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Petra Nagels Kolumne: Faszinierende Kommunikation

28. September 2011 | Von | Kategorie: Petra Nagels Kolumne 

Ich bekomme achtundsiebzig E-Mails pro Stunde, stellen Sie sich das nur mal vor…“ Der Mann, der mir das erzählte, ist ein sehr netter Mann. Wichtig. Und gestresst. Achtundsiebzig E-Mails pro Stunde, dachte ich, was heißt denn das?

Das heißt, immer mehr Zeit verbringt man am Computer und schaut, was die Welt so mitzuteilen hat. Das geht mir ganz genauso. Habe ich mich vor Jahren noch ein wenig gegen den Computer und die elektronische Post gewehrt, so kann ich sie nun kaum entbehren. Glaube ich. Und zwar sowohl dienstlich, als auch privat. Das mischt sich und führt zu einer Art Informationssucht.

Ich prüfe ständig nach, was in meinen Computer-Postfächern so los ist. Das kann ich machen, ohne das Haus zu verlassen. Ohne einen Briefkasten suchen zu müssen, mit Kaffee in der Hand und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und seit ich mein Handy dreimal umgetauscht, halbwegs verstanden und  meine Nerven mit Baldrian beruhigt habe, besitze ich ein Smartphone und kann auch Mails überall abrufen. Welch ein Reiz! In der Bahn, beim Einkaufen, überall. Das Telefonieren ist unwichtig, wichtig ist die Mail-Anzeige. Ständig sagen mir Experten und solche die es sein wollen, was noch alles möglich ist. Wie ich mich verkabeln kann, was Handys und Computer noch alles können, was ich noch alles begreifen soll. Das Leben wird einfacher ist die Botschaft. Klar, als ich früher noch auf mechanischen Schreibmaschinen in der Zeitungsredaktion tippte, da konnte man nicht einfach „Löschen“, „Ändern“, „Speichern“. Da war alles etwas mühseliger. Und das ich 25 Jahre später mit dem Telefon fotografieren kann, hätte ich für eine Zeitungsente gehalten. Hatte ich mich doch gerade erst mit meiner Kamera angefreundet. Das Archiv musste mühselig angefragt werden für Recherchen, da wurde noch kopiert und gefaxt. Dauerte ganz schön lange. Heute recherchiere ich schnell und unbürokratisch am Computer, am Smartphone, überall…

Ich bin immer auf dem Laufenden – buchstäblich. Denn ich renne der Information hinterher. Die neuen Medien treiben mich sozusagen rund ums Haus. Jede Mail muss gelesen werden, beantwortet werden, Informationen sind die heißeste Ware der modernen Zeit. Manchmal schwirrt mir der Kopf von all den Benachrichtigungen und ich erschrecke mich, wenn das Telefon klingelt.

Was will es? Eine menschliche Stimme spricht zu mir. Meine Freundin will mit mir Eis essen gehen. Dreimal haben wir versucht einen Termin per Mail zu finden, hat nicht geklappt. Doch so von Stimme zu Stimme klappt es ruckzuck. Beim Eis bin ich froh, echte Menschen um mich zu haben. Ich muss keine Tastatur bedienen, um mich verständlich zu machen. Ehre wem Ehre gebührt: Technik und neue Medien sind klasse. Unentbehrlich für meinen Beruf. Aber: Ein echtes Gespräch, von Mensch zu Mensch,  mit Informationen aus erster Hand und ohne piependen Akku – das ist Lebensqualität.

Eine schöne Zeit mit und ohne Technik wünscht Ihnen Petra Nagel


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