Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Entspannt und intelligent vernetzt…

8. Juni 2015 | Von | Kategorie: Porträt 

Georg Schnurer ist stellvertretender Chefredakteur des c´t Magazins. Und er ist documenta-Fan

Nicht bange machen lassen“, das ist ein Motto von Georg Schnurer. Der 55-jährige stellvertretende Chefredakteur der Computer-Zeitschrift c´t gibt den ersten Tipp für einen angstfreien Umgang mit dem Computer. Der Mann mit dem grauen Pferdeschwanz ist für seinen entspannten Umgang mit der digitalen Welt bekannt.

Entspannt digital

Georg Schnurer steht für einen entspannten Umgang mit dem Thema Technik. Angst sei nicht nötig im Umgang mit der digitalen Vernetzung, sagt er. Wichtig sei es aber, wie bei jeder Form von Kommunikation, das Hirn einzuschalten. Foto: Mario Zgoll

Georg Schnurer steht für einen entspannten Umgang mit dem Thema Technik. Angst sei nicht nötig im Umgang mit der digitalen Vernetzung, sagt er. Wichtig sei es aber, wie bei jeder Form von Kommunikation, das Hirn einzuschalten. Foto: Mario Zgoll

Er hat Elektrotechnik studiert und ist noch während des Studiums zum Schreiben gekommen. Indem er einen Artikel über „unterbrechungsfreie Stromversorgungen“ schrieb, den eigentlich ein Kommilitone schreiben sollte. Es muss sehr gut gewesen sein, was er da schrieb. Denn, es beeindruckte die Journalisten-Kollegen nachhaltig, es folgte ein Angebot.

Quereinstieg in den Technik-Journalismus

Georg Schnurer stieg ein in den Technik-Journalismus. Geplant hatte er das nie. „Mein Deutschlehrer hatte extra zu mir gesagt ich könne alles machen. Nur nichts mit der deutschen Sprache“, erzählt er munter. Rechtschreibung sei nicht so sein Ding. Aber, es gibt ja Programme, die sich genau darum kümmern. „Ich gehe gern mit Sprac

he um“, sagt der Mann, der für eine verständliche und augenzwinkernde Ausdrucksweise bekannt ist. Auch wenn es mal kompliziert ist. Oder gerade wenn es kompliziert ist. Die Regel sich nicht bange lassen zu machen, hilft dann ungemein. Ebenso Regel Nummer zwei: „Gehirn anschalten, auch im Netz.“ Bloß nicht überall sofort draufklicken. Nachdenken. Sich mit dem Thema, der Mail, den digitalen Herausforderungen auseinandersetzen. Das sind die Regeln drei, vier und fünf des Experten. „Mindestschutzmaßnahmen“ seien das. Die gebe es beim Auto und beim Autofahren auch.

Mindestschutzmaßnahmen aktivieren

Man müsse sich eben auch bewusst machen, was digitale Kommunikation sei. Ob per mail oder facebook, das Netz sei ein Mittel zur Kommunikation. Wer Partybilder ins Netz stelle, der müsse wissen, was für Bilder es seien und wer diese Bilder sehen könne. „Es kann schon sein, dass das beim Vorstellungsgespräch nicht gut ankommt. Die Chefs informieren sich doch auch im Netz“, gibt der Fachmann zu bedenken. Und fügt an: „Das Netz vergisst nichts.“ Suchmaschinen könnten ganz viel immer wieder aufspüren, auch wenn es nicht mehr gewünscht sei. Einfach nur bei jedem Tun an mögliche Konsequenzen zu denken, helfe. Ansonsten helfe es auch, keine Angst vor Vernetzung zu haben. „Haben wir im richtigen Leben ja auch nicht“, stellt er fest.

Das leuchtet ein. Ebenso wie die Aussage, dass die beste Gerätegeneration immer die Vorletzte sei. Das antwortet Georg Schnurer nämlich auf die Frage, welches technische Gerät denn nun eigentlich zu empfehlen sei. Die Vorletzte sei ausgereift, preisgünstig und somit frustarm, sagt er. Klarer Fall von Logik.

Keine Angst vor Vernetzung

Ist er eigentlich selbst noch von digitaler Technik wegzubekommen? Er habe zu Hause ein Tablet, ein Notebook, zwei PC und alles sei miteinander vernetzt. Ganz viel sei technifiziert im Haus, vieles passiere aber auch analog. „Wir haben da wo wir in Hannover wohnen ein kröten-langsames Internet“, verrät er. Über das Thema Computer hat er seine Frau kennengelernt. Sie stamme aus Taiwan, sei auch technisch interessiert. Ein großes gemeinsames Hobby seien Radtouren. Richtige Radtouren mit Rucksack und ausgeklügelten Strecken, wie etwa Hannover-Zagreb. Früher als Zelturlaub mit Iso-Matte geplant, heute dürften es altersgemäß auch Hotels sein. Bei diesen Urlauben werde nur ein Smartphone mitgenommen und das diene als Navi abseits der normalen Straßen. Ansonsten werde dann von der Technik entspannt.

Drahtesel und Smartphone

Georg Schnurer entspannt bei Radtouren, aber auch mit der Fräse in der Hand, wenn er Metall verarbeitet. „Stahl klein machen macht mir großen Spaß“, sagt er. Ganz interessant ist seine Haltung zur Frage, wie man mehr Frauen für die technischen Bereiche des Lebens interessieren kann. „Es gibt kaum Förderung durch Hochschulen und Unternehmen, das ist immer noch klassisch: Jungs Technik, Mädchen Handarbeit“, findet er. Im Heise-Verlag heißt der Girls Day deshalb schon lange „Zukunftstag“, für Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Männermagazin c´t

Das Computer-Magazin c´t sei nach der Computer-Bild die zweitgrößte Computer-Zeitschrift in Deutschland, erklärt er. Nach wie vor so etwas wie ein auflagenstarkes Männermagazin. Vorrangig von Männern gekauft und gelesen. Zusammen mit Mathias Münch, ist Georg Schnurer regelmäßig auf YouTube mit der Technik Ranch zu sehen. Technik verständlich erklärt, heißt es dann. Und bei den beiden Hauptdarstellern ist Fachwissen mit Augenzwinkern kombiniert.

Documenta viel zu selten

Zu Kassel hat Georg Schnurer übrigens ein ausgezeichnetes Verhältnis. „Wer noch nie bei der documenta war, hat etwas verpasst“, findet er. Und fügt an: „Die findet viel zu selten statt.“ Ansonsten sei der schrecklichste Ort in Kassel der ICE-Bahnhof. Dort zöge es wie Hechtsuppe.

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