Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben


Als Venus verführen

11. Juni 2012 | Von | Kategorie: Porträt 

Die Opernsängerin Nina Bernsteiner debütiert im Sommer bei den Salzburger Festspielen

Die Opernsängerin Nina Bernsteiner debütiert im Sommer bei den Salzburger Festspielen. Foto: Mario Zgoll

Die Opernsängerin Nina Bernsteiner debütiert im Sommer bei den Salzburger Festspielen. Foto: Mario Zgoll

Seit 2009 gehört die österreichische Sopranistin Nina Bernsteiner dem Staatstheater Kassel als festes Ensemblemitglied an. Nun steht ein wichtiger Schritt in der Karriere der 30-Jährigen bevor, denn im Sommer wird Nina Bernsteiner ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen geben. Wir sprachen mit der gut gelaunten Sängerin über Salzburg, Soul und nordhessische Thailänder.

Jérôme: Frau Bernsteiner, zunächst eine opernferne Frage: Sie sind in Kassel schon erfolgreich als Soulsängerin aufgetreten. Verraten Sie uns Ihren Lieblingspopstar?

Nina Bernsteiner: Besonders gern mag ich Adele, die Grammy-Gewinnerin, die so abgesahnt hat. Ich mag einfach total gern charakteristische, starke Stimmen, die es im Popbereich natürlich auch gibt. Freddie Mercury zum Beispiel. Oder Michael Jackson. Er war gewissermaßen ein Gesamtpaket.

Jérôme: Bringt Ihnen das Singen von Soul und Rock etwas für den Operngesang?

Bernsteiner: Ich fühle mich total geerdet, nachdem ich ein Rockkonzert gesungen habe. Das hilft mir auch für die Klassik, zwar nicht unbedingt für die Gesangstechnik, aber für das Gefühl und das Körpergefühl. Ich kann bei Rock und Pop meine Energien herausholen.

Jérôme: Bleiben wir bei starken Persönlichkeiten. Dazu gehört sicher Fiordiligi in der Mozart-Oper „Così fan tutte“. Sie haben diese Partie unter anderem schon im Concertgebouw Amsterdam und am Opernhaus Zürich gesungen. In der nächsten Spielzeit werden Sie damit am Staatstheater Kassel zu hören sein. Was reizt Sie an der Rolle der Fiordiligi?

Bernsteiner: Es stimmt, Fiordiligi ist eine starke Person, und ich mag starke Personen auf der Bühne. Bei Fiordiligi kann man viele Facetten zeigen. Es gibt Koloraturen, es gibt Lyrisches und Dramatisches, es ist alles vorhanden.

Jérôme: Überhaupt heben die Musikkritiker die vielen Facetten und Farben an Ihrem Gesang hervor. Immer wieder ist von Expressivität und Wärme zu lesen…

Bernsteiner: Ja (lacht), ich bemühe mich sehr, das rüberzubringen.

Jérôme: Wie kamen Sie zur Musik?

Bernsteiner: Meine Mutter hat sich immer darum gekümmert, dass ich Musik höre. Sie sang mir vor, nahm mich in Konzerte mit. Irgendwann wollte ich ein Instrument lernen. So bekam ich zu Weihnachten eine Bontempi-Orgel, auf der ich mir dann selbst Lieder beibrachte. Der Musikschuldirektor im heimischen Hartberg war hin und weg, weil ich mit drei Jahren schon recht viel konnte. Er empfahl mir ein Streichinstrument zu lernen wegen meines guten Gehörs. Also begann ich mit der Violine.

Jérôme: Und das Singen?

Bernsteiner: Meine zweite Geigenlehrerin hörte mich in einem Musical und meinte, dass ich noch besser singen würde als Geige spielen. Zuerst kam ich zu einer Gesangslehrerin in Graz, und mit 16 machte ich dann die Aufnahmeprüfung an der Wiener Musikuniversität.

Jérôme: Im Sommer werden Sie bei den Salzburger Festspielen debütieren, und zwar in der Oper „Das Labyrinth“ des Komponisten Peter von Winter. Die Oper wurde 1798 in Wien uraufgeführt. Was ist das für ein Stück?

Bernsteiner: Es handelt sich um eine Fortsetzung der „Zauberflöte“. Der Text stammt von Mozarts Librettisten Emanuel Schikaneder, der im September den 200. Todestag hat. Ich werde im „Labyrinth“ die Erste Dame sein. Später verwandelt sie sich in die Liebesgöttin Venus, weil sie von der Königin der Nacht beauftragt wird, Pamina und Tamino zu testen. Ich bin auf Tamino angesetzt und versuche ihn als Venus zu verführen. Es gibt für die Erste Dame mehr zu singen als in der „Zauberflöte“. Ich habe auch ein Duett mit Tamino, der in Salzburg von dem Tenor Michael Schade gesungen wird. Das freut mich auch deshalb besonders, weil ich während meiner Ausbildung bei Herrn Schade einen Meisterkurs besucht habe.

Jérôme: Eine abschließende Frage: Wie fühlen Sie sich als Österreicherin in Nordhessen?

Bernsteiner: Ich bin im oststeirischen Hügelland aufgewachsen – die Landschaft kann man mit der Umgebung um Kassel durchaus vergleichen. Deshalb fühle ich mich in Nordhessen sehr wohl. Aber das gilt auch fürs Kulinarische, es gibt hier gute Restaurants. Gestern zum Beispiel war ich bei einem guten Thailänder.

www.ninabernsteiner.com


Tags: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar