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Hauck & Bauer: Erfrischend asozial

17. Juni 2013 | Von | Kategorie: Porträt 
Hauck & Bauer. Foto: nh

Foto: nh

Seit zehn Jahren haben Hauck & Bauer eine eigene Rubrik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Unter dem Titel „Am Rande der Gesellschaft“ erscheint jede Woche ein zumeist vierteiliger Comic-Strip, in dem das Zeichnerduo den menschlichen Abgründen nachspürt. Mit ihren Cartoons haben sie seit 2008 auch einen festen Platz im Satiremagazin Titanic. Dort empfiehlt man das Duo mit den Worten „Ein Muss für alle Feinde der Konversation“. Außerdem veröffentlichen Hauck & Bauer regelmäßig in der Satirerubrik „Spam“ auf Spiegel Online. 2010 erhielten sie den „Deutschen Karikaturenpreis“ in Silber sowie 2012 den zweiten Preis bei der „Rückblende“, dem deutschen Preis für politische Fotografie und Karikatur.

Liebevoller Perfektionismus
Als „erfrischend asozial“ bezeichnete der heutige Regierungssprecher Steffen Seibert während seiner Zeit beim ZDF die Arbeiten von Hauck & Bauer. Ihr Stil ist reduziert, minimalistisch. Dominik Bauers Texte offenbaren einen trockenen Humor, der nicht selten ins Absurde driftet, Elias Haucks Zeichnungen sind stets in schwarz-weiß gehalten. Die Cartoons scheinen „hingeworfen“, wie die beiden es selbst formulieren. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich der liebevolle Perfektionismus. An vielen ihrer Originale zeigt sich: Mimik und Gestik müssen sitzen, sonst wird das entsprechende Bildfragment kurzerhand mit einer neuen, verbesserten Version überklebt.

Witze über’s Telefon
Dominik Bauer lebt in Frankfurt, Elias Hauck in Berlin. Die beiden kommunizieren vor allem über’s Telefon. Bauer beschreibt den Weg von der Idee bis zum Cartoon wie folgt: „Üblicherweise denke ich mir in Frankfurt einen Witz aus, rufe Elias in Berlin an, der dann hoffentlich darüber lacht, sich in Berlin an seinen Zeichentisch setzt und mir später das Ergebnis zumailt. Bildaufbau, Mimik, usw. besprechen wir schon gemeinsam am Telefon.“

Wenn sie nicht gerade telefonieren oder an Cartoons arbeiten, ist Dominik Bauer als Werbetexter tätig, Elias Hauck jobbt in einer Bar und gibt nebenher »Sonja – Das Frauenmagazin für Witze« heraus.
Quelle: CaricaturaQuelle: CaricaturaQuelle: Caricatura

Ich hasse dieses Buch
Kennengelernt haben sich Hauck & Bauer in einem Altgriechisch-Kurs auf dem Alzenauer Spessart-Gymnasium, wo Bauer auf Hauck aufmerksam wurde, weil dessen Ausgabe von „Antigone“ ein selbstgemachtes Lesezeichen mit der Aufschrift „Ich hasse dieses Buch“ zierte. Durch einen gemeinsamen Sinn für Humor geeint, freundeten sie sich an und begannen gemeinsam Texte zu schreiben, Hörspiele aufzunehmen und gründeten sogar einen eigenen Verlag namens „Blauer Fuchs“. Doch schon bald wurde Elias Hauck und Dominik Bauer klar, dass ihre eigentliche Leidenschaft Cartoons sind, auf die sie sich fortan spezialisierten. Das Label H&B war geboren.

Von Hauck & Bauer erschienen u. a.: „Am Rande der Gesellschaft“ (2007, Carlsen Verlag), „Hier entsteht für Sie eine neue Sackgasse“ (2010, Verlag Antje Kunstmann), „Bin ich Jesus? Die Kunst, nicht zu antworten“ (2011, zusammen mit Michael Tetzlaff, Verlag Antje Kunstmann).

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