Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben


Für den Gabentisch: Schweine, Würste, Waschbären

12. Dezember 2011 | Von | Kategorie: Wirtschaft 

Die Frankfurter Buchmesse bietet für Fachbesucher wie auch das interessierte Publikum mindestens einen nahezu unschlagbaren Vorteil: Bereits zehn Wochen vor Weihnachten kann man dort geschenkwürdige Neuerscheinungen begutachten, die oft nur in einem einzigen Vorab-Exemplar ausliegen und erst geraume Zeit später käuflich erhältlich sind. So verhielt es sich dieses Jahr auch am Stand des Melsunger Neumann-Neudamm Verlages („Partner der Natur seit 1872“), der gleich drei höchst interessante Kandidaten ins Rennen schickt.

Vom Schreibtisch verbannt
Kannte man es zuvor nur als gefährliches Verkehrshindernis, Acker- und Golfplatzschädling sowie bestenfalls lukullische Verlockung, so erschließen sich bei der Betrachtung des opulenten Bildbandes „Schwarzwild – Schlaue Borstenviecher in unseren Wäldern“ gänzlich neue, ungemein sympathische Seiten von Sus scrofa, dem gemeinen Wildschwein. Die laut Verlagswerbung „besten Naturfotografen Europas“, darunter Karl-Heinz Volkmar, Jaroslav Vogeltanz und Erich Marek, lieferten für das 96 Seiten starke Buch Aufnahmen, die schlichtweg hinreißen, ergänzt durch zahlreiche Erläuterungen, die dem Leser einen erhellenden Einblick in die Lebenszusammenhänge von Bache, Frischling und Keiler geben, und überdies darüber aufklären, was es etwa mit Rotte oder Rauschzeit auf sich hat. Von ähnlicher Qualität ist der ebenfalls neu erschienene Band „Waschbären – Kleine Banditen mit Maske“, bei der die Mehrzahl der Aufnahmen wiederum von Karl-Heinz Volkmar stammt. Aber auch ein Foto des legendären Tierfreundes und ehemaligen Direktors des Frankfurter Zoos Dr. Bernhard Grzimek findet sich, auf dem dieser im Rahmen seiner vom Hessischen Rundfunk produzierten Kultsendung „Ein Platz für Tiere“ 1983 einen Waschbären zu Gast auf seinem Schreibtisch hat – ein Privileg, dass offenbar keinem Wildschwein je zuteil wurde. Beide Bände sind für nordhessische Tier- und Naturfreunde eigentlich ein Muss, zumal sie mit jeweils nur 10 Euro auch noch für kleines Geld zu haben sind.

Genussmenschen lieben Wurscht
Dem „europäischen Schmeckewöhlerchen der GrimmHeimat NordHessen“ ist der dritte Geschenkkandidat gewidmet, der kürzlich sogar mit einem kleinen Empfang im nunmehr komplett umgebauten und neu eingerichteten Melsunger Verlagsgebäude von Neumann-Neudamm vorgestellt wurde, in Anwesenheit von Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminis-ter Dieter Posch. „Wir leben in Nordhessen und sind Genussmenschen. Was kann es da Besseres geben als ein Buch zum Thema Ahle Wurscht zu machen?“, fragte Neumann-Neudamm-Geschäftsführer Heiko Schwartz in die handverlesene Runde, die sich erwartungsvoll zur – selbstverständlich mit einer ausführlichen Verkostung verbundenen – Vorstellung des Bandes „Ahle Wurscht“ im Seminarraum des Verlages eingefunden hatte. „Dafür sind wir viel herumgereist, haben viel verkostet und es hat richtig Spaß gemacht – denn mit der Ahlen Wurscht essen wir ja ein besonderes Lebensmittel, eines, das diesen Namen wirklich noch verdient.“ Lang ist die Liste derer, die zu diesem Band fachkundige Beiträge geleistet haben, darunter der Förderverein Nordhessische Ahle Wurscht, die Kasseler Fleischerei Rohde, das Deutsche Patent- und Markenamt in München, die nordhessischen Fleischerinnungen, Pierre Schlosser und Günther Koseck von der GrimmHeimat NordHessen wie auch Ministergattin Isolde Posch, die mit ihrem Gedicht „Der Nordhesse an sich“ vertreten ist.

Der Ursprung der Salami
Matthias Pflüger, als Vorsitzender des vor fünfeinhalb Jahren aus der Initiative „Slowfood“ heraus gegründeten Fördervereins Nordhessische Ahle Wurscht, nutzte die Gelegenheit, den Buchvorstellungsgästen die Kriterien zu erläutern, die seine Initiative an die Güte einer Ahlen Wurscht legt: „Die Schweine sollten nicht aus anderen Bundesländern, sondern aus der Region Nordhessen stammen und weitgehend mit hofeigenem Getreide gefüttert werden“, so Pflüger. „Ihr Mindestschlachtgewicht darf nicht unter 150 kg liegen, denn das Fleisch muss aromatisch und ausgereift sein, sonst lässt sich daraus keine Dauerware herstellen. Zudem sollten nur Naturgewürze Verwendung finden.“ Für Überraschung sorgte Pflügers geradezu sensationelle Information, dass man nach intensiven Geschichtsrecherchen, die bis zu Aufzeichnungen des römischen Historikers Tacitus aus dem Jahr 98 n. Chr. zurückgegangen seien, nun mit einiger Sicherheit behaupten könne, dass die weltweit berühmte Salami ihren Ursprung in Nordhessen hatte – als Ahle Wurscht. Auch diese Recherche findet sich gut dokumentiert in dem 122-seitigen Buch wieder, das für 14,95 Euro zu haben ist.


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