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Thilo von Trott zu Solz: Kultur- und Kreativwirtschaft hat Zukunft

3. März 2010 | Von | Kategorie: Kommentare und Grußworte 
Thilo von Trott zu Solz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Kassel GmbH

Thilo von Trott zu Solz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Kassel GmbH

Erstaunlich gut hat die Region Kassel den stärksten Konjunktureinbruch in der Nachkriegsgeschichte überwunden. Sogar in der Krise ist die Arbeitslosigkeit – auch gegenüber dem Landes- und Bundesdurchschnitt – weiter zurückgegangen. Es hat sich gezeigt, dass es in unserer Region inzwischen eine Vielzahl von Unternehmen gibt, die innovativ sind und mit ihren Produkten auf den Weltmärkten auch in schwierigeren Zeiten erfolgreich agieren können. Aus meiner Sicht hat vor allem die in den vergangenen Jahren erfolgte Förderung von Schwerpunktbranchen, neudeutsch Clustern, zu diesem positiven Ergebnis beigetragen. Netzwerkmanagement und zahlreiche Projekte halfen dabei, die Exportorientierung vieler Unternehmen zu erhöhen und die Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung mit der Universität Kassel zu unterstützen. Die Flexibilität vieler mittelständischer Unternehmen in unserer Region sowie die Präsenz von exportstarken Weltmarktführern taten ihr übriges.

Die Wirtschaftsförderung wird diese Entwicklungen auch künftig weiter befördern. Zusätzlich werden wir daran arbeiten, die Profilbildung des Wirtschaftsstandorts zum „modernen Industriestandort“ zu schärfen und dies auch überregional zu vermitteln. Unser Ansatz ist dabei, Lebensqualität und wirtschaftliche Kompetenz in sympathischer Weise miteinander zu verbinden. Wir können heute selbstbewusst behaupten, dass Kassel ein Standort ist, an dem man nicht nur wirtschaftlichen und beruflichen Erfolg haben kann sondern auch Kunst und Kultur auf höchstem Niveau erleben kann. Bei der Standortwahl von Unternehmen und auch im Entscheidungsprozess von Fach- und Führungskräften ist dies ein ganz entscheidender Aspekt, den wir allerdings noch stärker als bisher kommunizieren müssen.

Apropos Kultur: Schon heute wird die Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor und Indikator der sich wandelnden Gesellschaft verstanden. Wissenschaftler wie Richard Florida behaupten, dass sich die postindustriellen Gesellschaften in den USA und Europa in einer Phase der ökonomischen und gesellschaftlichen Transformation befinden, von einer industriellen zu einer kreativen Wirtschaft. Florida sieht die Staaten und Regionen künftig ganz vorne, die es verstehen, die kreativen Fähigkeiten ihrer Menschen zu mobilisieren und weitere Kreative von überall her anzuziehen. Zahlen belegen die Wichtigkeit dieser Branchen: Über 1 Mio. Beschäftigte in rd. 238.000 Unternehmen erwirtschafteten 2008 in Deutschland einen Umsatz von rd. 132 Mrd. €. Damit ist die Kreativwirtschaft auf Augenhöhe mit der Chemie- und der Automobilwirtschaft.

Stellt man sich also die Frage, wie wir künftig Wohlstand und Wachstum in unserer Gesellschaft organisieren, so bin ich fest davon überzeugt, dass bei diesem Prozess Kunst, Kultur und Kreativität eine ausschlaggebende Rolle spielen. Auch hier haben wir in der Region Kassel mit der lebendigen Kultur- und Kreativszene beste Voraussetzungen. Diese wollen wir jetzt näher betrachten und haben gemeinsam mit dem Kulturnetz Kassel e.V. eine Projektstudie beauftragt, die gegenwärtig von der Universität Kassel erstellt wird. Ziel ist es dabei, die Stärken und Chancen der regionalen Kultur- und Kreativwirtschaft herauszuarbeiten, um letztlich deren künftige Entwicklung gezielt zu fördern. Und Kreativität hat Zukunft, denn die wichtigsten Rohstoffe der kommenden Epoche werden nicht mehr Beton und Stahl, sondern Informationen und Knowhow sein und die wertvollsten Produkte Ideen.

Thilo von Trott zu Solz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Kassel


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