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Phil Hubbe – Behinderte Cartoons

7. Mai 2015 | Von | Kategorie: Porträt 

Phil Hubbe nimmt sicherlich eine Sonderstellung unter den Zeichnern im deutschsprachigen Raum ein. 1985 an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, begann er – ermutigt von seinen Freunden – die Krankheit und später auch andere Behinderungen zum Thema von Cartoons zu machen.

Man darf also über Behinderungen lachen? Hubbe findet schon. „Wenn nicht, dann würde ich diese Zeichnungen nicht machen.“ Die Rückmeldungen zu seinen Cartoons und dem doch eher sensiblen Thema seien von Behinderten und Nichtbehinderten fast durchweg positiv. Er versteht sie auch als eine Form von Inklusion, ohne eine Einteilung in „Die“ und „Wir“: „Für die Betroffenen ist ein Humor wichtig, der sie selbst nicht ausspart.“

Quelle: Caricatura

Quelle: Caricatura

Diagnose MS
Eigentlich wollte Hubbe Kunst studieren, was nicht gleich klappte. „Ersatzweise“ studierte er ein Semester Mathematik, jobbte als Schichtarbeiter und bereitete sich auf einen zweiten Versuch in Richtung Kunststudium vor. Dann kam die MS-Diagnose. Der Arzt riet von einem Studium ab: „Hören Sie am besten auf zu zeichnen, bald werden Sie sowieso keinen Stift mehr halten können.“ Hubbe „hing ohne Ausbildung in der Luft“, zeichnete aber weiter – seit 1992 freiberuflich. 1999 las er dann die Biografie von John Callahan, einem US-amerikanischen Zeichner, der querschnittsgelähmt ist und nur noch seine Hände bewegen kann. Davon beeindruckt erweiterte Hubbe sein vornehmlich tagesaktuelle, politische Cartoons umfassendes Oeuvre um das Thema Behinderungen.

Phil Hubbe. Foto: Caricatura

Phil Hubbe. Foto: Caricatura

Protagonisten im Rollstuhl
„Man sieht mir meine Krankheit nicht gleich an, aber ich bin durch Multiple Sklerose körperlich eingeschränkt. Ich kann beispielsweise keinen Sport mehr machen, bin oft erschöpft und muss beim Zeichnen Pausen einlegen. Außerdem habe ich Koordinationsschwierigkeiten mit meiner rechten Hand“, so der linkshändige Zeichner. Zahlreiche seiner Protagonisten sitzen jedoch – anders als er selbst – im Rollstuhl: „Ich setze den Rollstuhl in meinen Zeichnungen ein, weil dieses Bild als Form von Behindert-Werden und Behindert-Sein am einfachsten darzustellen ist.“

Preis für Selbsthilfe
Hubbes Cartoons erscheinen heute in über 20 Tageszeitungen, und Zeitschriften, darunter das Magazin „Handicap“. Außerdem veröffentlichte er diverse Cartoonbücher, wie die Serie „Behinderte Cartoons“ im Lappan Verlag, und machte zahlreiche Ausstellungen. Im Jahr 2002 belegte er den dritten Platz beim „Deutschen Preis für politische Karikatur“. 2006 wurde er mit dem „Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe“ geehrt. „Ich glaube, die Tatsache, dass ich täglich das tun kann, was mir am meisten Spaß macht, und damit auch noch meinen Lebensunterhalt verdienen kann, hilft mir auch dabei, meine Krankheit zu bewältigen“, sagt der 49-jährige Magdeburger.

Achtung Hochspannung! – Energie-Cartoons
Ausstellung: 23. Mai bis 19. Juli 2015
Eröffnung: 22. Mai 2015, 19.30 Uhr
Öffnungszeiten: Di bis Fr 14 bis 20 Uhr und Sa, So, feiertags 12 bis 20 Uhr
Ort: Caricatura – Galerie für Komische Kunst im KulturBahnhof,
Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
Kontakt: www.facebook.com/caricaturagalerie / www.caricatura.de

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