Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Aus alt mach ganz, ganz neu

4. Juli 2014 | Von | Kategorie: Stadt 

Wie in 100 Jahren aus Sigmund Aschrotts Stadthalle das Kongress Palais wurde

Im Juli war es. Mitten im Sommer des Jahres 1911. Die Kasseler Stadtverordneten hatten den Bau einer Stadthalle beschlossen. Die Stadt sollte sich entwickeln, Provinz Provinz sein lassen und sich stattdessen zur weltoffenen Kongressstadt entwickeln. Initiator war der deutsch-jüdische Industrielle Sigmund Aschrott gewesen; er hatte der Stadt den im Vorderen Westen gelegenen Florapark als Bauplatz geschenkt. Modern sollte diese Stadthalle werden, geräumig auch, ein modernes kulturelles Zentrum eben, und die Architekten Ernst Rothe und Max Hummel setzten ihre prämierten Entwürfe um. Ein monumentaler Bau des Neoklassizismus entstand, und während der Tausendjahrfeier Kassels wurde die Stadthalle am 1. April 1914 offiziell eingeweiht.

Theater in der Stadthalle

Auch der Hessische Rundfunk nutzte die Stadthalle; hier zur Aufzeichnung der Sendung Teletreff anlässlich des 60. Geburtstages  des Senders am 24. Januar 1985. Foto: Renate Lehning

Auch der Hessische Rundfunk nutzte die Stadthalle; hier zur Aufzeichnung der Sendung Teletreff anlässlich des 60. Geburtstages des Senders am 24. Januar 1985. Foto: Renate Lehning

Die Bombennächte des Zweiten Weltkrieges, die vor allem die Innenstadt in Schutt und Asche legten, überstand das Bauwerk ohne größere Schäden. Lediglich ein bräunlicher Fleck im Fußboden der Eingangshalle erinnert an die einzige Brandbombe, die die Stadthalle traf. Nachdem das Staatstheater beim Luftangriff vom 22. Oktober 1943 schwer beschädigt wurde, fungierte die Stadthalle in der Nachkriegszeit als dessen Provisorium. Bis zur Fertigstellung des neuen Theaters im Jahr 1959 wurde in der Stadthalle Theater gespielt. Die erste Aufführung? Goethes „Iphigenie auf Tauris“.

Knut Seidel und seine Vision vom Kongress Palais

Und immer wieder Renovierungen, Modernisierungen, Erweiterungen. Vier Jahre nach Kriegsende wurde die Eingangshalle der Stadthalle wieder aufgebaut. In den 90er Jahren war der Altbau dran. Unter strikten Auflagen des Denkmalschutzes wurde er nahezu komplett entkernt und modernisiert, die an die Stadthalle angrenzenden öffentlichen Grünanlagen „Stadthallengarten“ und „Rosengarten“ blieben erhalten und werteten das Stadtquartier auf. Gebäude- und Bühnentechnik wurden erneuert und das Ramada Hotel, auch „Stadthallenhotel“ genannt, in direkter Anbindung an die Stadthalle, erbaut. Vor drei Jahren schließlich kam der Anbau des Kolonnadenflügels hinzu, der die Veranstaltungsfläche der Halle auf 8.000 Quadratmeter erweiterte.

Diese Aufnahme der Stadthalle stammt ungefähr aus dem Jahr 1925. Foto: Carl Eberth

Diese Aufnahme der Stadthalle stammt ungefähr aus dem Jahr 1925. Foto: Carl Eberth

Dank des Durchhaltevermögens eines Mannes spielen die Stadthalle und auch die Stadt selbst längst im Konzert der Großen mit. Knut Seidel, der 2011 nach langer Krankheit viel zu früh verstorbene Geschäftsführer von Kassel Marketing, hatte nach viel Überzeugungsarbeit den neuen Namen der Stadthalle durchgesetzt. Er hatte im Gegensatz zu vielen anderen schnell erkannt, dass man mit der ansprechenden Optik und der Historie dieses Hauses ein sattes Pfund in der Hand hatte, mit dem man bestens wuchern könnte. Zwar gab es Widerstand, auch Spott darüber, dass aus einer Stadthalle nun das Kongress Palais Stadthalle geworden ist. Mit dem Anbau des Hotels und auch mit dem neuen Namen ließ sich so gut arbeiten, dass das Kongress Palais schnell in den Kreis der schönsten und wichtigsten Tagungshäuser Europas aufgenommen wurde. Vor allem Tagungen und große Events wie die Manga-Messe Connichi sorgen für eine ausgezeichnete Auslastung des Kongress Palais und steigenden Bekanntheitsgrad der Stadt selbst. 2003 wanderte die Connichi von Ludwigshafen nach Kassel und seitdem stiegen deren Besucherzahlen von 1.500 auf 24.000. Knut Seidel hätte seinen Spaß daran.

Blick auf das Kongress Palais in Kassel. Foto: Kassel Marketing

Blick auf das Kongress Palais in Kassel. Foto: Kassel Marketing

Zur Zeit wird die Bühnentechnik erweitert, „um zukünftig auch bundesweite Topveranstaltungen realisieren zu können“, so Peter Ley, Geschäftsführer des Tagungszentrums Stadthalle Kassel. In Sachen Zukunft scheint man schon jetzt gut aufgestellt. Mit seinen Green Meetings bietet das Kongress Palais auch eine ressourcenschonende Durchführung von Veranstaltungen an. Auch hier ist Kassel vorn: So etwas gab es bislang in Deutschland nicht.

Am Freitag, 18. Juli, gibt es dann den passenden Sommerball zum Jubiläumsjahr, der ein rauschendes Fest für alle Sinne verspricht – mit Musik, Tanz, Akrobatik und natürlich viel Kulinarischem. Tickets gibt es bei der Kasseler Tourist Information in der Wilhelmsstraße 23 und im Internet unter www.jubilaeumsball100.de.

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