Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Herzlichen Glückwunsch, GRIMMWELT Kassel!

1. September 2016 | Von | Kategorie: Region 

Vor einem Jahr eröffnete die GRIMMWELT in der Weinbergstraße. Das Fazit kann sich sehen lassen: mehrfach ausgezeichnete Architektur, ein innovatives Präsentations- und Vermittlungskonzept und eine Besucherzahl, die weit über den Erwartungen liegt. Lag die Zielgröße fürs erste Jahr bei 80.000 Besuchern, kamen in den ersten zehn Monaten bereits 135.000 Gäste in die GRIMMWELT Kassel. Die 40 ausgebildeten Vermittler haben bei über 1.000 geführten Rundgängen neue Einblicke in das Grimmsche Lebenswerk gegeben. Wir sprechen mit Susanne Völker, Geschäftsführerin und Programmleiterin der GRIMMWELT Kassel, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der GRIMMWELT und die Persönlichkeit Susanne Völker.

Susanne Völker, Geschäftsführerin der GRIMMWELT Kassel. Foto: GRIMMWELT Kassel

Susanne Völker, Geschäftsführerin der GRIMMWELT Kassel. Foto: GRIMMWELT Kassel

Jérôme Kassel: Seit der Eröffnung im September 2015 steigen die Besucherzahlen kontinuierlich. Macht sie das stolz? Rechnen Sie mit einem Besucherrekord im documenta-Jahr 2017?

Susanne Völker: Wir freuen uns sehr über die Besucherresonanz und die vielen positiven Rückmeldungen. Es ist offensichtlich: Die Faszination der Brüder Grimm ist ungebrochen. Kassel und die GRIMMWELT werden regional, national und international wahrgenommen. Wir freuen uns darauf, unser Angebot künftig für Kinder und Erwachsene aus dem In- und Ausland noch weiter zu gestalten und auszubauen. Im Hinblick auf das documenta-Jahr 2017 hoffen wir, dass viele Besucher der documenta auch in die GRIMMWELT kommen.

Jérôme: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?

Völker: Der Facettenreichtum und die Perspektivwechsel sind besonders reizvoll. Einen Alltagstrott kenne ich nicht. Das ist einerseits eine Herausforderung und bietet anderseits viele Möglichkeiten, mit interessanten Menschen und Ideen in Kontakt zu kommen. Daraus entsteht ein Netzwerk, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Jérôme: Wo sehen Sie die GRIMMWELT in fünf Jahren?

Völker: Wir verstehen uns als ein Ort des lebendigen Dialogs. Das möchten wir weiter stärken. Besonders wichtig ist mir die Verknüpfung von historischen Bezügen mit Gegenwartsthemen. Ziel ist natürlich auch, die Bekanntheit der GRIMMWELT noch mehr zu erhöhen und als touristischer Magnet attraktiv und präsent zu sein. Wichtig ist uns, dass die Brüder Grimm nicht als reine Märchensammler präsentiert werden, sondern wir sie in ihrem gesamten Schaffen würdigen, vor allem auch als Kulturwissenschaftler, Sprachforscher und in ihrem politischen Engagement. Zudem möchten wir die Bedeutung des unbekannteren Bruders Ludwig Emil Grimm als Maler, Zeichner und Märchenillustrator ins Licht rücken.

Jérôme: Eine Zeitkapsel beamt Sie in jede beliebige Epoche. Für welche entscheiden Sie sich?

Völker: Das ist schwierig, aber vielleicht in die Renaissance. Es war eine sehr bildungsaffine Zeit mit vielen dynamischen und vorwärtsgewandten Entwicklungen. Der Wissenszuwachs in den verschiedenen Themenbereichen von Kunst, Architektur, Malerei, Naturwissenschaft und Philosophie war zu diesem Zeitpunkt enorm. Die Welt hat ihr Denken nach und nach neu geordnet.

Jérôme: Wie schaffen Sie den Ausgleich zu Ihrem beruflichen Alltag?

Völker: Ich reise gern und entdecke dabei schöne und besondere Orte, die mich anregen und inspirieren. Aber auch Bücher und gute Gespräche können beflügeln und gleichzeitig entspannen. Der bloße Vorsatz von mehr Bewegung entspannt definitiv nicht.

Jérôme: Ihr Lieblingsplatz in Kassel oder Nordhessen? Fühlen Sie sich in Kassel wohl?

Völker: Man sagt den Nordhessen ja so Manches nach, aber ich bin hier von Beginn an sehr herzlich aufgenommen worden. Ich fühle mich in Kassel sehr wohl, ebenso wie im Umland mit seinen wunderschönen Wäldern und Wanderwegen.

Jérôme: Ihr Lieblingsmärchen?

Völker: Ich habe kein einzelnes Lieblingsmärchen. Mich faszinieren aber besonders diejenigen Märchen, in denen ein Held oder eine Heldin durch Klugheit, Geschick und Mut eine schwierige Situation überwindet und sich selbst aus einer Notlage befreit: Aschenputtel, das tapfere Schneiderlein oder der Däumling – das sind für mich die starken Figuren in den Märchen.

Jérôme: Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihre Zeit und wünschen Ihnen und Ihrem Team weiterhin viel Erfolg und einen schönen ersten Geburtstag.


Ein innovatives Präsentations- und Vermittlungskonzept erwartet die Besucher. Foto: GRIMMWELT Kassel

Ein innovatives Präsentations- und Vermittlungskonzept erwartet die Besucher. Foto: GRIMMWELT Kassel

Feiern Sie mit: Am Sonntag, 4. September 2016, feiert die GRIMMWELT Kassel ihren ersten Geburtstag mit einem Familientag und vielen Attraktionen, die sich speziell an Kinder und Familien richten, darunter märchenhafte Nähworkshops und ein Fragenparcours rund um die Brüder Grimm.

Öffnungszeiten: Dienstag–Donnerstag und Samstag, Sonntag 10–18 Uhr, Freitag von 10–20 Uhr. Öffentliche geführte Rundgänge in der Dauerpräsentation samstags von 15–16 Uhr, sonntags von 11–12 Uhr. Geführter Rundgang in der Sonderpräsentation »Aufs Maul geschaut: Luther und Grimm wortwörtlich« jeden Sonntag von 15–16 Uhr. Jeden letzten Freitag im Monat: 18 Uhr »Grimm on the rocks« mit geführtem Rundgang und anschließendem Drink im Falada. Anmeldungen direkt an der Kasse oder unter kasse@grimmwelt.de oder (0561) 5986190.

Preise und Auszeichnungen der GRIMMWELT:
Der englische »The Guardian« kürte die GRIMMWELT zu einem der weltweit zehn »best new museums«. Der Internet-Suchdienst »Yahoo« empfiehlt Kassel mit der GRIMMWELT als einen der 16 Orte, die man 2016 besucht haben muss, aus dem Online-Voting des Architekturmagazins »German Architects« ging die von kadawittfeldarchitektur aus Aachen entworfene GRIMMWELT als »Bau des Jahres 2015« hervor, und sie erhielt den polis Award 2016 für Stadt- und Immobilienentwicklung in der Kategorie »Lebenswerter Freiraum«. Zudem bekam sie den Marketingpreis »German Brand Award 2016« verliehen.

www.grimmwelt.de

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