Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Wo Technikgeschichte lebendig wird

10. Februar 2011 | Von | Kategorie: Porträt 
Technik-Museum-Vorsitzender Ewald Griesel (rechts) mit stellvertreter Bernd Scott. Foto: Mario Zgoll

Technik-Museum-Vorsitzender Ewald Griesel (rechts) mit Stellvertreter Bernd Scott. Foto: Mario Zgoll

Er hat schon eine Reise zum Nordkap hinter sich und insgesamt über 700.000 Kilometer. Der graue VW-Käfer im Ausstellungsdepot des anvisierten Technikmuseums Kassel ist Baujahr 1942 und läuft immer noch. Er ist eines von zahlreichen Exponaten auf 2500 Quadratmeter, die sich Besucherinnen und Besucher in Kassels jüngstem Museum anschauen können. Entwicklungsgeschichten von Technik erzählen die Ausstellungsstücke von einer Henschel-Lok, gebaut 1848 bis zum modernen, zwei bis drei Meter langen Transrapidmodell. „Wir wollen hinführen zu Technik, um dem Besucher zu ermöglichen, sich selbst zu bilden“, erklärt dazu Bernd Scott, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins Technikmuseum e.V. Und das scheint auch zu funktionieren. Seit dem 25. August hat das künftige Technikmuseum in einer früheren Fabrikhalle von Henschel auf dem ehemaligen Werksglände im Kasseler Stadtteil Rothenditmold offiziell seine Pforten geöffnet.

„Die Menschen, die hier heraus gehen, sind begeistert“, berichtet Scott. Vorher konnten bereits kleine Gruppen an Aktionstagen wie dem Blauen Sonntag, der Museumsnacht und dem Entdeckertag, jeweils in 2009 die ersten Exponate des künftigen Museums anschauen. Bis das wirklich besuchertauglich war, musste im zehnten Schiff der Halle R5 einiges getan werden, zum Beispiel die Wände abgewaschen, weiße Farbe klassisch mit Rollen aufgetragen und der Fußboden mit Industriemaschinen gesäubert werden. Bereits 2005 hatte sich der Trägerverein, der heute 175 Mitglieder umfasst, gegründet und sich auf Standortsuche begeben. Initialzündung dafür war eine Beurteilung der hessischen Landesregierung zur Neuordnung der Museumslandschaft Kassel in 2004, die die Gutachter im darauffolgenden Jahr präsentierten. „Das Gutachten wies als sinnvolle Ergänzung der bestehenden Museen ein neues Technikmuseum aus“, weiß Ewald Griesel, erster Vorsitzender des Trägervereins. Der bündelte dann verschiedene existierende Sammlungen und verstreute Exponate im Technikmuseum. Hinzu kam, dass die Orangerie um moderne technische Objekte bereinigt werden sollte, um sich auf den fürstlichen Kosmos zu konzentrieren. Bemühungen, ein Technikmuseum zu bauen, reichen nach Scott jedoch schon in die 70er Jahre zurück.

Spielerischer Kontakt mit Technik
Ziel der heutigen Einrichtung ist es, „darzustellen, was die Region an Unternehmerpersönlichkeiten hervorgebracht hat, welche zum Teil bahnbrechenden Innovationen in der Region zustande gekommen sind und wie sich aufgrund dieser Technikkultur auch die heutige Branchenvielfalt und Wettbewerbsfähigkeit der Region sogar auf den Weltmärkten positionieren kann“, so Griesel. Außerdem will der Verein ein für Naturwissenschaften und Ingenieurberufe günstiges Klima schaffen, in dem Kinder und Jugendliche über das Museum mit technischen Leistungen und Zukunftsberufen spielerisch in Kontakt kommen. So arbeitet das Museum mit der Uni Kassel zusammen sowie mit dem künftigen Schülerforschungszentrum. Professoren haben hier bereits Experimente vor Erwachsenen und Kindern gezeigt.

Über viele Epochen und Stile
Das künftige Museum erzählt Technikgeschichte in verschiedenen Strängen. So beginnt die Schau bei Denis Papin, dem Erfinder der Dampfpumpe 1706 und zeigt auf, wie sich die Mobilitätstechnik bis heute entwickelt hat. Ein weiterer Erzählstrang ist zum Beispiel die Solartechnik. Davon zeugt eines der ersten Solarmobile in der Region. In Vitrinen können Interessierte filigrane Präzisionsinstrumente sehen, mittels derer man zum Beispiel Nachrichten übermittelte. Abhandeln will hier das Museum auch den für Kassel wichtigen Bereich der Feinmechanik. Künftig soll das Technikmuseum weiterhin die Geschichte der Schwerweberei in Kassel erzählen. Die Bedeutung des VW-Werkes für Kassel und den gesamten Fahrzeugbau soll seinen Platz bekommen. Ebenso werden in Zukunft Medizintechnik sowie Kunst & Technik neue Erzählstränge in dem Museum ergeben. Dazu will der Trägerverein weitere Schiffe der Werkhalle nutzen. Das befindet sich übrigens auf einem Gelände, das eine für Deutschland einzigartige Industriearchitektur aufweist. Denn es zeigt sieben verschiedene Stile von 1870-1970.

www.tmk-kassel.de

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