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F.K. Waechter – Großmeister des Absurd-Komischen

1. Oktober 2015 | Von | Kategorie: Porträt 

F.K.Waechter gehört unzweifelhaft zu den Großmeistern der Komischen Kunst: Er setzte beim Satiremagazin pardon neue Maßstäbe, gründete das Nachfolgemagazin Titanic mit und zählte zusammen mit F. W. Bernstein, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Chlodwig Poth, Bernd Eilert, Peter Knorr und Hans Traxler zur „Neuen Frankfurter Schule“. „Ein ganzes Paralleluniversum des Absurd-Komischen hat er in vier Jahrzehnten aufs Papier gebracht“, so formulierte es Die Zeit.

Titanic-Mitbegründer F.K. Waechter. Foto: Caricatura

Titanic-Mitbegründer F.K. Waechter. Foto: Caricatura

Kleiner Teufel
Erste Cartoons erschienen Anfang der 1960er Jahre im Jugendmagazin twen. Durch diese Zeichnungen auf ihn aufmerksam geworden, schickte die Gründungsredaktion von pardon ihm eine Nullnummer des Heftes. Waechter kritisierte Layout und Aufmachung und schickte eigene Vorschläge – mit dem Erfolg, dass er als Layout-Chef beim Satiremagazin angestellt wurde. Ab April 1962 arbeitete Waechter also für pardon und entwarf gleich zur ersten Ausgabe die bekannte Titelfigur, ein kleiner Teufel, der lächelnd seinen Hut lüpft.

Welt im Spiegel
Zusammen mit Robert Gernhardt und F. W. Bernstein gestaltete Waechter ab 1964 die regelmäßige Nonsens-Rubrik „Welt im Spiegel“, eine doppelseitige als Provinzzeitung aufgemachte Kolumne in pardon. Hier wurden kurze parodistische Texte veröffentlicht, die etwa mit journalistischen und literarischen Gattungen von der einfachen Meldung über den Kommentar bis zum Feuilleton und Gedicht spielten. Außerdem zeichnete sich „WimS“ durch zahlreiche Cartoons aus, darunter Waechters „Jochen“. Im Kopfteil von „WimS“ erschien das lateinische Motto: „PRO BONO – CONTRA MALUM“ (Für das Gute, gegen das Böse).

Foto: Caricatura

Foto: Caricatura

Anti-Struwwelpeter
Waechters erster eigenständiger Bucherfolg – es folgten zahlreiche weitere – war der „Anti-Struwwelpeter“ (1970), eine antiautoritäre Parodie auf den „Struwwelpeter“. Darüber hinaus schrieb er Kinderbücher und war als Theaterautor und -regisseur tätig. Insgesamt entstanden über siebzig Miniaturen, Kurzdramen und abendfüllende Theaterstücke. 1992 nahm Waechter seinen Abschied von der satirischen Zeichenkunst, um sich gänzlich dem Kindertheater zu widmen. So verließ er auch im gleichen Jahr die Redaktion des Satiremagazins Titanic, zu dessen Gründungsmitgliedern er 1979 gehört hatte.

Gesamtwerk in Hannover
Am 16. September 2005 erlag Waechter im Alter von 67 Jahren einem Lungenkrebsleiden. Sein Gesamtwerk, bestehend aus etwa 3.400 Arbeiten, ging im Dezember 2007 an das Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst „Wilhelm Busch“ in Hannover, davon eine Hälfte als Schenkung. Die andere Hälfte wurde mit Unterstützung des Landes und zahlreicher Stiftungen von der Wilhelm-Busch-Gesellschaft als Trägerin des Museums erworben. In seinem Testament hatte Waechter verfügt, dass sein Werk „zusammenbleiben, ausgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müsse“.

F.K. Waechter
Ausstellung: 12. September bis 22. November
Eröffnung: 11. September, 19.30 Uhr
Öffnungszeiten: Di bis Sa 12 bis 19 Uhr und So, feiertags 10 bis 19 Uhr
Ort: Caricatura – Galerie für Komische
Kunst im KulturBahnhof,
Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
Kontakt: www.facebook.com/caricaturagalerie, www.caricatura.de

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