Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Mutig gestalten, Werte bewahren, Zukunft schaffen

2. Mai 2011 | Von | Kategorie: Wirtschaft 
Ludwig Georg Braun mit Ehefrau Ilona. Foto: Mario Zgoll

Ludwig Georg Braun mit Ehefrau Ilona. Foto: Mario Zgoll

Mit einem imposanten Festakt würdigte man am 25. März das unternehmerische Lebenswerk des scheidenden Vorstandsvorsitzenden der B. Braun Melsungen AG, Ludwig Georg Braun. In einem üppig dimensionierten Festzelt hatten sich langjährige Wegbegleiter, Freunde und die Mitglieder der Familie Braun zusammengefunden, um Braun für sein 40-jähriges Engagement im Vorstand zu ehren. 34 Jahre davon war er dessen Vorsitzender gewesen. Vor rund 500 Gästen lobten Redner wie Ministerpräsident Volker Bouffier, Bischof a.D. Wolfgang Huber, der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Hessen-Chemie Karl-Hans Caprano und andere die Leistungen des scheidenden Firmenchefs.

Keine Gedenkfeier
Sichtlich ergriffen eröffnete Aufsichtsratsmitglied Barbara Braun-Lüdicke die Festveranstaltung: „Es soll ein fröhlicher Tag werden. Wir sind ja schließlich nicht auf einer Gedenkfeier.“ Ein notwendiger Satz gleich zu Beginn, schwang doch bei aller Feierlichkeit und kurzweiliger Programmfolge permanent das Gefühl eines schweren Verlustes für das Unternehmen und seine Beschäftigten mit.

„Ich bin beeindruckt von Ihrem Lebenswerk. Unser Land und viele Menschen haben Ihnen viel zu verdanken“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier und zeigte sich nicht zuletzt ob des vielfältigen ehrenamtlichen Engagements Brauns beeindruckt. Wie er sich als Vorstandsvorsitzender eines Konzerns zum Beispiel aktiv in die Kommunalpolitik einbringe, sei ungewöhnlich.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Chemie in Hessen, Karl-Hans Caprano, beschrieb Braun als leidenschaftlichen Kämpfer und streitbaren Geist, den er niemals herablassend oder verletzend erlebt habe. Michael Vassiliadis, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, äußerte sich ähnlich: „Wir haben oft gestritten. Aber es war nie ein Kampf, sondern immer die Suche nach der besten Lösung.“ Lob gab es auch von Seiten des Betriebsratsvorsitzenden Peter Hohmann: „Wir haben bei allen Meinungsverschiedenheiten die gemeinsamen Ziele nie aus den Augen verloren. Das funktioniert nur, wenn auf beiden Seiten Respekt und Vertrauen groß sind.“

Wertgebundene Unternehmensführung
Hauptredner der Festveranstaltung war der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof a.D. Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber. Er würdigte Brauns Einsatz für das Wohlergehen der Menschen, sowohl durch Verbesserung der Gesundheitsversorgung als B. Braun-Mission als auch durch die Achtung seiner Mitarbeiter, die sich zum Beispiel in Modellen für Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Talentförderung und die Integration von Leistungsschwächeren niederschlage. „Behalten Sie Ihre Einsichten auch künftig nicht für sich“, so Huber. „Tragen Sie dazu bei, dass wertgebundene Unternehmensführung zur Norm wird.“

„Ich bin überwältigt“, sagte Ludwig Georg Braun, als er schließlich ans Mikrofon trat. Ohne die zarte Hand seiner Frau Ilona, die ihm eine so starke Familie gegeben habe, wäre sein Wirken nicht möglich gewesen.

Von 3.000 auf über 41.000 Mitarbeiter
Ludwig Georg Braun beendet seine Amtszeit mit ansehnlichen Ergebnissen: Das Geschäftsjahr 2010 schloss B. Braun mit einem Konzernumsatz von 4.422,8 Millionen Euro ab, 9,8 Prozent über Vorjahr. Der Konzernjahres-überschuss lag mit 277,4 Millionen Euro um 15,8 Prozent höher als 2009. Zum Vergleich: 1977, als Ludwig Georg Braun den Vorstandsvorsitz übernahm, lag der Jahresumsatz des Unternehmens bei 517 Millionen Mark. Die Mitarbeiterzahlen stiegen in diesen 34 Jahren von 3.000 auf über 41.000.

Ganz aufs Altenteil zurückziehen wird sich Braun nicht, sondern sich als Aufsichtsratsvorsitzener weiter einbringen. Seine Nachfolge als Vorstandsvorsitzender trat Dr. Heinz-Walter Große zum 1. April an. Er bekleidet dieses Amt als erstes Nicht-Mitglied der Familie Braun.

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