Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Besprechen Sie schon oder Dampfplaudern Sie noch …?

17. September 2009 | Von | Kategorie: Wirtschaft 

mueller_jastrzembowskiDauern Besprechungen bei Ihnen immer genauso lange wie geplant? Dann sind Sie zu beneiden. Die, die ich erlebe, sprengen ständig den Zeitrahmen.

Auffällig ist, dass, obwohl immer mehr geredet wird, immer weniger gesagt wird. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich auf die Frage, über was hier jetzt eigentlich gesprochen wird, keine Antwort weiß – und ich scheine nicht die Einzige zu sein! Auch der Blick in die Tagesordnung hilft nicht immer, denn die Tagesordnungspunkte, meist nur als Schlagworte wie „Absatzzahlen“, „Kennzahlenvergleich“ formuliert, laden geradezu ein, individuelle Interpretationen, zumeist ohne jegliche, fundierte Vorbereitung, in Dampfplauderei zu überführen.

Doch es gibt Abhilfe: Die unterhaltsame Lösung für öde Besprechungsstunden heißt „Bullshit-Bingo“. Sie brauchen nur für alle Mitspieler jeweils ein Blatt Papier. Dieses wird in ein Raster von 5 x 5 Reihen geteilt. In die 25 Kästen werden Worthülsen eingetragen, die im Unternehmen gerade „in“ sind, z.B. „wachstumsrelevant“, „krisenfest“, „prozessorientiert“ usw. Wann immer ein Begriff fällt, wird er durchkreuzt. Gewonnen hat der, der zuerst eine 5er-Reihe durchkreuzt hat und dann ein freudiges „Bingo“ in die Runde ruft! Was meinen Sie, wie die Aufmerksamkeit der Teilnehmer steigen wird!

Harry G. Frankfurt, Professor der Elite-Universität Princeton, wird es freuen. Bereits vor 20 Jahren hat er mit seinem Aufsatz  „Bullshit“ (das Synonym für sinnentleerten Blödsinn in der englischen Sprache) eine Epidemie unserer Tage ausgemacht. Die These seiner Analyse: Bullshit ist deshalb so verbreitet, weil immer mehr Menschen über Dinge reden, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben.

Und da, wo Bingo nicht mehr hilft, sollte helfen: Weniger reden. Machen!

Ilka Müller-Jastrzembowski

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