Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



„In meinem Herzen bin ich Hesse“ – Bürgermeister Thomas-Erik Junge verabschiedet sich

7. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Porträt 
Abschied nach zehn Jahren Rathaus in Kassel: Bürgermeister Thomas-Erik Junge, Foto: Mario Zgoll

Abschied nach zehn Jahren Rathaus in Kassel: Bürgermeister Thomas-Erik Junge, Foto: Mario Zgoll

„In meinem Herzen bin ich Hesse“, resümiert Thomas-Erik Junge, der in Norddeutschland geboren und aufgewachsen ist, später lange in Wiesbaden Pfarrer war und sich nun nach zehn Jahren als Bürgermeister und Kulturdezernent in Kassel in so etwas wie den Vorruhestand verabschiedet. Den 61-Jährigen zieht es zurück zu seinen Wurzeln, und das heißt in seinem Fall zurück nach Lübeck. Dort zieht er zusammen mit seiner Frau in sein Elternhaus, das zum Familienmittelpunkt werden soll.

Ein Norddeutscher mit Leidenschaft für Hessen und Politik
Das Wort Vorruhestand passt irgendwie nicht zu diesem Mann, der immer wieder die Herausforderung gesucht hat und sucht.  Thomas-Erik Junge ist ein umtriebiger Geist. Einer der viel liest, viel reist, neugierig auf Menschen und Orte ist. Er schreibt an einem Buch, sagt er, sei politisch offen für vieles und stellt fest, was ohnehin klar ist: In der Politik ist 61 ein Super-Alter. Er lässt sich da nicht in irgendwelche Kategorien einordnen und kann, so sagt er, gerade Klassifizierungen, die mit dem Alter zu tun haben, überhaupt nicht leiden.

Spannender Lebenslauf: Vom Pfarrer zum  Berufspolitiker
Bei der Frage nach dem Unterschied zwischen Hessen und Norddeutschen kommt eine überraschende Antwort: „Ich habe es in Hessen in Wiesbaden in die Stadtverordnetenversammlung geschafft, war Pfarrer an der Marktkirche“, so Thomas Erik-Junge. „Dafür bin ich dankbar.“ Umgekehrt allerdings sei es aus seiner Sicht schwieriger. „Als Hesse in die Lübecker Bürgerschaft einziehen, Pfarrer an der Marienkirche dort werden“, das halte er für deutlich schwieriger, sagt der Wahlhesse. Und macht seiner Wahlheimat damit ein großes Kompliment. Im Hessenland gebe es eine offene Gesellschaft, sie biete Zugereisten Möglichkeiten und sei tolerant. Das gelte für Nord- und für Südhessen gleichermaßen.

Kompliment: Die hessische Gesellschaft ist tolerant und offen
Da schwingt schon auch ein Stückchen Wehmut im Abschied mit. Und zieht die Frage nach sich, warum die Familie denn eigentlich nach Norddeutschland umzieht. In Kassel sind Beziehungen und Bindungen entstanden, die Verbundenheit mit der Stadt, das schwingt immer mit, ist groß. „Als Pfarrer gilt der Grundsatz: Wenn du eine Gemeinde verlässt, geh weit weg,“ lautet die Antwort. Dieser Grundsatz findet im Leben von Thomas-Erik Junge auch Anwendung in der  Politik. Das heiße aber nicht, erklärt er, dass er nicht zu Besuch kommen werde oder komme, wenn er gerufen oder um Rat gefragt werde.

Kulturhauptstadtbewegung setzte vieles in Gang
Viele Dinge hat er in Kassel angestoßen und bewegt, ein ganz großer Verdienst von Thomas-Erik Junge liegt aber sicher in der Kulturhauptstadtbewerbung. Kassel ist zwar nicht Kulturhauptstadt geworden, aber, es kam mit dem Slogan „Kassel gewinnt“ eine Menge in Gang. Auch eine Menge bürgerschaftliches Engagement.

Hinter dem Mut sich zu bewerben steckte eine Vision:
„Kassel ist Kulturstadt“, so sieht es der Politiker, „dieses Profil muss geschärft werden.“ Kulturstadt zu sein, dass sei eine geistige Haltung die Identifikation und ein kulturelles Selbstverständnis schaffe. Dazu gehöre es, Respekt vor dem wirklich Alten zu haben, und mit dem Neuen zu verbinden. Wenn man sich darüber klar sei, dann könne sich die Seele der Stadt entwickeln.

Kassel ist Kulturstadt – Kultur ist die Seele

junge5Dann werde klar, dass die Seele der Stadt die Kultur sei, und die Kultur nicht etwa Kostgänger der Wirtschaft. Als Bürgermeister hat sich Thomas-Erik Junge natürlich nicht nur mit dem Thema Kultur befasst. Vom Ausbau der Feuerwehrleitstelle, bis hin zum Verbot von Wildtieren in Zirkussen oder der Diskussion über die Müllentsorgung in der Stadt – der Kommunalpolitiker setzte sich mit vielen Fragen rund ums Gemeinleben auseinander. Und wird das mit Sicherheit auch weiter tun. Er neigt nicht zum unpolitischen Verweilen.

Zum Entspannen auf der Suche nach ganz besonderen Orten
Wenn es dann doch mal das Verweilen sein soll, sucht und besucht Thomas-Erik Junge Orte mit Aura. Mit einer ganz besonderen Ausstrahlung. Wie sie zum Beispiel Klöster und Kirchen haben. Eine Möglichkeit zum Entspannen für den 61-Jährigen, der Kassel zum Ende des Jahres verlässt, aber immer wieder gern besuchen will. „Meine Frau und ich werden den Kontakt zu Freunden halten, und empfinden viel Dankbarkeit für diese Stadt.“

Tags: , , , , , , ,

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Thomas-Erik Junge ist eines der größten Arschlöcher, die ich jemals in meinem Leben kennen gelernt habe.

Schreibe einen Kommentar