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Mobil arbeiten – Fluch und Segen zugleich

15. September 2016 | Von | Kategorie: Wirtschaft 

Die Mehrheit aller Beschäftigten arbeitet von unterwegs bzw. an verschiedenen Arbeitsorten. Vom „mobilen Arbeiten“ sind laut einer aktuellen Studie 54 Prozent aller Berufstätigen betroffen. Sie arbeiten teilweise oder ausschließlich mobil. Handlungsbedarf ergibt sich für Mitarbeiter und Unternehmen aus der Arbeitsweise, beide profitieren jedoch auch.

Ilka Jastrzembowski, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Personal- und Organisationsentwicklung Müller+Partner. Foto: Müller + Partner

Ilka Jastrzembowski, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Personal- und Organisationsentwicklung Müller+Partner. Foto: Müller + Partner

Das mobile Arbeiten hat verschiedene Ausprägungen. So zeigt die Studie die Facetten der Unternehmenswirklichkeit:

  • Nur noch 46 Prozent der Beschäftigten sitzen an einem stationären Arbeitsplatz.
  • 29 Prozent arbeiten sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens an wechselnden Arbeitsplätzen.
  • 14 Prozent arbeiten innerhalb eines Unternehmens mobil.
  • 11 Prozent arbeiten immer nur außerhalb des Unternehmens an wechselnden Orten.

Dabei nutzen 97 Prozent tragbare Computer, 93 Prozent Smartphones und 62 Prozent Tablets.

Abbildung 1: Was nützt es und was ist noch schwierig – die Vor- und Nachteile im Überblick!

Abbildung 1: Was nützt es und was ist noch schwierig – die Vor- und Nachteile im Überblick!

Auswirkungen überwiegend vorteilhaft
Die Veränderungen hin zu mobilen Arbeitsformen bringen den Beteiligten vorwiegend Vorteile. Die „Mobilen Mitarbeiter“ äußern sich positiv im Hinblick auf Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit. Die besseren Gestaltungsmöglichkeiten werden von 53 Prozent der befragten Personen als positiv angemerkt. Nur 11 Prozent beurteilen diesen Fakt als schlechter. Das alles hat Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit, die von 67 Prozent als besser eingestuft wird. Gleiches gilt für die Leistung.

Handlungs- und Entwicklungsbedarfe für die Beteiligten
Mobile Arbeitsformen bringen Veränderungen mit sich, die sich speziell auf die „Selbstführungskompetenz“ sowie auf die Führungskräftekompetenz „Wie führe ich Mitarbeiter aus der Ferne?“ beziehen. Durch die Entgrenzung in Zeit und Ort, entsteht die Notwendigkeit, sich selbst immer wieder zu regulieren und mit Zeit und Aufgaben verantwortungsbewusst umzugehen. Hierfür fehlen gewohnte, traditionelle Regulative des betrieblichen Umfelds: das Team, der Kollege, die betrieblichen Rituale, die Arbeitszeit und der Austausch zu allem – so ist der mobile Arbeiter mit den Fragen der Selbstführung komplett auf sich allein gestellt. Die Gefahr sich im „Verschieben von Aufgaben“ zu verlieren und immer ein bisschen zu arbeiten, ist daher groß. Gleichermaßen sind viele Führungskräfte gefordert, sich der Frage zu widmen, wie man mobile Mitarbeiter überhaupt führt.

Abbildung 2: Höhere Anforderungen an die „mobilen Mitarbeiter“

Abbildung 2: Höhere Anforderungen an die „mobilen Mitarbeiter“

Einschätzungen in der Unternehmensführung variieren
In der Führungseinschätzung variieren die Meinungen, wie die Unternehmen zu der Frage mobiles Arbeiten aufgestellt sind. So zeigt sich, dass die erste Führungsebene der Ansicht ist, dass ihre Unternehmen gut aufgestellt sind. Die mittlere Führungsebene ist da jedoch skeptischer und sieht Probleme im Hinblick auf die Führbarkeit der mobilen Mitarbeiter. Speziell die Frage der Kontrollierbarkeit und der Frage, wer leistet und wer verdrückt sich, macht den Führungskräften Sorgen.

Die Führungskräfte nahmen Stellung zu der Frage: „Für die Beschäftigen unseres Unternehmens stellt die IT-gestützte, mobile Arbeitssituation im Gegensatz zu der IT-gestützten, stationären Arbeitssituation höhere Anforderungen an …“

Soll es also weiter darum gehen, die positiven Aspekte der mobilen Arbeitsform zu stabilisieren und zu forcieren, werden die Fragen um eine angepasste Führungskultur in den Unternehmen im Vordergrund stehen. Statt Anwesenheit stehen Vertrauen und Zielerreichung im Fokus des Miteinanders. Medien- und kommunikative Kompetenzen sind bei den Beteiligten zu entwickeln. Ebenso die gemeinsamen Regeln im „virtuellen“ Umgang miteinander. Es reicht also bei weitem nicht, Mitarbeiter und Führungskräfte mit der neuesten Technik auszustatten.

Autorin: Ilka Jastrzembowski

Quellenangabe:
„Mobiles Arbeiten“; Hochschule für Technik und Wirtschaft, Prof. Dr. Prümper 2016

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