Kriminell gut: Der Kasseler Autor Matthias P. Gibert

25. Juni 2010 | Von | Kategorie: Porträt 

Der Hauptkommissar und Leiter des Kommissariats 11 (zuständig für Gewalt-, Brand- und Waffendelikte, ganz wie im richtigen Leben) heißt Paul Lenz, sein Adlatus Thilo Hain. „Ich mag kurze, knackige Namen“, sagt ihr Erfinder Matthias P. Gibert, dessen Nachname französisch ausgesprochen wird (Schiebär), er ist französischer Staatsbürger: „Meinen Vater hat´s wegen der Liebe hierher verschlagen.“ Kommissar Lenz hat eine heimliche Daueraffäre mit der schönen Gattin des Oberbürgermeisters, eines gewissen „Schoppen-Erich“, der, anders als im richtigen Leben, noch im Amt ist. „Frau Schoppen-Schorsch ist nicht so begeistert“, wurde dem Autor hinterbracht. Und in Kassel tummeln sich so viele Giftmischer, Serienmörder und Auftragskiller, dass es für jeden Krimifan eine leichenreiche Freude ist. Meist stecken skrupellose Unternehmer hinter allem, und der abgebrühte OB ist auch irgendwie drin verwickelt.

Alles selbst erlebt
Mit „Schmuddelkinder“ legt Gibert seinen bisher persönlichsten Roman vor, denn es geht um das Schicksal von Heimkindern in den 70ern, und zu der Zeit war Gibert selber eins, im Karlshof bei Wabern, wo auch Ulrike Meinhof für ihren Film „Bambule“ recherchiert hat. Zwei ehemalige Erzieher werden ermordet, die Spur führt Kommissar Lenz zum Karlshof und in die finsteren Abgründe damaliger Heim“erziehung“. „Letzten Sommer guckte ich mir das noch mal an, und eine der heutigen Sozialpädagoginnen fragte, was denn bloß bei mir schiefgelaufen sei, dass ich keine Knastkarriere eingeschlagen habe.“ Er persönlich, sagt Gibert, kenne keinen, der sich nicht schon in diesem Heim die drei Punkte zwischen Daumen und Zeigefinger tätowieren ließ, das Erkennungszeichen der Knackis. Außer ihm selbst. „Mitten in der Arbeit wurde ich plötzlich von den Jesuiten und der Odenwaldschule links und rechts überholt. Aber abbrechen, bloß weil gerade diese Sau durchs Dorf getrieben wird? Schließlich habe ich alles, was ich darüber schreibe, selbst erlebt.“

Psychotherapie oder Roman schreiben
Statt wie fast alle anderen auch in den Knast zu wandern, hat Gibert eine beeindruckende Karriere gemacht. Erst Bauarbeiter, Straßenmusiker in Paris, Motorradhändler, Seminarleiter für den Motorradkonzern, heute betreibt er mit seiner Frau Marion die Firma Staufenberg Solutions, die für Betriebe unter anderem Seminare über Depression anbietet. „Daher kenne ich diese Wirtschaftstypen alle.“ Und irgendwann kam für ihn der Punkt, wo es hieß, „entweder Psychotherapie oder Roman schreiben.“ Der dann auch gleich veröffentlicht wurde und einschlug. Die ersten fünf Krimis um Kommissar Lenz haben eine Auflage von über 40000. Sie verkaufen sich nicht nur in Nordhessen, sondern im ganzen Land.

Besser als die meisten Regionalkrimis
Aber hier haben sie natürlich einen besonderen Reiz, weil man die Schauplätze alle kennt. Gleich im ersten, „Nervenflattern“, wohnt ein wichtiger Zeuge im Struthbachweg 37. Ich wuchs in 37a auf, der anderen Hälfte eines Wohnblocks, und wo Gibert seinen Zeugen wohnen lässt, lebte damals ein hübsches Mädchen namens Marion, unsere Kinderzimmer grenzten aneinander. In „Zirkusluft“ wird im Fuldatal, wo ich morgens immer lang laufe, ein Toter gefunden. So was wird Ihnen beim Lesen auch dauernd passieren. Hinzu kommt, dass diese Romane deutlich besser sind als die meisten Regionalkrimis, die ich bisher in den Fingern hatte. Natürlich sind die Fälle zu schrill für unsere beschauliche Gegend, und die insgesamt sechs Morde und elf Totschläge, die es seit Start der Reihe hier tatsächlich gab, räumt Gibert locker in einem einzigen seiner Krimis ab.

Spiel mit den Realitäten
Aber sie sind richtig spannend, gründlich recherchiert und durchweg solide geschrieben – auch wenn der Kommissar ein bisschen oft ein lahmes „Aha“ von sich gibt. Aber das sind Nickeligkeiten. Richtig hübsch sind die Anspielungen auf hiesige Realitäten: In „Kammerflimmern“ nimmt Gibert hellsichtig die Göker-Geschichte vorweg, und in „Bullenhitze“ wird in Hofgeismar Deutschlands größtes Krematorium geplant, einer von „Henners“ geplatzten „Träumen“. Es geht um Mord und Totschlag unter Bestattern, was dazu führt, dass „bei meinen Lesungen jetzt immer so ein Bestatter auftaucht und meint, die anderen, die sind alle wirklich so“. Sagt der Autor und grinst sich eins.

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Ein Kommentar
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  1. Hallo Matthias
    Eine Superleistung Deine Bücher habe sie im Null , Nix gelesen.ES ist einfach toll wie Du die Orte beschreibst
    man hat das Gefühl dabei zusein.Warte schon mit Spannung auf Dein nächstes Buch laß uns Leser nicht so
    lange warten
    Es Grüßt Dich und Deine Frau
    Deine Schwester Cornelia Stoerch Gibert

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