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Kurt Halbritter – Der vergessene Zeichner

8. September 2014 | Von | Kategorie: Porträt 

Kurt Halbritter, 1924 in Frankfurt am Main geboren, war bereits als Schüler ein Zeichentalent. Doch erst nach einer Ausbildung zum Chemographen, Krieg und Kriegsgefangenschaft konnte er sich ab 1948 an der Werkkunstschule Offenbach, der heutigen Hochschule für Gestaltung, seiner Begabung widmen. Zu seinen Vorbildern zählten Paul Klee, Honoré Daumier und George Grosz. Vor allem als Halbritter die Zeichnerlegende Saul Steinberg (The New Yorker) für sich entdeckte, war sein Weg zur Karikatur vorgezeichnet: „Spätestens hier wusste ich, dass das, was ich wollte, an dieser Schule nicht gelehrt wurde“, äußerte er sich rückblickend. Er verließ die Schule ohne Abschluss und arbeitete ab 1952 als freier Zeichner.

Disziplin ist alles

Kurt Halbritter. Foto: Inge Werth Haunetal-Wehrda

Kurt Halbritter. Foto: Inge Werth Haunetal-Wehrda

1954 erschien Halbritters erstes Buch „Disziplin ist alles“, eine Militär-Groteske zur Wiederbewaffnung. Bis 1978 veröffentlichte er rund zwanzig Bücher, daneben erschienen zahlreiche Werke, an denen er als Illustrator mitgewirkt hatte. Bekanntheit erlangte Halbritter vor allem durch das 1968 erschienene Buch „Adolf Hitlers Mein Kampf“: In dieser Persiflage auf die Volksstimmung im Dritten Reich, setzt Halbritter Zitaten aus „Mein Kampf“ ironische Zeichnungen entgegen, „die tatsächlich mehr sagen als manches Tausend Schriftstellerworte“, so der Spiegel.

Pardon

1962 gehörte Halbritter neben Chlodwig Poth und Hans Traxler zu den Zeichnern der ersten Stunde beim Satiremagazin pardon. Die Qualität seiner Arbeiten prägte das Heft und setzte einen neuen Standard. Seine Karikaturen erschienen außerdem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Frankfurter Rundschau. Zudem erfand Halbritter die im Frankfurter Dialekt babbelnden Werbefiguren Schorsch und Schaa (hochdeutsch Georg und Jean) für die Binding-Brauerei. Aufgrund seines frühen Todes – im Jahr 1978 erlag Halbritter während einer Irlandreise einem Herzinfarkt – konnte er den pardon-Nachfolger, das 1979 erstmals erschienene neue Satiremagazin Titanic, nur mit vorbereiten.

Meister in Wort und Bild

Kurt Halbritters Beinhorn. Quelle: Caricatura

Kurt Halbritters Beinhorn. Quelle: Caricatura

Halbritter zeichnete sich nicht nur durch ein breites Spektrum an Themen sowie eine hohe Meisterschaft in Wort und Bild aus, er verstand sich vor allem auf die menschliche Gestik und Mimik. Die verkniffene Fratze eines Bürokraten, die Beschränktheit und Brutalität eines Schlägers, die dumpfe Indifferenz eines Unbeteiligten – Halbritter bannte all diese Typen-Charakterisierungen auf das Zeichenblatt wie kein Zweiter. Doch galt für ihn hierbei immer „ein guter Karikaturist kommt mit der Hälfte der Übertreibungen aus, deren sich ein schlechter Politiker bedient“.

Kurt Halbritter

Ausstellung: 14.08. bis 16.11.2014

Eröffnung: 13.08.2014, 18.00 Uhr

Öffnungszeiten:
Di., Do. bis So.: 10.00 bis 18.00 Uhr,
Mi. 10.00 bis 21.00 Uhr

Ort: Caricatura Museum Frankfurt, Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt

Eintritt: 6 Euro

Kontakt:
www.caricatura.de
facebook.com/caricaturamuseum

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