Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Ernst Kahl – Universalgenie

27. Dezember 2014 | Von | Kategorie: Gesundheit, Porträt 

Cartoonist, Maler, Musiker, Filmemacher, Autor – Ernst Kahl ist so vielseitig wie unkategorisierbar. Sein stilistisch, technisch und thematisch außergewöhnlich vielseitiges und abwechslungsreiches Werk beinhaltet Malerei auf Leinwand und Holz, Aquarelle, Zeichnungen und Mischtechniken verschiedenster Art bis hin zur lavierten Sepia-Federzeichnung, bearbeitete Fotos und Fotoromane, Objekte und Installationen, aber auch gezeichnete Drehbücher, Kurzfilme, Texte und Musik.

Ernst Kahl: Ein Mann mit vielen Talenten. Foto: Britta Frenz

Ernst Kahl: Ein Mann mit vielen Talenten. Foto: Britta Frenz

Kahl in Kassel
1997 wurde Kahls Skulptur „Die Braut des Maurers“ im Rahmen der Caricatura III vor dem Kasseler Kulturbahnhof aufgestellt. Sie galt als Antwort auf die auf aufwändige Außenkunstwerke verzichtende Documenta 10. Im Jahr 2007 zierte erneut eine Kahl-Skulptur den Vorplatz des Kulturbahnhofs, als er einen der zu Müllkippen verkommenen Brunnen zu einem Denkmal für die während des Luftbombardements von 1943 in Kassel umgekommenen Tiere umwidmete.

Kunstvoll ungelenk
Innerhalb der Bildenden Kunst bedient Kahl sich formal sowohl des prächtigen Tafelbilds als auch des Cartoons und der Bildergeschichte und adaptiert für seine Zwecke die verschiedensten Bildgattungen und Motive der „Hochkunst“. Er malt und zeichnet mal wie ein alter Meister, mal kunstvoll ungelenk – Hauptsache respektlos und vor allem komisch. „Es wird Zeit, dass das Absurde und Komische Eingang in die Kunst finden. Beim Lachen hört die Kunst auf, und das ist ein Witz“, findet Kahl.

Nicht unumstritten
Doch ist Kahls Werk nicht unumstritten. Das Polit-Magazin konkret entließ ihn aufgrund seiner Respektlosigkeiten. Andere hingegen wissen ihn zu schätzen: Im Anschluss kam er beim Satiremagazin Titanic unter. Auch im Stern, in der Zeit und in der Süddeutschen Zeitung erschienen seine Arbeiten, in denen er zumeist die absoluten Grausamkeiten der Welt lakonisch und banal beschreibt und ihnen damit etwas Alltägliches verleiht. „Meine Bilder sind ohne Grauen und Blut, aber witzig“, sagt das 1949 in Kiel geborene Universalgenie.

Mehrfach ausgezeichnet
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Kahls regelmäßig in der Zeitschrift Der Feinschmecker erscheinenden „Tafelspitzen“ wurden 1992 vom Art Director´s Club Deutschland ausgezeichnet. Als Autor des Drehbuchs zu Detlev Bucks „Wir können auch anders“ erhielt er 1993 den Bundesfilmpreis. 2007 wurde er außerdem mit dem „Göttinger Elch“ für sein Lebenswerk geehrt, 2011 erhielt er den Wilhelm-Busch-Preis und zuletzt im November 2014 den „Sondermann für Komische Kunst“.

Der Cowboy weint
Auch musikalisch hat Kahl einiges auf dem Kasten: Zusammen mit dem Gitarristen Hardy Kayser bildet er die Musikcombo Ernst Kahl & Kayser, früher bekannt als „Die Trinkende Jugend“ („Alter nimm die Hand da weg von meiner Fanta“). Die Tonträger: Im Kühlschrank brennt noch Licht, Der Cowboy weint („Die Bisons hören auf zu äsen, im Wigwam verstummen die Irokesen“) und Täglich frisch sind mittlerweile allerdings leider alle vergriffen.

Beste Bilder – Die Cartoons des Jahres 2014
Ausstellung: 29. November bis 15. Februar
Öffnungszeiten: Di bis Fr 14 bis 20 Uhr und Sa, So, feiertags 12 bis 20 Uhr
Ort: Caricatura – Galerie für Komische Kunst im KulturBahnhof, Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
Kontakt: www.facebook.com/caricaturagalerie
www.caricatura.de

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