„Kassel ist ein wunderbarer Museumsstandort“

28. Mai 2010 | Von Petra Nagel | Kategorie: Porträt 

„Kassel ist ein wunderbarer Museumsstandort, hier wollte ich schon immer gern arbeiten“, so Professor Dr. Bernd Küster, der neue Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel. Es ist eine Liebeserklärung an Kassel, zumal er hinzufügt, dass es ein idealer Zeitpunkt war, im Sommer 2009 anzufangen. Doch nicht nur der sommerliche Blick aus seinem Arbeitszimmer im altehrwürdigen Schloss Wilhelmshöhe lässt ihm das Herz aufgehen.

Eine Liebeserklärung an Stadt und Bergpark Wilhelmshöhe
Prof. Küster gerät ins Schwärmen, wenn er über die Qualität des Standortes Kassel spricht. Er ist angekommen. An einem Ort, dessen Qualität ihm als Außenstehenden immer schon klar gewesen sei, fügt er hinzu.
Der gebürtige Niedersachse steckt voller Elan und Ideen für die Zukunft, in der es gilt den Welterbe-Prozess zu begleiten, die Museumslandschaft zu repräsentieren, Ausstellungen zu präsentieren, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Der 55-Jährige hat Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie in Marburg studiert. Aufgewachsen ist er in Bodenwerden und Holzminden in Südniedersachsen. In Holzminden, im Jungengymnasium, wurde er auf die Themen rund um die Kunst aufmerksam.

Als niedersächsischer Schüler die documenta besucht
Kassel war ihm damals schon ein Begriff, denn die Schüler und Schülerinnen machten regelmäßig Ausflüge in die nordhessische Stadt. Zur documenta. An dieser Stelle sei der Einschub erlaubt, dass die Autorin ein paar Jahre später als der hier Porträtierte ebenfalls in Holzminden aufwuchs und zur Schule ging. Zum Mädchengymnasium. Und auch an diesem Gymnasium frönte man der Leidenschaft nach Kassel zu fahren und Kunstausstellungen zu bestaunen. So entstanden Berührungen mit zeitgenössischer Kunst, die prägend waren und weit über die kleine Kreisstadt mit den zwei Gymnasien hinauswiesen. Und so trifft man sich irgendwann immer in Kassel …

Vielseitig gearbeitet, ungewöhnliche Karriere
Bernd Küster hat in Südfrankreich gelebt und gearbeitet, er hat viele kunstwissenschaftliche Bücher geschrieben, die Kunsthalle in Wilhelmshaven geleitet, in Worpswede gelebt und gearbeitet, und er war Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg. Die Karriere dort begann mit einem Volontariat. In den 80er Jahren, so erzählt er, habe er für vier Verlage gearbeitet, zum Beispiel Künstler-Biographien geschrieben. Schreiben ist eine von vielen Passionen, dabei kommt dem Niedersachsen eine Eigenschaft sehr entgegen: „Ich kann unter Druck gut arbeiten und mich in Texte gut einlesen.“

Das Leben an der Weser unter die Lupe genommen
Am liebsten beginnt er diszipliniert um 7.30 Uhr den Tag. An Themen mangelt es dem neuen Direktor der Museumslandschaft nicht. Ständig fallen ihm neue ein, und die setzt er auch um. So wie das Buch über die Weser. Den Fluss, an dem er aufgewachsen ist. Darüber ein Buch zu machen, die Heimatregion erforschen, das wollte er immer, sagt er. Er hat es getan, das Buch über die Weser ist erschienen, er hat den Fluss und das Leben am Fluss von 1800 bis 2000 genau unter die Lupe genommen. Und kennt die Region Südniedersachsen wie seine Westentasche. Stets ist er neugierig und auf Entdeckungsreise und will das Erforschte und Erlebte auch vermitteln.

Entdecken, erforschen und vermitteln
„Komplizierte Dinge einfach ausdrücken“, das ist ein Anspruch, den er für seine Arbeit formuliert. Dem Neu-Nordhessen macht es Spaß, interdisziplinär zu arbeiten, Grenzen aufzuheben. Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Neu und Alt? Auf seine ruhige, aber bestimmte Art vermittelt er, dass er keine Berührungsängste zwischen den Fakultäten kennt. Das, was im Gespräch ganz leicht und leidenschaftlich klingt, wird allerdings gezielt erarbeitet: „Man sollte es sich nie zu einfach machen. Wenn es Dir zu leicht fällt, geh einen Schritt zurück“, so der neue Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel. Der in einem nächsten Leben gern Musik und Geschichte studieren würde. Vorher aber wird er seine Begeisterung für die Museumslandschaft Hessen-Kassel sicher mit Abenteuerlust und Energie umsetzen.

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