Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



„Ich bin startklar“

13. Juni 2017 | Von | Kategorie: Region 

Kassel Airport-Chef Lars Ernst im Interview

Viel Kritik haben der Kassel Airport und seine Geschäftsführer in den vergangenen Jahren einstecken müssen. Seit Anfang April ist ein neuer Mann am Ruder: Lars Ernst. Jérôme sprach mit ihm über seinen Blick auf den Flughafen und dessen Entwicklung.

Dr. Thomas Schäfer, Finanzminister und Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen GmbH Kassel (rechts), und Lars Ernst, Chef des Kassel Airports (links). Foto: Flughafen GmbH KasselJérôme: Seit 2010 sind Sie für die Flughafen GmbH Kassel tätig. Wie haben Sie die Entwicklung des Flughafens in dieser Zeit erlebt?

Lars Ernst: Die Planung, den Spatenstich, die Eröffnung und den Betrieb eines so groß angelegten Verkehrsprojektes miterleben zu können, ist eine besondere Erfahrung und ich bin sehr dankbar, dass ich Teil dieses Prozesses sein durfte.

Die dazugehörigen Höhen und Tiefen gehen natürlich auch persönlich nicht spurlos an einem vorbei. Dank der vielen positiven Entwicklungen der vergangenen Monate sehe ich zuversichtlich und positiv in die Zukunft des Flughafens!

Jérôme: Ihre Vorgänger mussten harte Kritik hinnehmen. Inwiefern bereitet Ihnen das Sorgen?

Ernst: Ich habe Respekt vor der Herausforderung, aber es bereitet mir keine Sorgen. Mir ist bewusst, dass große Infrastrukturprojekte immer besonders im Fokus der Öffentlichkeit stehen und kritisch begleitet werden. Bei allen Rückschlägen, die es natürlich auch gab, ist uns in den vergangenen drei Jahren Entscheidendes gelungen: Die Verlässlichkeit der Durchführung der angebotenen Flüge konnte wieder hergestellt werden. Der Flughafen hat dadurch das Vertrauen vieler Kunden wiedergewonnen. Mit Schauinsland Reisen und der Stationierung eines Flugzeugs der Sundair wurden beste Voraussetzungen für die Entwicklung des touristischen Verkehrs geschaffen. Zudem ist die Fracht als nennenswertes weiteres Standbein hinzugekommen.

Jérôme: Wie beurteilen Sie das Standing des Kassel Airports in der Region?

Ernst: Wir spüren einen deutlichen Wandel in der Wahrnehmung und erhalten viel Zuspruch – wie auch die außergewöhnliche hohe Resonanz auf unsere Einladung zum Aiport-Fest mit mehr als 8.000 Besuchern gezeigt hat. Durch den erfolgreichen Ausbau des Sommerflugprogramms, die Stationierung der Sundair Maschine und die Zusammenarbeit mit dem renommierten Reiseveranstalter Schauinsland-Reisen hat sich das Image des Flughafens deutlich verbessert und die Angebote erfreuen sich einer großen Nachfrage. Mit den Athen-Flügen, die seit Ende März durchgeführt werden, haben wir eine tolle Bereicherung für den Sommerflugplan bekommen.

Jérôme: In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Passagierzahlen immens wichtig, die sich nun ja auch positiv entwickeln. Welchen Stellenwert haben die Themen Fracht und Gewerbeansiedlung?

Ernst: Für den erfolgreichen Betrieb des Kassel Airport ist eine ausgewogene Mischung aus den Bereichen Kommerzielle Luftfahrt (Passagier und Fracht), Allgemeine Luftfahrt und Gewerbegebietsentwicklung wichtig. Indem wir die Luftfracht verzehnfacht haben, haben wir es in den vergangenen Jahren geschafft, das Thema Fracht weiter auszubauen.

Gemeinsam mit vielen Akteuren arbeiten wir auch kontinuierlich an der Entwicklung des Gewerbegebietes, insbesondere am Standort des alten Verkehrslandeplatzes. Unser gemeinsames Ziel ist es, durch die weitere Ansiedlung von luftfahrtaffinen Betrieben einen zukunftsorientierten „Aviation Industry Park“ zu entwickeln.

Jérôme: Wie wird sich der Airport unter Ihrer Führung positionieren?

Ernst: Ich kenne den Flughafen seit sieben Jahren und arbeite gerne und eng mit allen beteiligten Partnern sowie den Kolleginnen und Kollegen zusammen. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit werde ich intensiv fortführen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für das Unternehmen nun noch mehr Verantwortung übernehmen zu dürfen, ehrt und freut mich. In den vergangenen Wochen habe ich deutlich gespürt, welches Potential in unserem Flughafen und unserer Region steckt. Ich bin startklar und freue mich auf meine neuen Aufgaben und die Zusammenarbeit mit dem Team und unseren Partnern!

Jérôme: Was werden Sie anders machen als Ihr Vorgänger Ralf Schustereder?

Ernst: Jeder Mensch ist anders- und das ist auch gut so! Dadurch erreichen wir Vielfalt in Arbeits- und Führungsstilen. Ich bin sehr glücklich, ein für die Zukunft gut aufgestelltes Unternehmen übernehmen zu können und bin überzeugt, dass wir gemeinsam die Zukunft des Flughafens positiv gestalten werden.

Jérôme: Welche Bedeutung messen Sie der Luftfahrtbranche für Nordhessen insgesamt bei? Es gibt ja einige luftfahrtaffine Unternehmen, die sich unter dem Dach des CCA zusammengeschlossen haben.

Ernst: Der Flughafen ist ein Gewinn für die Region! Durch den Verkehrsflughafen Kassel ist Nordhessen an das internationale Luftverkehrsnetz angeschlossen. Der Luftverkehr wird sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Bereich zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen. In der nordhessischen Region gibt es viele Unternehmen, die im Bereich der Luftfahrt erfolgreich tätig sind und sich unter dem Dach des Competence Centers Aerospace (CCA) zusammengeschlossen haben. Mehr als 50 Unternehmen und Forschungsinstitute haben sich im CCA versammelt, um ihre Fähigkeiten/Ressourcen zu bündeln, zu stärken und zu vermarkten.

Mit der Gründung des CCA wurde eine zukunftsweisende Entscheidung für die Entwicklung Nordhessens als Luftfahrtstandort getroffen, denn zunehmend komplexe und globalisierte Entwicklungs- und Produktionsprozesse und hoher Kostendruck charakterisieren das Markt- und Technologieumfeld in diesem Bereich.

Jérôme: Was erhoffen Sie sich für den Kassel Airport in den nächsten Jahren?

Ernst: Steigende Passagierzahlen, glückliche Passagiere, einen reibungslos durchgeführten Flugverkehr, Kontinuität, ein nachhaltiges Flugprogramm, zuverlässige Partner und kontinuierlichen Wachstum; zufriedene Mitarbeiter – wir haben jetzt die Chance, wichtige Weichen für die zukünftige und dauerhafte Entwicklung des Flughafens zu stellen.

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