Design ist Mehrwert – Über die Arbeit eines Zeichenforschers

11. Mai 2010 | Von | Kategorie: Porträt 

Wer zu ihm will, fährt im Parkhaus hoch bis Stellplatz 520, tritt neben der Stachelbeere in das Aufzugs- und Treppenhaus ein und folgt dem weiteren Stufenverlauf nach oben bis zur Klingel. Im Sitz der Global Mind Network GmbH blickt man aus hellen, großzügigen Räumen über die Dächer der Stadt. Gerdum Enders, Global-Mind-Gründer, Zeichenforscher, Design-Manager und Hochschul-Professor, entwickelt hier mit seinem Team Konzepte für Marken und Innovationen. Vielmehr: Er codiert Produkt und Kommunikation integriert.

Innovation ist mehr als Technik
„Design kann man als Styling denken, wir denken es strategisch“, sagt Enders. Wie das Design am Markt funktioniere, müsse bei der Entwicklung neuer Produkte von Anfang an überlegt und geplant werden. Wo man sich über Jahre erfolgreich ausschließlich auf technische Innovation konzentriert habe, sei es heute mehr denn je entscheidend, konsequent im Einklang mit einer Marketing- und Designstrategie zu entwickeln. Enders ist überzeugt: „Innovation ist eine vernetzte Codierungsherausforderung – erst im Zusammenspiel mit Marketing und Design wird technisch Neues sicht- und erlebbar.“ So entstehe Innovation, die im Markt ankomme. Immer im Fokus: Der Markencode.

Evolutionsregel
Der Markencode ist eine Art Evolutionsregel. „Wir erarbeiten einen strategischen Wettbewerbsunterschied und bauen ihn zeichenhaft in Produkt und Kommunikation auf“, erklärt Enders. Der einfache Grundgedanke: „Alles hat Bedeutung und Bedeutung entsteht durch Zeichen.“ Diese gelte es zu erkennen. „Konsumenten suchen für sich sinnvolle Produkte. Alle Kaufentscheidungen basieren letztendlich auf Wahrnehmungs- und Selektionsprozessen von Unterschieden. Unterschiede, die durch Zeichen entstehen.“

Glaubhafter Unterschied im Wettbewerb
Das Prinzip sei immer das Gleiche: Man analysiere zunächst den Wettbewerb, um danach eigene Zeichen (Produkt + Kommunikation) zu definieren und sie in einem klaren, evolutionären Code zu gestalten. Der bestimme als Unterschiedsregel die strategische Stoßrichtung aller Unternehmensaktivitäten. „Unternehmen, die ihren Code geklärt haben, schaffen einen glaubhaften Wettbewerbsunterschied und sind langfristig erfolgreich“, sagt Enders. „Rum ist Rum – Bacardi ist Paradies.“

Der Zeitgeistmesser
Ein Ansatz, den Enders schon seit gut 20 Jahren verfolgt und dessen Richtigkeit er immer wieder zu belegen weiß. Etwa durch den Swatch-Kult, dessen Mitbegründer er ist. Als er den Marketingleiter von Swatch kennenlernte, klagte dieser: „Die Leute sagen, wir haben eine Plastikuhr.“ Das Problem: „Swatch war nichts anderes als eine Verfahrenstechnik zur Uhrenproduktion. Eine Uhr aus einem Mikrospritzguss, aus dem man auch Surfbretter baut und die in der Herstellung rund sieben Franken kostet“, erklärt Enders. Sie sendete einfach die falschen Zeichen.

„Ist Swatch eine schöne Uhr? Hat sie bessere Technik? Oder ein cleveres Marketing?“, fragte Enders sich und andere und fand eine Lösung: „Wir haben sie ins Museum gebracht, sie zum Sammlerobjekt gemacht und vom Zeitmesser zum Zeitgeistmesser entwickelt.“ Ein Kult als Marketingkonzept – das teuerste Modell sei schließlich mit rund 40.000 Franken gehandelt worden.

Nicht ohne Netzwerk
Enders wurde zum gefragten Berater. Er konzipierte unter anderem die legendären „Skytower“ für Vobis, das Markenkonzept für den Glasriesen Leonardo und war jüngst mit seinem Team an der Entwicklung des xeoos twinfire, des Ofens, der nach unten brennt, maßgeblich beteiligt. Für seine Missionen hat er sich sowohl lokal als auch international vernetzt. Hinter Global Mind Network stehen weitere Experten wie Dr.-Ing. Wolfgang Wiest, Prof. Dr. Arnd Gottschalk und Prof. Dr. Olaf Axel Burow. Gemeinsam mit vielen weiteren Partnern bilden sie eine nordhessische Denkfabrik mit regionaler Umsetzungsstärke. Anders denken – anders handeln, das ist ihr Credo. „Die Welt ist viel zu komplex geworden, als dass man alles allein machen könnte. Gerade das integrierte Entwickeln erfordert Experten aus allen Bereichen“, sagt Enders. Der Markencode-Ansatz ist dabei nicht nur auf bestimmte Produkte oder Branchen anwendbar. Global Mind ist für Industrie und Handel genauso tätig, wie für Hotels oder die Gesundheitsbranche.

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Ein Kommentar
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  1. Hallo! War ein großes Vergnügen für mich dies zu lesen.Sehr guter Artikel.

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