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Kassel Airport: Wohin wir wollen

29. Juni 2015 | Von | Kategorie: Wirtschaft 

Airport-Chef Ralf Schustereder über seine Pläne, in denen Reisebüros wichtiger werden
„Eine seriöse Ausrichtung auf die stets ungewisse Zukunft erfordert eine realistische Analyse der Ausgangslage“, sagt Ralf Schustereder. Die Planungen für den Ausbau von Kassel Airport stammten aus einer Zeit, in der sich die Luftfahrtbranche international noch in einer anderen Lage befand. Heute herrschten in der Branche Kostendruck durch sinkende Margen in der Airline‐Industrie, durch über Jahre steigende Treibstoffkosten und sinkende Ticketpreise, durch starken Wettbewerb unter Airlines und Flughäfen, durch das Wachstum des Low‐Cost‐Sektors und nicht zuletzt durch den kritischen Blick auf staatliche Beihilfen für Flughäfen und Fluggesellschaften.

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Flughafen-Chef Ralf Schustereder will die Ausgaben reduzieren und verstärkt Reisebüros ins Boot holen. Foto: nh

Neubewertung der Passagierprognosen
Darum habe er, Schustereder, nach der Übernahme der Geschäftsführung im April 2014, in einem ersten Schritt die Passagierprognosen, die vor etwa zehn Jahren für den Flughafen erstellt worden waren, hinterfragt und die Autorin der Studie um eine Neubewertung gebeten. „Statt der einst prognostizierten 300.000 bis knapp eine Million Passagiere kamen nun zwei Szenarien mit 237.000 und 471.000 Passagieren binnen zehn Jahren heraus. Das zweite Ziel zu erreichen ist zwar ehrgeizig, aber möglich. Doch es geht nicht über Nacht“, sagt Schustereder.

Kassel Airport setzt auf die Reisebüros
In der kommerziellen Luftfahrt, also dem klassischen Ferienverkehr, setzt Kassel Airport bei den Flugzielen bereits auf 50 Prozent Wachstum im Sommerhalbjahr. Das Winterhalbjahr wird jetzt im Frühjahr geplant. Um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, geht die Flughafen GmbH Kassel in die Akquise. „Die Marktanalyse und die Marktbearbeitung sind allerdings Aufgaben, die wir nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagt Schustereder. Reisebüros seien ein wichtiger Vertriebskanal. Das Kassel Airport Team hat die 50 Top‐Reisebüropartner in der Region besucht und Marktanalysen durchgeführt. Zur Bewerbung des Sommer‐Flugplans 2015 sind gemeinsame Marketingaktivitäten mit den Reisebüros geplant.

Kassel Airport im Gespräch mit Fluggesellschaften
„Derzeit“, sagt Andreas Blass, Vertriebsleiter, „steht Kassel Airport mit etwa 15 Fluggesellschaften im unmittelbaren Kontakt. Unter anderem auch mit Turkish Airlines. „Für alle Gesprächspartner hat Kassel Airport unbestritten seine Stärken wie seine Lage in der Mitte Deutschlands. Die Region Kassel sei der zweitstärkste Wirtschafts‐ und Ballungsraum in Deutschlands wirtschaftsstärkstem Flächenland“ berichtet Blass. „Ein weiterer Schritt, unseren Flughafen wirkungsvoll nach außen zu repräsentieren, war zum Beispiel die Konzentration auf die international ohnehin schon gebräuchliche Bezeichnung Kassel Airport“, sagt Blass weiter. „Wenn wir künftig in den Vertrieb gehen, konzentrieren wir uns auf eine Marke, die international ihre Chance hat, wahrgenommen zu werden.“ Weitere Veränderungen sind beispielsweise der neue Internetauftritt des Airports.

Flexible Arbeit sichert Arbeitsplätze
„Zugleich passt der Flughafen seine Strukturen an die geänderten Rahmenbedingungen an“, verweist Schustereder auf eine ebenso unverzichtbare wie herausfordernde Aufgabe. An entscheidenden Stellen ist es schon 2014 gelungen, Ausgaben spürbar zu reduzieren. Die Flughafengesellschaft möchte diese Mittel nutzen, um eine dauerhafte Reduktion der Kosten zu erreichen und hat zusätzlich ein flexibleres Personalkonzept entwickelt. Dazu hat Kassel Airport unter anderem schon im vergangenen Jahr eine Zusammenarbeit mit dem Flughafen Paderborn‐Lippstadt mit dem Austausch von Personal für Sicherheitskontrollen begonnen. Für Schustereder „gibt es genügend Ansätze, solche Partnerschaften durch einen intelligenten Personaleinsatz weiter auszubauen, der allen Flughäfen hilft, die öffentlichen Mittel verantwortungsbewusst einzusetzen. Wir wollen die Ertragsaussichten bessern und die Kosten senken“, sagt Schustereder.

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