Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben


Die Erde begreifbar machen

27. Juli 2011 | Von | Kategorie: Wirtschaft 
Vulkan aus Alu: Die Geologin Dr. Marion Müller lädt ein, Naturwissenschaften als Abenteuer zu erleben. Foto: Mario Zgoll

Vulkan aus Alu: Die Geologin Dr. Marion Müller lädt ein, Naturwissenschaften als Abenteuer zu erleben. Foto: Mario Zgoll

Eine Vulkanlandschaft hat Dr. Marion Müller für ein Experiment modelliert – aus einer kleinen Plastikflasche und Alufolie, die sie in deren Öffnung gestopft hat. Hinein schüttet sie Backpulver und rotgefärbten Essig. Die Flüssigkeit sprudelt heraus und ergießt sich über den Alu-Vulkan. Das zeigt nicht nur, wie Magma entgegen der Erdanziehung in einem echten Vulkan aufsteigt, nämlich unter anderem mit Gas als Transportmittel. Es verdeutlicht auch, wie sich Vulkangestein, beispielsweise Basalt, in Becken ablagert. Das Experiment ist eines von mehreren, das die promovierte Geologin von GEONAT mit Kindern macht, wenn sie mit ihnen auf Exkursion ins Gelände geht. „Ich möchte, dass die Kinder ein bisschen mehr von der Erde verstehen und vor allem Zusammenhänge von dem, was auf der Erde passiert“, erklärt sie.

Naturwissenschaften mal anders
Ihr Unternehmen GEONAT lädt Firmen, Schulen, Lehrkräfte, gewöhnliche Erwachsene ein, Naturwissenschaften auf eine neue Art und Weise zu erleben – nicht trocken und theoretisch, sondern als Abenteuer. So steigt sie mit den Teilnehmern querfeldein im Gelände über ein Blockmeer (Ansammlung verwitterter Gesteine) auf einen ehemaligen Vulkan. Müller und ihre Mitarbeiterin Diplom-Geographin Kathi Siebert arbeiten dabei auch multimedial und viel mit Gesprächen, gehen auf die unterschiedlichen Lerntypen (auditiv, visuell, handlungsorientiert, haptisch), unterschiedliche Vorkenntnisse und auch Lernbeeinträchtigungen ein. Gerade im Gelände ist das soziale Miteinander in den Gruppen wichtig. Bei Belegschaften fördere das auch die Teamarbeit in den jeweiligen Unternehmen, sagt Dr. Müller. Sie geht mit Forscherteams  aus Kleingruppen in die Natur, wo diese dann Aufgaben erfüllen müssen. Etwa mit Hilfe von Hammer, verdünnter Salzsäure und Lupe Gesteine bestimmen, sie beschreiben und in ein Feldbuch zeichnen. Auch müssen die Gruppenmitglieder  auf die eigenen Grenzen wie die der anderen achten, damit ein erfolgreiches Ergebnis dabei herauskommt.

Der Mensch hat wenig Wissen
Und die Themen? Zum Beispiel „Vulkanismus“, „Die Geschichte der Erde“, „Plattentektonik“, „Das Sonnensystem“, „Meeresforschung“ oder „Das Wetter“. Rundherum: aktuelle naturwissenschaftliche Forschungsthemen.  Das Angebot: Vorträge, Exkursionen, Workshops und Seminare sowie Lehrerfortbildungen.  Entstanden ist das bundesweit agierende Kasseler Unternehmen 2005. Inspiriert hat die Naturwissenschaftlerin Müller dazu, dass sie in der Öffentlichkeit immer wieder feststellte, wie wenig Wissen der normale Mitmensch über die Erde hat. Und an ihrer Tochter hatte sie gesehen, dass die Schule zwar viel theoretisches Detailwissen vermittelt, aber die Zusammenhänge ganz oft unklar bleiben. Zu Beginn arbeitete die Inhaberin mit Grundschulen. Bald kamen Lehrerfortbildungen hinzu. Heute richtet sich GEONAT verstärkt an Firmen. Und zwar solche „die wissen, dass Vielseitigkeit und Bildung zur Zufriedenheit der Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Angestellten beiträgt und somit produktives Arbeiten und vor allem die Gesundheit fördert“, so eine Kurzinformation. Weitere Zielgruppen: Kindergruppen, Verbände und Vereine.  GEONAT, das kommt von GEO, die Erde und NAT für Natur. „Science made easy“ – Wissenschaft leicht gemacht, heißt der dazugehörige Slogan.

Die Philosophie dabei: „Die Menschen müssen sich wieder mehr der Natur zuwenden und begreifen, wie sie funktioniert. So sind die Folgen der Zerstörung des Atomkraftwerkes Fukushima bisher global kaum absehbar“, erklärt Dr. Müller. Ein Atomkraftwerk auf einer aktiven Erdplattengrenze mit regelmäßigen Erdbeben zu errichten, zeige das menschliche Unverständnis gegenüber der Natur.

www.geonatkassel.de


Tags: , , , ,

Schreibe einen Kommentar