall. Positivmeldungen bleiben aus. Oder werden sie einfach nur überhört? Richtet sich unser Blick verstärkt auf das Negative – und tun „wir nörgelnden Nordhessen“ dies bekanntermaßen nicht außerordentlich gern?

Sämtliche Branchen stimmen vereint ein in ein gemeinsames Wehklagen: Ein “Fachkräftemangel” bremst die so rosigen Aussichten. Auch die neuste Studie „Deutschland 2020“ von McKinsey, zieht wieder das Fazit, dass der Wohlstand nur zu retten ist, wenn der drohende Fachkräftemangel von Politik und Wirtschaft bekämpft wird. An deutlichen Vokabeln mangelt es nicht, und alle sind sich über die Konsequenzen einig. Sie reichen vom “Verlust von Aufträgen”, „Gefahr für den Wohlstand“ bis hin zu einer “dramatischen Wachstumsbremse”. Und uns betrifft all das in Nordhessen wie immer mehr als die anderen Metropolen?

Denn immer wieder hört man in diesem Zusammenhang auch, dass der nördliche Teil Hessens hierbei im Vergleich zu anderen Standorten und Metropolen schlecht abschneide. Die hoch Qualifizierten gingen im Zweifel lieber woanders hin. Übersehen bei ihrer Entscheidung jedoch die Chancen, Potenziale, Lebensqualität und vor allem die Schönheit unserer Region – in der Mitte Deutschlands. Andere haben bessere Voraussetzungen, sind auch nun in der Krise wieder die Bevorzugten. Alles beim Alten? Sollten wir nicht als ehemaliges „Zonenrandgebiet“ gelernt haben, dass Krisen neben Gefahren auch Chancen haben? Könnte diese Erfahrung nicht endlich ein strategischer Vorteil werden, weil wir diesen Erfahrungsvorsprung haben?

So auch beim „gefühlten und viel beschworenen Phänomen“ des Fachkräftemangels. Ist der Fachkräftemangel in Nordhessen also tatsächlich ein besonderes Thema? Studien, Analysen und Erfahrungen aus unserer Beratungstätigkeit zeigen ein anderes Bild vom betrieblichen Alltag. In den meisten Fällen ist in den Firmen ausreichend fachlich kompetentes Personal vorhanden. Es beschäftigt sich jedoch zu einem großen Anteil mit „fachfremden“ Aufgaben oder interner bürokratischer Sachbearbeitung, ist dauerabgelenkt durch permanente Erreichbarkeit und sinnlose Informationsflut. Gründe? Assistenten, Backoffice und Innendienst wurde in den letzten Jahren stark eingespart, so dass die „Fachkraft“ nun zu 50 % mit statistischen und internen Aufgaben beschäftigt ist, statt die eigentliche Arbeit, für die sie ausgebildet ist, exzellent zu erledigen. Und dies gilt nicht nur für Nordhessen, sondern für das gesamte Bundesgebiet!

Um die Krise bzw. den Mangel an Fachkräften demnach als reale Chance und nicht als Bedrohung zu begreifen, ist es sinnvoll in diesen Tagen einmal innezuhalten, die Region und vor allem das eigene Unternehmen genau zu betrachten. Denn der überall beschworene Fachkräftemangel ist zu einem großen Teil ein „gefühltes Phänomen“, was sich allzu leicht in den Köpfen festsetzt, um dann die Augen vor dem eigenen unternehmerischen Erfolg zu verschließen.

Pauschale Forderungen und Schnellschüsse auch in Richtung Politik sind nicht die Lösung für unternehmerischen und damit auch regionalen Erfolg. Das sollten wir aus der eigenen Erfahrung der letzten Jahrzehnte wissen. Denn geholfen zu bekommen und Krisen mit „Förderungen“ zu überdecken, hat noch nie das eigene Handeln entwickelt. Nutzen wir diesen Wissensvorsprung in der derzeitigen „Krisenstimmung“, und zeigen den anderen dass wir diesmal schneller sind.

Dazu gehört auch, die Aufgaben im eigenen Unternehmen zu kennen, sie zu beschreiben, die geeigneten Mitarbeiter zu entwickeln und zu binden. Das ist der Garant für motivierte Aufga-benerledigung und zufriedene Menschen, die auch gern hier leben. Händeringend Fachpersonal zu suchen, pauschal einfach einen „Gott sei Dank gefundenen“ Spezialisten in das interne Prozess-Chaos einzustellen, erhöht nur das Chaos, sonst nichts und der Spezialist wird abwandern… und zwar nicht wegen der vermeintlich unattraktiven Region oder fehlenden Lebensqualität!

Den Fachkräftemangel in Nordhessen können Sie also getrost vergessen, genauso wie die „ewig benachteiligte Region“, wenn in den Unternehmen eine effiziente Prozessstruktur implementiert wird – auch wenn das wenige gern hören oder gar zugeben, da es mit eigenem Handeln zu tun hat. Es gilt jetzt in der „Krise“, die Notwendigkeit und Potenziale schneller zu erkennen und anzupacken – während die sogenannten Metropolen noch dabei sind, sich zu sortieren und ihre Energie ins Wehklagen zu verschwenden. So kann unsere Region einen Schritt voraus sein, wenn Sie begreift, dass „Strategie heißt, heute bereits das tun was andere morgen noch denken!“ Ich wünsche uns dabei viel Erfolg!


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Ein Kommentar
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  1. Sehr geehrte Frau Müller-Jastrzembowski !
    Danke noch einmal für den interessanten Vortrag, der unsere Gäste und uns doch trotz der Hitze
    gefesselt hat. Das sieht man auch an den Fotos.
    Wäre es Ihnen möglich, dass Sie mir zur Erinnerung das Expose, Gliederung, Kurzfassung o.ä. zusenden könnten? Dann kann man das gehörte noch mal rekapitulieren.
    Ich wünsche Ihnen einen nicht ganz so heißen Sommer ! Wir haben heute wieder 32°C.
    Mit freundlichen Grüßen
    Clüver
    NWS Neubrandenburg

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