Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Pate der Demokratie

5. September 2015 | Von | Kategorie: Stadt 

Festakt zu Ehren Philipp Scheidemanns

Demokrat, Staatsmann, Oberbürgermeister – diese wenigen Worte beschreiben die Persönlichkeit Philipp Scheidemanns sehr präzise“, sagte Torsten Schäfer-Gümbel im Stadtverordnetensaal des Kasseler Rathauses. Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende lobte beim Festakt anlässlich des 150. Geburtstags Scheidemanns das Werk des „wahrhaften Kämpfers für die Demokratie“. Der gebürtige Kasseler sei „ein brillanter Redner, ein Kämpfer für die Rechte der Arbeiter“ gewesen, so Schäfer-Gümbel.

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen lobte den „Paten der Demokratie“ für seine Zeit als Bürgermeister der Stadt. „Er trieb den Wohnungsbau, die sozialen Aspekte und den Bau des ersten öffentlichen Bades an der Fulda voran“, so Hilgen, der vor dem Festakt am Grab des Politikers auf dem Kasseler Hauptfriedhof einen Kranz niederlegte.

Verwandte und Nachfolger Philipp Scheidemanns: Urenkelin Lieselotte Harvey und ihr Sohn Peter (Mitte) mit den ehemaligen Kasseler Bürgermeistern Wolfram Bremeier (links) und Hans Eichel. Betram Hilgen (rechts) komplettiert als amtierendes Stadtoberhaupt die Runde. Foto: Mario Zgoll

Verwandte und Nachfolger Philipp Scheidemanns: Urenkelin Lieselotte Harvey und ihr Sohn Peter (Mitte) mit den ehemaligen Kasseler Bürgermeistern Wolfram Bremeier (links) und Hans Eichel. Betram Hilgen (rechts) komplettiert als amtierendes Stadtoberhaupt die Runde. Foto: Mario Zgoll

Urenkelin zu Gast in Kassel
Vor über 100 Gästen im vollbesetzten Saal – darunter auch die Urenkelin Scheidemanns, Lieselotte Harvey, und ihr Sohn Peter – wurde das Programm nicht nur durch die musikalischen Darbietungen von Benjamin Hühne (Bariton) und Jakob Haufler (Gitarre) aufgelockert. Auch Karl Garff, der Scheidemanns unter dem Pseudonym Henner Pieffendeckel veröffentlichte Kommentare verlas, sorgte für einen unterhaltsamen Part.

Tribun auf dem Schleudersitz
Historisch beleuchtete Prof. Dr. Walter Mühlhausen das Leben Philip Scheidemanns. „Er war ein wortgewaltiger Tribun mit einem feinen Gespür für die öffentliche Stimmung“, sagte Mühlhausen. Zu Scheidemanns Zeit als Bürgermeister seiner Heimatstadt bermerkte der Historiker mit einem Augenzwinkern: „Der Stuhl des Bürgermeisters in Kassel war eher ein Schleudersitz – aber das hat sich heute ja offenbar geändert.“

Philipp Scheidemann
Philipp Heinrich Scheidemann wurde am 26. Juli 1865 in Kassel geboren und wuchs in der Michelsgasse auf. Bereits mit 18 Jahren trat er in die damals verbotene SPD ein – und wurde einer der herausragenden Protagonisten der Partei. Während der Novemberrevolution am 9. November 1918 verkündete Scheidemann von einem Balkon des Reichstagsgebäudes aus den Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs und proklamierte die Deutsche Republik. 1919 bis 1925 war er Oberbürgermeister seiner Geburtsstadt Kassel, ehe er 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, ins Ausland fliehen musste. Er starb 1939 in ärmlichen Verhältnissen in Kopenhagen. Seine Asche wurde 1954 zurück nach Kassel gebracht und feierlich auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.

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