Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Eine Stimme mit viel Schmelz

28. September 2015 | Von | Kategorie: Porträt 

Der Bariton Hansung Yoo feierte einen Erfolg beim legendären Tschaikowsky- Wettbewerb in Russland

Wunderschön klingt die Stimme des südkoreanischen Baritons Hansung Yoo, der seit 2013 dem Ensemble des Staatstheaters Kassel angehört und auf der Opernbühne mit seinem wohltönenden Schmelz aufhorchen ließ. Doch auch anderswo überzeugt der 30-Jährige die Musikkenner: Hansung Yoo gewann bereits viele bedeutende Preise.

So errang er vor drei Jahren einen zweiten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München, und im Vorjahr zählte er zu den Finalisten beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel. Im Frühsommer dieses Jahres nahm er an einem der legendärsten Musikwettbewerbe überhaupt teil, und zwar dem russischen Tschaikowsky-Wettbewerb. Auch in Russland war Hansung Yoo erfolgreich, denn er gewann dort einen dritten Preis und den Publikumspreis.

Der Südkoreaner Hansung Yoo gewann bereits viele bedeutende Preise. Foto: Mario Zgoll

Der Südkoreaner Hansung Yoo gewann bereits viele bedeutende Preise. Foto: Mario Zgoll

In der kommenden Spielzeit steht Hansung Yoo wieder als Marullo auf der Bühne des Staatstheaters und übernimmt außerdem die Partien Marcello in „La Bohème“, Fritz in „Die tote Stadt“, Leander in „Die Liebe zu den drei Orangen“ und Bondy in der Operette „Die Herzogin von Chicago“. In der Titelrolle gibt er sein Debüt bei der Wiederaufnahme der Tschaikowsky-Oper „Eugen Onegin“. Wir unterhielten uns mit dem bescheiden wirkenden Sänger in der Kantine des Staatstheaters.

Jérôme: Herr Yoo, wie kam es zu Ihrer Teilnahme am Tschaikowsky-Wettbewerb?

Hansung Yoo: Der Tschaikowsky-Wettbewerb ist ein großer, berühmter Wettbewerb, alle jungen Opernsänger wissen das. Der Wettbewerb findet nur alle vier Jahre statt, und nicht jeder wird dazu eingeladen. Ich habe mich gefreut, dass ich eine Einladung bekommen habe, ich hatte Glück.

Jérôme: Sie haben sich angemeldet und sind dann eingeladen worden…

Yoo: Ja, genau. Beim Gesangswettbewerb gab es vierzig Frauen und vierzig Männer in der Vorrunde. Daran schlossen drei Runden an. Die Teilnehmerzahl wurde immer um die Hälfte kleiner. Bei der ersten Runde waren noch jeweils zwanzig Sängerinnen und Sänger dabei, und so ging es weiter bis zur dritten Runde. Ich habe es bis ins Finale geschafft.

Jérôme: Wo fand der Wettbewerb statt?

Yoo: Die Vorrunde haben wir in Moskau bestritten. Ab der ersten Runde wurden wir geteilt. Die Pianisten und Geiger blieben in Moskau, während die Cellisten und Sänger nach St. Petersburg reisten. Alles war perfekt organisiert.

Jérôme: Wo war das Finale?

Yoo: Im Konzertsaal des Mariinski-Theaters in St. Petersburg. Das Mariinski-Orchester begleitete uns.

Jérôme: Haben Sie ein Rezept gegen Lampenfieber?

Yoo: Ja, beten zu Gott, ich bin katholisch. Mein Körper singt, aber das Geistige muss noch dazu kommen, das machen wir nicht selbst.

Jérôme: Verraten Sie uns ein besonderes Erlebnis beim Wettbewerb?

Yoo: Beim Semifinale präsentierte ich fünf Stücke, ich sang unter anderem Lieder von Tschaikowsky und Schumann sowie eine Arie von Umberto Giordano. Wir hatten außerdem ein Lied aus unserer Heimat vorzutragen. Also sang ich auch ein koreanisches Lied. Das Publikum reagierte darauf begeistert, das hat mein Herz sehr berührt. Ein anderes tolles Erlebnis: Nach dem Wettbewerb bekam ich eine E-Mail, in der stand, dass Maestro Valery Gergiev, der Leiter des Mariinski-Theaters, ein Konzert mit mir machen wolle. Das ist natürlich eine große Chance.

Jérôme: Was bedeuten Ihnen Erfolge bei Wettbewerben?

Yoo: In der Zeit des Wettbewerbs kann ich mich durch die große Konkurrenz gut konzentrieren und kontrollieren. Mit solch guten Erfahrungen kann ich mich noch eine Stufe weiterentwickeln. Und natürlich ist diese Wettbewerbskarriere für mich enorm wichtig, weil sich durch den Erfolg viele neue Chancen eröffnen.

Jérôme: Wollen sie einmal zurück nach Korea?

Yoo: Irgendwann, aber nicht wirklich. Ich möchte überall singen, wo das Publikum mich hören möchte.

Jérôme: Wie fühlen Sie sich in Kassel?

Yoo: Sehr gut, es ist ein Theater mit einem sehr hohen Niveau. Für mich ist es eine große Ehre, dass ich hier auf der Bühne stehen kann. Eigentlich ist es unglaublich, dass ich 2013 als Anfänger in Kassel engagiert wurde.

Jérôme: Wo wohnen Sie?

Yoo: Ich lebe mit meiner Familie im Kasseler Stadtteil Vorderer Westen. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, eine Tochter und einen Jungen. Der Junge kam im Juni zu Welt.

Jérôme: Seine Geburt muss kurz vor dem Tschaikowsky-Wettbewerb gewesen sein…

Yoo: Ja, fünf Tage nach der Geburt meines Sohnes musste ich nach Moskau fliegen. Das war sehr brutal. Ich wusste natürlich, dass es schwer wird. Aber meine Frau, ebenfalls eine Sängerin, sagte: Bitte mach das.

www.hansungyoo.com/de/home 

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