Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Die wunderbare Leichtigkeit des Seins

1. September 2015 | Von | Kategorie: Mobil 

Wie der neue Ford Mondeo Turnier meine alte Liebe zur Marke Ford wieder entflammte

Warum ein Fahrtest zum Thema Ford mit einem VW Käfer beginnt? Ganz einfach: Wir hatten einen. Und alles war gut. Dann kam mein Papa mit unserem Neuen vorgefahren. In Wirklichkeit war es ein Gebrauchter. Aber cool. Ein Ford 17M. Hellgelb. Badewanne wurde er genannt, wegen seiner rundum runden Formgebung. Ich war acht Jahre jung, und für mich war unsere Badewanne das tollste Auto der Welt. Dieses schwarze Lenkrad mit seiner silbernen Hupe und dem königlichen Kronen-Wappen in der Mitte. Wow! Und dann der Tacho – der endete erst bei 160. Ein Tempo, mit dem ich in meiner Unerfahrenheit auf dem Schulhof prima protzen konnte. Ich war acht Jahre, und der 17M war meine erste automobile Liebe. Seitdem ist viel Wasser die Flüsse dieser Welt entlang geflossen, welches die Marke Ford auf ihren Wellen mal empor und mal nieder schaukelte. Ich fuhr mal diese Marke, mal jene. Aber die erste Liebe bleibt immer haften. Komisches Gefühl, sich nach vielen Jahren wieder in einen Ford zu setzen. Der neue Mondeo Turnier soll es sein, und – Überraschung, Überraschung –: die Liebe flammt wieder auf.

Da kann die Familie gut lachen, einfacher kann der Start in den Urlaub nicht sein. Gepäck einladen, verzurren, losfahren. Foto: Bernd Schoelzchen

Da kann die Familie gut lachen, einfacher kann der Start in den Urlaub nicht sein. Gepäck einladen, verzurren, losfahren. Foto: Bernd Schoelzchen

Gefallen auf den ersten Blick
Mein erstes Kennenlernen. Da steht er. Schwarz, fast fünf Meter lang, 180 Diesel-PS stark. Ist schlank und gestreckt, hat einige hübsche Rundungen und ist designtechnisch meilenweit entfernt von meiner geliebten Badewanne. Und dann ist da diese Front. Fast wie ein Aston Martin kommt der Mondeo, von vorn gesehen, daher, clevere Linien in der Motorhaube betonen den hochästhetischen Charakter. Ein Hoch auf die Designer. Auch rundum: Ästhetik top, Proportionen stimmen.

Ich sage artig „Guten Tag“ und setze mich zaghaft. Die Sitze nehmen mich sofort freundlich in den Arm. Straff und sportlich sind sie, trotzdem absolut komfortabel, haben guten Seitenhalt. Wo meine Badewanne mit mehr oder weniger echtem Chrom glänzte, herrscht hier das 21. Jahrhundert. Effizienz statt Ami-Protz, und trotzdem chic. Schalter und Knöpfe nur noch dort, wo man sie vermuten sollte und wo sie hingehören. Das ist gut, denn mein Mondeo und ich werden nun ein paar Tage gemeinsam verbringen. Sagte ich: mein Mondeo? Ich schüttele mögliches Sentiment ab. Ich soll schließlich objektiv ein Auto testen. Also fahren wir. Erst ein paar Tage in Alltag und Berufsumfeld, dann Kurzurlaub. Ein echter Praxistest.

Gefühl statt Sentiment
Erster Tag. Ich fahre zur Arbeit. Plötzlich werden 60 Kilometer Autobahn zum Vergnügen. Der 2-Liter-TDCi-Diesel hat mehr als ausreichend Leistung, entfaltet ab 2000 Umdrehungen seine Kraft und bringt den Mondeo äußerst schnell auf Spitzengeschwindigkeit. Leistungslöcher gibt es keine. Romantik hin, Erinnerung her: das hat mit meiner Badewanne nichts mehr zu tun. Ich finde es klasse und überrasche mich damit selbst.

Der Motor schnurrt, die Windgeräusche sind gedämpft, die Sechs-Gang-Schaltung funktioniert präzise. Als Kind war mir klar, dass der Ford 17M ein deutsches Auto ist. Jetzt erinnert mich das Fahrgefühl im Mondeo daran, in welchem Land Autos zum Cruisen erfunden wurden. Auch in der Stadt und dem Autobahn-Stop-and-Go schont der Mondeo die Nerven, die man im Berufsleben nötiger braucht. Teuren Durst hat er auch nicht. Als ich vor dem Urlaub an die Tankstelle fahre, überrascht er mich: Knapp unter acht Liter Diesel bin ich geblieben, und das, obwohl ich ab und zu mal gern ein Tête-à-Tête mit dem Gaspedal hatte.

Foto: Bernd Schoelzchen

Foto: Bernd Schoelzchen

Entspannung und Spaß für alle
Montag. Sechs Tage Kurzurlaub zu Fünft. Mama, zwei Kinder, Mondeo, ich. Erste Erfahrung: Das Gepäck, Koffer, großer Trolley und zwei pralle Reisetaschen, hat lässig Platz. Stramme 800 Kilo kann der Mondeo zuladen. Zweite Erfahrung: Die Kinder haben im Fond viel Platz. Das würde auch locker für groß gewachsene Erwachsene reichen.

Heiß ist es. Draußen. 35 Grad. Wir merken nix davon, die Klimaanlage arbeitet leise und nervenschonend. Für den Kleinsten davon werden aber auch die schlappen 150 Kilometer bis in den Harz langweilig. Also synchronisiere ich mein Smartphone mit dem Infotainment-System. Hätte ich das mal gelassen. So muss ich mir Benjamin Blümchens „Törööö“ anhören. In gutem Sound zwar, aber… na ja. Der Kleine ist glücklich. Dafür kann ich mir jetzt eingehende Nachrichten vorlesen lassen. Schnickschnack, aber komfortabel.

Der Ford trägt seinen Teil zur guten Urlaubslaune bei. Auf der Autobahn haben wir uns längst angefreundet. Auf des Harzes kurvigen Landstraßen schluckt der Mondeo Wellen und Unebenheiten mühelos, lästige Seitenneigung kennt der Ford kaum. Auch die Bremsen packen kräftig zu.

Ein Abschied als Neubeginn
Zeit zum Abschied. Ich bringe den Mondeo zurück zum Autohaus Dürkop. Ich komme mir fast wie ein Verräter vor, kann aber nicht gegen meine Gefühle angehen. „Liebe Badewanne“, sage ich leise vor mich hin, „ich werde dich immer lieb haben. Jetzt aber habe ich einen Neuen …“

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