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Kassel und Kurhessen königlich erleben



Kolumne: Kleider machen Leute – und Kopfzerbrechen …

12. Mai 2015 | Von | Kategorie: Petra Nagels Kolumne 

Ich habe heute morgen nichts zum Anziehen gefunden“, sagt meine Freundin und schaut mich anklagend an. „Das geht mir ganz genauso. Für dieses Wetter gibt es irgendwie keine Kleidung. Nicht warm, nicht kalt, mal Regen, mal Sonne …“ Wir sind uns einig, dass wir dringend einkaufen gehen müssen. Ganz dringend. Ich bekomme abends wieder Zweifel, als ich meinen Kleiderschrank sehe.

Foto: Mario Zgoll

Foto: Mario Zgoll

Er ist nicht gerade klein und sehr voll. Eigentlich habe ich schon ausgelagert und einiges in anderen Schränken der Wohnung verteilt. Und nichts, aber auch gar nichts passt zur Zeit zusammen. Das gibt es doch gar nicht! Was ist da passiert? Da ich nicht an übersinnliche Phänomene glaube, muss es mit mir zu tun haben. Das macht die Sache nicht einfacher. Ich zerre alles aus den Fächern, was beweglich ist. Was steht immer in den Frauenzeitschriften: fünf Basics? Damit könne man alles überstehen? Galas, Hochzeiten, Dienstbesprechungen, Jogging-Attacken? Wie soll das gehen? Wo sind die Einkaufsberater, die mich so beraten, dass ich mit Normal-Budget und normal großem Kleiderschrank immer gut angezogen bin? Wieso fehlen mir dauernd Schuhe in der richtigen Farbe zum Lieblingsrock? Und wieso habe ich beim Kauf nicht daran gedacht, dass die Bluse in der Knallfarbe unter keinen Blazer passt? Und wieso ist eigentlich der Rock zu eng und der Mantel aus der Mode?

Jedes Jahr im Frühjahr nehme ich mir vor, nur noch kombinierbare Farben und zeitlose Modelle zu kaufen. Jedes Jahr, wenn die Sonne lacht, mache ich es anders. Da finden plötzlich Farben den Weg in mein Zuhause, die ich nur in Best-Laune tragen kann und will. Also selten. In Geschäften stelle ich fest, dass zeitlos langweilig ist. Oder ich stelle fest, dass toll zu teuer ist. Oder ich stelle fest, dass das Kleid, das an meiner Freundin ganz toll aussah, an mir nicht anzusehen ist. Es ist kompliziert. Hinzu kommen Schnäppchen, vor denen ich gar nicht gefeit bin. Schnellkäufe. Frustkäufe. Trostkäufe. Modische Verirrungen. (Ich mag an dieser Stelle nicht an ein gelbes Shirt mit schwarzen Seepferdchen denken. Im Sommer im Urlaub euphorisch gekauft. Nie getragen. Gelb steht mir nicht. Aber schön ist es.) Ich habe es aufgehoben, um mir meines Seepferdchen-Syndroms immer bewusst zu sein. Überhaupt: Hätte ich bloß alle Hippie-Kleider und bestickten Blusen aufgehoben! Die Siebziger sind wieder modern. Ich habe soviel weggeschmissen. Allerdings trage ich das, was ich aufgehoben habe auch nicht. Wirkt irgendwie unmodisch. Also, was tun? Ich glaube, ich muss unbedingt einkaufen gehen. Perfekt wird es nie, Spaß macht es immer wieder …

Viele Frühjahrsgrüße und schöne Einkaufstouren wünscht Ihnen Petra Nagel

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