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Alltagsskizzen: Irgendwas ist immer …

12. September 2016 | Von | Kategorie: Petra Nagels Kolumne 
Petra Nagel: Journalistin und Moderatorin. Foto: nh

Petra Nagel: Journalistin und Moderatorin. Foto: nh

Ist der Auspuff an Deinem Auto kaputt, klingt so .. ? Mir fuhr der Schreck in die Glieder. Der Freund mit dem guten Gehör kennt sich mit Autos aus. Er hat sicher Recht. Mittlerweile höre ich beim Ampelstart auch, dass etwas nicht stimmt. Also Reparatur. War ich nicht gerade beim TÜV? Gab es danach nicht auch eine Reparatur? Oder ist das etwa schon ein Jahr her?

Gerade hatte ich das Gefühl, alles auf der Reihe zu haben: Zahnarztbesuche, Rechnungen, Prüfungen, Abgabetermine – alles erledigt. Außerdem gebügelt, die Wohnung geputzt und den Kühlschrank abgetaut. Versicherungen überprüft, den Hund angemeldet und einen Nachsendeantrag gestellt. Ausgemistet und aufgeräumt.

Und mit welchem trügerischen Ergebnis: Alles geht von vorn los … irgendetwas ist immer. Ist es nicht der Auspuff, ist es der Wasserrohrbruch im Bad. Ist es nicht die Wohnung, steht plötzlich ein Friseurtermin an. War ich da nicht auch gerade erst? Wieso hängt mir mein Pony schon wieder in den Augen, wie schnell geht das denn? Nachdem auch dieser Termin absolviert ist, lehne ich mich entspannt zurück. Mit Blick auf den Geburtstagskalender. Der immer noch an der Wand hängt, ganz altmodisch. Mir schwant Böses, und siehe da: Den runden Geburtstag eines guten Freundes vergessen und einen Riesenschreck bekommen: Wenn der Freund gerade nullt, nulle ich auch bald, wo ist denn die Zeit hingelaufen?

Kaum habe ich ein Geschenk für den Freund besorgt, steht das nächste Familienfest an, eine Rede soll gehalten werden: „Du schreibst doch, könntest du … ? “ Na klar kann ich … Auch das wird erledigt, da fällt mir auf, der Hochsommer ist vorbei. Ich friere morgens am Bahnhof. Der Kleiderschrank muss umgeräumt werden oder noch besser: Neue Sachen sollten gekauft werden. Orange ist eine neue Modefarbe und Samt kommt … aber hatten wir das nicht gerade? Mir fällt ein, das war 1978 – den Älteren unter uns noch als Jahr mit hohen Orange-Grün-Anteilen bekannt.

Auch auf den Modeherbst stelle ich mich also schnell noch ein, melde das Auto in der Werkstatt an und räume die Spülmaschine schon wieder aus und das Geschirr ein. Endlich ruft der Sessel, der Hund bekommt schnell noch sein Fressen und ich habe alles erledigt und Zeit … Endlich kann ich diese Kolumne schreiben. Irgendwas ist immer. Es nennt sich Leben.

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