Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Ewald Griesel: DER nordhessische Netzwerker geht in den Ruhestand

29. Juni 2011 | Von | Kategorie: Porträt 
Ewald Griesel wie man ihn kennt: freundlich, offen und mit einem Lächeln im Gesicht. Foto: Mario Zgoll

Ewald Griesel wie man ihn kennt: freundlich, offen und mit einem Lächeln im Gesicht. Foto: Mario Zgoll

„Meine Frau ist für mich die größte Eroberung“, sagt Ewald Griesel und schildert das nähere Kennenlernen vor über 40 Jahren am damaligen Arbeitsplatz in der Kreissparkasse in Kassel, als Ewald Griesel, schon mit der Ausbildung fertig,  sich traute den „Stift“, die Auszubildende Marga Rübenkönig, anzusprechen: „Fräulein Rübenkönig, könnten Sie sich vorstellen, am Samstag mit mir ins Ex zum Tanzen zu gehen?“ Goldene, zukunftsweisende Worte auf die er eine Antwort bekam, die ihn immer noch umhaut: „Das können wir ja mal machen…“ sagte die 17-Jährige keck und legte damit den Grundstein für mittlerweile 41 Jahre Ehe. In der das Tanzen immer noch ein Hobby ist.

Die Liebesgeschichte begann bei der Sparkasse
Ewald Griesel strahlt, wenn er von seiner Frau erzählt, mit der er die Abenteuer des beruflichen und privaten Lebens partnerschaftlich meistert. Und der Abenteuer waren und sind es nicht wenige. Der Direktionsbeauftragte der Kasseler Sparkasse und Marketing-Experte der Region begann seine Karriere bei der Kreissparkasse und wechselte dann nach Hannover zum Niedersächsischen Sparkassenverband.

1973 kam Sohn Stefan zur Welt, 1979 Sohn Carsten. In der Nähe von Hannover wurde ein Haus gebaut – doch nie bezogen. Kurz vor dem Einzug begegnete Ewald Griesel zufällig dem Sparkassenchef Hans Karl Nelle. Und der bot dem jungen Familienvater eine einmalige Chance: er solle die Marketing-Abteilung der Stadtsparkasse in Kassel aufbauen. Das Ehepaar Griesel überlegte, verkaufte das schlüsselfertige Haus, wagte die Rückkehr und zog zurück in die Heimat ins Zweifamilienhaus des Schwiegervaters in Ahnatal-Heckershausen.

Pionierarbeit in der Kasseler Sparkasse
Ewald Griesel arbeitete nun im Hauptsitz der Stadtsparkasse in der Wolfsschlucht, dort hatte sein Vater schon gearbeitet und er hat früheste Kindheitserinnerungen: „Ich hatte eine Lederhose an. Er hatte mich mitgenommen und ich bin wie ein junges Füllen immerzu auf der Empore hin und her gerannt“, sagt der Vollblut-Nordhesse, der sich in späteren Jahren natürlich das allzu wilde Rennen auf der Empore abgewöhnen musste…

Doch die Energie, die sich schon in jungen Jahren zeigte, hat er zweifellos in seinen Beruf gesteckt. Dass der auch Berufung ist, versteht sich von selbst: „Die Grenzen zwischen Privatleben und Sparkasse sind bei mir fließend. Für mich ist mein Beruf sachidentisch mit meinem Hobby: ich bin ein Bastler, ich bastele nicht nur Modellschiffe, ich bastele auch an Projekten und Ideen.“ Insofern, so fügt er an, habe er auch keine Ermüdungserscheinungen, der Beruf habe ihm immer Spaß gemacht.

Blickt man sich in seinem Büro um, so fällt ein Flip-Chart auf: Darauf immer akribisch genau Zeichnungen. Netzwerke, sinnbildlich als Waben dargestellt, mit ordentlicher Schrift die Berührungspunkte zwischen Vereinen, Regionen, Bereichen eingetragen.

Netzwerker und Bastler für Nordhessen
Ewald Griesel setzt seine Ideen strukturiert optisch um – genau so ordentlich, wie er einst aus Wilhelmshavener Modellbaubögen die Gorch Fock und die Bremen zusammengeklebt hat. Zwilling ist er, Gottvertrauen hat er und eine Eigenschaft, die er als Kommunikator, als Motor, der er für die Region ist, unbedingt braucht: Er liebt nicht nur Nordhessen, er liebt auch die Menschen und ist immer bereit, auf sie zuzugehen: „Wenn  es zu Konflikten kommt, gehe ich, bevor sich die Fronten verhärten, auf die andere Seite zu.“ Man müsse sachliche Ebenen finden, immer wieder miteinander reden, Durchhaltevermögen beweisen und einen langen Atem zeigen – so könne man etwas bewegen. Und das tut er: Als wir anfangen die Organisationen, Vereine und Beiräte zu zählen, in denen er Mitglied ist, verliere ich bei der Zahl 20 den Überblick.

Ruhestand? Keine Ermüdungserscheinungen
Er ist der Repräsentant der Sparkasse, er vernetzt Bereiche wie Kultur, Wirtschaft, Tourismus und Sport. Er steht für so unterschiedliche Institutionen wie Technikmuseum,  Goethegesellschaft oder Marketingclub. Und er schafft den Spagat zwischen diesen unterschiedlichen Bereichen mit professioneller Leichtigkeit. Dass sein Ruhestand einer werden könnte, darüber kann er nur schmunzeln. Erzählt vom Laientheater in Ahnatal, in dem er im Oktober erneut auftreten wird, und verweist auf die nächsten Termine in seinem Kalender.

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