Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben


Sternstunde: Mercedes investiert 45 Millionen Euro am Standort Kassel

15. März 2012 | Von | Kategorie: Wirtschaft 

Es war Niels Kowollik von Anfang an klar: „Wenn wir weiter marktprägend bleiben wollen, müssen wir baulich einiges verändern.“ Was er schon in seinen ersten Monaten als Leiter der Mercedes-Benz Niederlassung Kassel/Göttingen bei der Mercedes-Benz Vertriebsorganisation Deutschland in Berlin ansprach, wird nun Wirklichkeit: Die Daimler AG macht in Kassel klar Schiff und investiert 45 Millionen Euro in ein neues Nutzfahrzeug- und ein neues Pkw-Zentrum. Profitieren sollen vor allem die Kunden.

45.000.000 Euro. Reiht man die Ziffern dieses Betrages aneinander, wird einem die Dimension der Investition erst richtig bewusst. Für diese Summe kann man etwas erwarten. Und das darf man tatsächlich. Baulich fängt Mercedes noch mal ganz von vorne an: „Wir ziehen die Bereiche Nutzfahrzeuge und Pkw auseinander“, erklärt Niels Kowollik. Schon im Sommer will man beginnen, den neuen Nutzfahrzeugbetrieb am Lohfeldener Rüssel zu errichten. Die restriktive Trennung beider Einheiten sei die entscheidende Idee gewesen, sagt der Niederlassungschef. „Es ist selten, dass sich ein Kunde gleichzeitig für eine A-Klasse und einen Actros interessiert oder beide zur selben Zeit in die Werkstatt bringen will.“

Matrjoschka-Prinzip
20 Millionen fließen in das Nutzfahrzeugzentrum, das nach bundesweit einheitlichem Muster gebaut wird. „Die Architektur der Nutzfahrzeugbetriebe ist standardisiert. Man muss sich das vorstellen wie die russischen Matrjoschka-Puppen, die alle etwa gleich aussehen, aber unterschiedlich groß sind. Ein kleinerer Betrieb steht in Aachen-Eschweiler, ein großer in Berlin und dazwischen werden wir uns einordnen“, sagt Kowollik. Die Grundstücksvorbereitung stehe jedoch im Unterschied zu anderen Standorten: „Wir werden hier enorme Erdmassen bewegen, um das Gelände zu begradigen.“ Wenn schon neu bauen, dann richtig.

„Wunderbare Lage“
Beim neuen Standort gerät Niels Kowollik ins Schwärmen: „Wir haben hier ein Gewerbegebiet, das ideal liegt – in Europa ideal liegt“, sagt er und verweist auf die gute Anbindung an A 7, A 44 und A 49. Von der „wunderbaren Autobahnlage“ mit mehreren hundert Lkw-Stellplätzen in der Nähe und prognostizierten hunderttausend vorbeifahrenden Fahrzeugen am Tag verspricht sich Kowollik einiges. Im Sommer 2013 soll der neue Betrieb fertig sein. Etwa 100 der 380 Kasseler Niederlassungs-Mitarbeiter ziehen dann um.

Personenwagen ab Frühjahr 2014
Auf dem heutigen Service-Gelände wird ab Frühjahr 2014 der Pkw-Betrieb entstehen. Die ebenfalls dort angesiedelte Pkw-Werkstatt und das Lager sollen während der Bauphase in ein Provisorium ziehen. „Wir werden die Hebebühnen in der jetzigen Gebrauchtwagenausstellung platzieren und uns bei Sozialräumen und Lager mit Containern behelfen“, sagt Niels Kowollik. „Das machen wir so, damit wir keine Kompromisse eingehen müssen, was die Gebäudeaufstellung angeht. Wir werden alles einebnen, um an der Idealstelle bauen zu können.“ Auch die Shell-Tankstelle, die sich ebenfalls auf Mercedes-Grund befindet, muss weichen.

Kurze Wege, mehr Effizienz
Wie der neue Pkw-Betrieb aussehen soll, steht indes noch nicht fest. Kowollik verspricht einen „höheren architektonischen Aufwand“ und rechnet mit dem ersten vorzeigbaren Entwurf etwa in einem Jahr. „Der größte Vorteil wird sein, dass die Kunden in Zukunft ein sehr konzentriertes Angebot aller Dienstleistungen haben. Es gibt einen Eingang, und dahinter ist eine Information für Ersatzteilverkauf, Reparatur, Neuwagen und Gebrauchtwagen. Da sagt keiner mehr: ‚Da müssen Sie wieder rausfahren, hinten links um die Ecke, dann 200 Meter und dann wieder links und da fragen Sie dann noch mal.‘ So ist es ja derzeit.“ Auch die Effizienz erhöhe sich somit deutlich: „Sie können sich vorstellen, wie viel Personal auf einem Grundstück mit so weiten Laufwegen mit Dingen beschäftigt ist, die keiner bezahlen will, die aber dennoch gemacht werden müssen.“ Mitarbeiter einsparen wolle man jedoch nicht. Kowollik: „Da muss sich keiner Sorgen machen. Wir wollen durch die Zuwächse, die wir planen, alle Mitarbeiter beschäftigen, die wir jetzt an Bord haben. Und wenn wir mehr brauchen, ist mir das auch recht.“

Umweltzertifizierung angepeilt
Unbedingt wolle man zukunftsweisend bauen: „Das gehört sich“, sagt Niels Kowollik. „Wenn man modern baut, muss man den Anspruch haben, dass es das Modernste ist, was es gibt.“ So setzt man auf Blockheizkraftwerk und Wärmepumpe und möchte natürlich, in direkter Nachbarschaft zu SMA, auch auf eine Photovoltaik-Anlage nicht verzichten. Ebenso sei die Vollaufbereitung sämtlicher Brauchwasser aus Waschanlage und Lackiererei vorgesehen. „Umweltzertifizierung ist ganz klar unser Ziel“, erklärt Kowollik.

E-Mobilität und Wasserstoff
Auch auf neue Antriebsarten will man sich ausrich-ten. So werde es in beiden Betrieben Hochvolttechnik-Arbeitsplätze geben. „Das ist nicht trivial. Man denkt sich immer ‚Elektroauto, wunderbar‘, aber da sind Spannungen am Werk von über 300 Volt“, sagt der Niederlassungsleiter. Und: „Wir werden uns auf jeden Fall auch auf das Thema Wasserstoffmobilität/Brennstoffzelle einstellen. Schließlich wird die Daimler AG 2014 mit dem ersten Brennstoffzellenfahrzeug an den Markt gehen.“ Auch Elektro-Tankstellen werde es geben: „Wir streben eine Kooperation mit einem großen Anbieter an, um das Thema Elektromobilität zu fördern.“

Top-Dienstleistung als Versprechen
Nachdem alles gebaut ist, will man zu den effizientesten und profitabelsten Niederlassungen der Daimler AG gehören, erklärt Kowollik: „Das ist unser Versprechen gegenüber dem Konzern. Unser Versprechen gegenüber den Kunden ist, dass wir die beste Dienstleistung abliefern, die man kriegen kann. Wenn sich ein Kunde für ein anderes Fabrikat entscheidet, weil ihm der Mercedes-Pkw nicht gefällt oder er den Preis nicht bezahlen will, oder was auch immer, kann man manchmal nichts machen. Aber am Thema Dienstleistung darf es nicht mehr liegen – heute schon nicht, aber dann noch viel weniger.“


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