Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



„Das wird wieder, nur anders“

3. Mai 2017 | Von | Kategorie: Stadt 

Nachruf auf Ilka Jastrzembowski
Besondere Menschen haben besondere Worte verdient. Und die sind nicht immer leicht zu finden. Schon gar nicht für jemanden, der so selbstverständlich da war, ein Fixpunkt für viele, Mut machend, aufbauend, nach vorn gewandt. Der nicht gehen wollte und doch viel zu früh gehen musste. Für Ilka Jastrzembowski, die am 27. Januar im Alter von nur 48 Jahren verstarb.

Ilka Jastrzembowski verstarb im Januar im Alter von nur 48 Jahren. Foto: Müller + PartnerFrau IJ, wie sie von Kunden und Mitarbeitern liebevoll genannt wurde hatte Pläne und Visionen. Trotz ihrer Krankheit. Bis zuletzt. Und so schien es für die meisten unfassbar, dass diese starke, fröhliche und warmherzige Persönlichkeit plötzlich nicht mehr da sein sollte.

Pläne in der Backstube
Ilka Jastrzembowski hinterlässt große Spuren in Kassel und der Region. 1995, als sie noch Ilka Müller-Jastrzembowski hieß, gründete sie gemeinsam mit Joachim Müller (nicht verwandt oder verschwägert) das schon bald bundesweit angesehene und mehrfach ausgezeichnete Beratungsunternehmen für Personal- und Organisationsentwicklung Müller + Partner. Als junge Frau, gerade mal die Mitte 20 passiert, startete sie mit „Jo“ Müller durch. Die Pläne entstanden in der Backstube in Wehlheiden, wo sich die beiden seit ihrer Studentenzeit immer wieder trafen, sich austauschten und irgendwann zu dem Entschluss kamen, dass sie das, was sie derzeit als Angestellte von Beratungsgesellschaften taten, gerne selbstständig und mit einer ganze eigenen Idee, wie man gut berät, machen würden.

Bei Ilka Jastrzembowski gab es kein Larifari, kein oberflächliches Herangehen an die Dinge, kein Beraten und weg, sondern eine dauerhafte Betreuung von Unternehmen in Veränderungsprozessen. Die Kunden, vom Kleinstunternehmen bis zum Welt-Konzern, waren dankbar für ihre „Wadenbeißerin“, die immer wieder den Blick schärfte, an Vereinbarungen und Vorgehensweisen erinnerte und die Entwicklung langfristig begleitete.

Das Unternehmen Müller + Partner wuchs mit seinem Erfolg. Im Jahr 2000 kam der in 2016 ebenfalls viel zu früh verstorbene Christian Stahl als weiterer Gesellschafter an Bord und 2002 eröffnete man den Standort Ulm, um von hier aus den Süden Deutschlands intensiver betreuen zu können. Im Laufe der Jahre wuchs das Beraterteam und Frau IJ teilte ihr Wissen mit ihren Mitarbeitern und machte sich nie unentbehrlich. Davon profitierten alle.

Ehrenamtlich engangiert
Gleichzeitig war Ilka Jastrzembowski eine starke Netzwerkerin, hatte immer eine Vision und plante langfristig und strategisch. Und sie war ehrenamtlich engagiert. Als Mitglied des Verwaltungsrates des Bundes der Steuerzahler Hessen, als Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren und zeitweilige Landesvorsitzende, als stellvertretende Vorsitzende des Beirates der WFG Region Kassel, als Mitglied des Unternehmerrates der Uni Kassel, als Präsidentin des Vereins Schloss Schönfeld und als 1. Vorsitzende des Vereins Kultursommer Nordhessen wollte sie auch neben dem Beruf etwas bewirken und ihrer Heimat Nordhessen den Rücken stärken.

Kampf gegen den Krebs
Mutig ging Ilka Jastrzembowski mit ihrer Krebsdiagnose um. Sie ließ von Anfang an den Kopf nicht hängen und besprach den „neuen Alltag“ mit Beruf, Therapie und Genesung mit ihren Kollegen. Den Menschen um sie herum half sie damit, gab der Sache eine Struktur und allen das Gefühl, dass das machbar ist und wieder gut wird. So arbeitete Sie weiter in ihren Beratungsprojekten und ließ auch im Ehrenamt nicht nach. Zunächst schien die Krankheit überwunden. Doch der Krebs kam zurück.

Wieder rief Ilka Jastrzembowski ihr Team zusammen und besprach die Zukunft. Gab Einblick, wie es weitergeht und wie alle zusammen diesen Weg schaffen. Sie plante ihre Zukunft und gab ihrem Umfeld Hoffnung und Zuversicht. Im Sommer fragte sie ihre Büroleiterin Sonja Trieschmann, ob sie mit ihr gemeinsam die Geschäftsführung übernehmen wolle. Dieser Schritt war früher schon Thema und so waren sich beide schnell einig, dass dieses Zukunftsmodell für das Powerteam passt. Bis in den Januar 2017 hinein schmiedete Frau IJ Pläne und gab nicht auf. Am Ende verlor sie ihren Kampf dennoch. „Das wird wieder, nur anders“, gab sie Sonja Trieschmann mit auf den Weg.

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