Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Science Park: Hier werden die Ideen kanalisiert

17. Juli 2013 | Von | Kategorie: Wirtschaft 
Mit symbolischen Hammerschlägen mauerten Uni-Präsident Rolf-Dieter Postlep, Wirtschaftsminister Florian Rentsch, Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel und der zukünftige Science Park-Geschäftsführer Dr. Oliver Fromm für die Fotografen den Grundstein des neuen Gebäudes. Foto: Mario Zgoll

Mit symbolischen Hammerschlägen mauerten Uni-Präsident Rolf-Dieter Postlep, Wirtschaftsminister Florian Rentsch, Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel und der zukünftige Science Park-Geschäftsführer Dr. Oliver Fromm für die Fotografen den Grundstein des neuen Gebäudes. Foto: Mario Zgoll

Mit glühenden Worten und sichtbarer Begeisterung läutete Kassels Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel sein Plädoyer für das neue Projekt Science Park ein. Eigentlich verwunderlich, denn es sind immerhin sieben Millionen Euro, die Kassels Sparkommissar dafür bereitstellen muss. Warum ihm der offizielle Griff ins städtische Portemonnaie aber fast schon Vergnügen bereite, das erläuterte Barthel bei der Grundsteinlegung zum Science Park auf dem Gelände der Kasseler Universität, einem Gründungs- und Innovationszentrum für die gesamte Region.

„Das Geld ist gut angelegt. Kassel und die Region haben in den vergangenen Jahren viele Defizite aus der Vergangenheit; das ist aber immer noch zu wenig. Der neue Science Park wird zusätzliches Wachstum generieren, neue Steuereinnahmen und neue Umsätze in heimischen Unternehmen.“ Überraschende Worte für einen Stadtkämmerer, der normalerweise vieles ablehnt, was Geld kostet. Auch Wirtschaftsminister Florian Rentsch lobte das Wissenstransfersystem und die Gründungsförderung der Universität Kassel. „Es ist enorm wichtig, vorhandenes Potenzial an wissens- und technologiebasierten Gründungen an Hochschulstandorten zu erschließen. Schließlich tragen Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft besonders effektiv zum wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Strukturwandel bei, da neues Wissen und erworbene Kompetenzen unmittelbar in Innovationen umgesetzt werden.“

Labore und Büros als Kommunikationsräume
Arbeitsplätze sollen geschaffen und Hochschulabsolventen an die Region gebunden werden. Barthel sieht aber einen weiteren Vorteil: „Wir gehen davon aus, dass zusätzlich zu den hochqualifizierten Arbeitsplätzen mittel- bis langfristig auch Arbeitsplätze im mittleren und unteren Lohnsegment entstehen und sich diese positiven Aspekte auch und insbesondere im nördlich angrenzenden Stadtteil auswirken.“

Das gesteckte Ziel des Science Parks ist ebenso einfach wie plakativ: „Ideen erfolgreich machen!“, lautet es. Dies soll mit Hilfe von Laboren, Werkräumen, flexibel zu gestaltenden Büros und Ateliers modernster Prägung geschehen, die Studenten und Wissenschaftlern der Uni zur Verfügung stehen. Jungunternehmer finden hier Büros vor, Co-Working Spaces genannt, in denen mehrere Teams zeitgleich arbeiten können. Diese räumliche Nähe soll auch dazu führen, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen und so neue Lösungsmöglichkeiten oder Ideen generieren können. Dieselbe Absicht steckt auch hinter der Konzeption des Ideen-Labors, in dem Studenten unterschiedlichster Fachrichtungen Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft kennenlernen können.

Fruchtbare Kooperation von Stadt und Universität
Universitätspräsident Rolf-Dieter Postlep sieht auch die Wissenschaft als Profiteur. „Unternehmensgründer bleiben in der Regel enge Partner ihrer Hochschule, die gemeinsame Arbeit befruchtet immer wieder auch die Forschung.“ Ähnlich sieht das auch Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen. „Kassels Spitzenplatz als eine der dynamischsten Städte Deutschlands ist in starkem Maße auf die Wirkungen der Universität zurückzuführen. Der Science Park Kassel wird dies noch verstärken.“ Gerade in Zeiten des demografischen Wandels, der zu einem verstärkten Fachkräftebedarf führen werde, benötigten Unternehmen Fachwissen und qualifizierte Arbeitskräfte, und hier könne „… durch die Förderung von Unternehmensgründungen aus der Universität heraus zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.“

Der Science Park soll im Jahr 2015 fertig sein. Beheimatet ist er auf dem Campus Nord des Unigeländes, unmittelbar am Nordstadt-Park gelegen. In diesem Zentrum werden alle Aktivitäten zusammengefasst und verwaltet werden, die sich mit Firmengründungen oder Ideenumsetzungen beschäftigen. Mehr als 6.000 Quadratmeter werden es sein, die Platz für bis zu 60 junge Unternehmen bieten sollen. Das Projekt Science Park soll das Profil der Uni Kassel als innovative, gründungsfreundliche Hochschule weiter schärfen und die von Barthel angesprochene überaus positive Entwicklung von Stadt und Region weiter voran treiben.

Das Geld stammt aus drei Töpfen
Finanziert wird das Projekt von Stadt, Uni und dem Land Hessen von allen drei Partnern, 15 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Bauherr, Träger und Betreiber ist die eigens dafür gegründete Science Park Kassel GmbH, deren Eigentümer zu jeweils 50 Prozent die Stadt Kassel und die Universität Kassel sind. Die Stadt trägt das Vorhaben mit sieben Millionen, das Land mit 7,5 und die Uni mit 500.000 Euro. Der Beitrag des Landes stammt aus dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung, kurz EFRE. Geschäftsführer der neuen GmbH wird Dr. Oliver Fromm, Leiter von UniKasselTransfer, sein sowie der Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums FIDT Kassel, Dr. Gerold Kreuter. Mit einziehen werden auch die Gründungsberatung Inkubator, die GINo mbH (Patentvermarktungsagentur und Patentinformationszentrum) und die UNKIMS Management School. Der Science Park Kassel ist ein zentrales Element des Konzepts zur Förderung unternehmerischen Denkens und Handelns, für das die Universität Kassel im vergangenen Januar vom Bundeswirtschaftsministerium das Prädikat „Gründerhochschule“ erhielt. Im Science Park Kassel werden nur Unternehmen ansässig sein, die mit der Universität in Forschung oder Lehre zusammenarbeiten.

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