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Katharina Greve – Prophetische Situationsdesignerin

25. Oktober 2014 | Von | Kategorie: Porträt 

Eigentlich studierte Katharina Greve Architektur an der TU Berlin. Doch nach ihrem Abschluss stellte sie fest, dass die Arbeit als Architektin nicht das Richtige für sie war. Also arbeitete sie erst als Projektmanagerin in einer Eventagentur und wurde schließlich „Situationsdesignerin“. Ihre künstlerische Tätigkeit umfasst Performances, Installationen und vor allem Comics und Cartoons, die aktuell im Satiremagazin Titanic sowie auf Spiegel Online erscheinen.

Grafische Verknappung

Foto: Caricatura/ Katharina Greve

Foto: Caricatura/ Katharina Greve

Als erste Frau belegte Greve im Oktober 2010 den ersten Platz beim von der Frankfurter Buchmesse und dem Carlsen Verlag verliehenen Deutschen Cartoonpreis für neue Talente. Im November 2013 wurde die gebürtige Hamburgerin mit dem Sondermann-Förderpreis ausgezeichnet, der ihre „Kunst der grafischen Verknappung und erzählerische Ausweitung eines Stoffs zu Groteske und Satire“ würdigt. Ebenfalls 2013 belegte sie den zweiten Platz beim Cartoonpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.

Heiliger Strohsack

Nachdem Papst Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 seinen Rücktritt verkündet hatte, erlangte ein Cartoon von Greve außerordentliche Aufmerksamkeit. Die Zeichnung war in einem Abreißkalender der Cartoons für den Tag vor Benedikts Ankündigung. Der Papst bemerkt darin, dass er im Lotto gewonnen hat und denkt: „Heiliger Strohsack! Morgen kündige ich!“ In den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter wurde das prophetische Bild binnen Stunden mehrere tausend Mal geteilt. Viele Medien berichteten darüber, auch in den USA („Holy straw sack! Tomorrow I quit!“), Ungarn und Russland.

Großer Wurf

Ende 2009 erschien Greves erster Comic-Roman „Ein Mann geht an die Decke“. Hierin entdeckt der Fahrstuhlführer Franz Fink im Berliner Fernsehturm – seinem Arbeitsplatz – eine Parallelwelt, in der er sich von der Schwerkraft emanzipieren kann. Der Berliner Tagesspiegel bezeichnete das Buch als „ein Fest für Architekturfans und eine Ode an die Möglichkeiten des Comic“. Die Architektur-Fachzeitschrift Bauwelt musste gestehen, dass es „nicht immer ein Unglück sein muss, wenn sich eine Architektin gegen ihren erlernten Beruf entscheidet“. Beim Comic-Salon Erlangen 2010 erhielt das Buch den „ICOM Independent Comic Preis für herausragendes Artwork“.

Veritabler Geniestreich

Unter dem Titel „Patchwork – Frau Doktor Waldbeck näht sich eine Familie“ erschien 2011 Greves zweiter Comic-Roman, in dem die 42-Jährige das Frankenstein Thema variiert: Die erfolgreiche Transplantationsforscherin Linda Waldbeck näht sich, spät doch noch einen Kinderwunsch verspürend, selbst ihre Kinder – aus allem, was sie in der Restekiste ihres Labors findet. Die ungewöhnliche Familie wird daraufhin von der Boulevardpresse und der Waffenindustrie verfolgt. Der FAZ-Comic-Kritiker Andreas Platthaus nennt allein den Untertitel des Buches einen veritablen Geniestreich: „So wörtlich hat noch niemand den Begriff Patchwork genommen.“

Beste Bilder – Die Cartoons des Jahres 2014
Ausstellung: 29.11.14 bis 15.2.2015
Eröffnung: 28.11.2014, 19.30 Uhr
Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 14 bis 20 Uhr, Sa., So., feiertags 12 bis 20 Uhr
Ort: Caricatura – Galerie für Komische Kunst im Kultur, Bahnhof, Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
www.caricatura.de

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